D

.^,

;. ^^

ti\

■3'

Hl'

;'v

* ^ '-.

i/S 'i'.;n '^4^, V, ,;\< 5 ^ ;.

Univ.of Toronto Library

\^w^W:M'i

^

JAHRESBERICHT

ÜBER DIE

ERSCHEINUNGEN AUF DEM GEBIETE

DER

aEElAmSCKEI PHILOLOaiE

HERAUSGEGEBEN

VON DER

GESELLSCHAFT FÜR DEUTSCHE PHILOLOGIE

IN BERLIN

VIERUNDDREISSIGSTER JAHRGANG

1912

.rof

3^'

LEIPZIG

0. R. REISLAND 1914

ITT

Vorwort.

Der vorliegende band enthält alle abteilungen, wenn er auch später als beabsichtigt erscheinen muß, da mehrere mitarbeiter die ablieferung ihres beitrags wiederum allzulange verzögerten, im übrigen sind auch die andern schon oft beklagten mißstände noch immer nicht ganz behoben: manche Verleger sind sehr gegen ihr eignes interesse nicht zu bewegen, von allen ihren verlagswerken besprechungsexemplare zu senden; viele philosophische fakultäten bzw. Universitätsbibliotheken wollen dissertationen, die sie selbst nichts kosten, nur gegen bszahlung liefern, und eine ganze anzahl Universitätsdozenten beharren in ihrer gleichgültigkeit gegen die ziele unseres Jahresberichts, der ihnen selbst und ihrer lehrtätig- keit doch am meisten nützt.

demgegenüber ist es vielleicht am platze darauf hinzuweisen, daß der Jahresbericht kein für die gesellschaft gewinnbringendes unternehmen ist. sie kann den billigen bezugspreis überhaupt nur dadurch aufrecht erhalten, daß sie ihre mitgliederbeiträge ganz für seine herstellung verwendet, und dank einer Unterstützung durch das k. preuß. kultusministerium. die entsagungsvolle tätigkeit der bearbeiter sollte daher wenigstens soviel anerkennung seitens der Verleger und Verfasser von einschlägigen werken finden, daß ihnen die berichterstattung durch die Übersendung der Schriften er- leichtert wird, während sie jetzt vielfach noch gezwungen sind, sie in bibliotheken einzusehen, wo sie nicht immer leicht und rasch

ly Vorwort.

zu erhalten sind, wenn es nicht anders geht, müssen sich die bearbeiter eben auf die bloße titelangabe beschränken, womit aber keiner seite weder den benutzern des Jahresberichts noch den Verfassern und Verlegern der werke recht gedient ist.

andererseits ist es mir aber eine angenehme pflicht, das ent- gegenkommen gerade der angesehensten Verlagsanstalten im inland und ausländ sowie vieler freunde des Jahresberichts dankbar hervor- zuheben.

hoffentlich haben die hier ausgesprochenen wünsche endlich erfolg, damit der Jahresbericht seinem ziel, ein vollständiges und dauerndes nachschlagewerk der wissenschaftlichen leistungen auf dem gebiete der germanistik zu bilden, in immer vollkommenerem maße gerecht werden kann.

Tür die gesellschaft für deutsche philologie in Berlin,

die redaktion des Jahresberichts:

Dr. Sigmund Feist.

Berlin N. 54, Weinbergsweg 13.

der vorstand besteht aus den herren:

Realgymnasialdirektor prof. dr. G. Boetticher, NO. 18, Elisabeth- straße 57/58 (versitzender);

Oberlehrer prof. dr. J. Bolte, SO. 26, Elisabeth-Ufer 37 (Schrift- führer) ;

Oberlehrer dr. H. Lohre, Berlin-Pankow, Breitestr. 15 (Schatz- meister).

Inhalt.

(Die ausführliche glieäerung der einzelnen abteilungen befindet sich an

ihrem köpfe.)

I. Teil.

A. Allgemeines.

Seite

I. Geschichte der germanischen philologie (J. Luther) 1

n. Vorgeschichte und frühgeschichte (S. Feist) . . . 14

III. Allgemeine Sprachwissenschaft und allgemeine ver-

gleichende Literaturgeschichte (F. Hartmann,

G. Boetticher) 38

B. Sprache und literatur.

IV. Gotisch (S. Feist) 76

V. Deutsch in seiner gesamtentwickelung (S. Feist,

P. Habermann, G. Boetticher) 78

VI. Althochdeutsch (K. Helm) 93

VII. Mittelhochdeutsch (K. Helm, G. Boetticher) . . 102

VIIL Neuhochdeutsche spräche (S. Feist) 134

IX. Neuhochdeutsche literatur bis 1624 (J. Bolte,

J. Luther) 158

X. Hochdeutsche mundarten (H. Teuchert) . . . . 181

XL Niederdeutsch (W. Seelmann) 201

XIL Niederländisch (C. H. Ebbinge-Wubben) . . . . 212

XIIL Friesisch (0. Bremer) 230

VI Inhalt.

IL Teil.

Seite

XIV. Nordisch (August Gebhardt) 1

XV. Englische spräche (Gr. Kartzke) 47

XVI. Englische literatur (0. Lorenz) 62

XVn. Volksdichtung (J. Bolte) 94

C. Hilfswissenschaften.

XVni. Mythologie und sagenkunde (Wolf v. Unwert h) . 111

XIX. A. Runenkunde (Th. v. Grienberger) .... 135

B. Schriftkunde (S. Feist) 145

XX. Mittellatein und Humanismus (R. Wolkan) . . 147

Autorenregister 172

Sachregister 214

Abkürzungen

für die häufiger angeführten Zeitschriften:

AdB.

AfdA.

Alem.

Allg. Litbl.

AJPhü.

Archiv

Arkiv

AKultG.

ARelW.

Berl.ph.wschr.

BfGw.

Beitr.

BoStud.

BSL.

BZfEw.

Cbl.

ÖMF.

Dansk h. t.

DdVl.

DE.

DLz.

EETS.

ESt.

Euph.

GgA.

GßMon.

Hist, jb.

Hist. Viertjs.

Hist. zs.

Idg. anz.

Idg. forsch.

JEGPhü.

JbdShG.

Jsb.

JbEls.-Lothr. =

Kbl. Kbl.f.Anthr. --

Kbl.Ges.Ver. =

KblSiebLk.

LE. Litbl.

= Allgem. deutsche biographie.

= Anzeiger für deutsches altertum.

= Alemaimia.

= Allgemeiiies literaturblatt.

: American Journal of philology.

: Archiv für das Studium der neueren sprachen.

= Arkiv för nordisk filologi.

= Archiv für kulturgeschichte.

= Archiv für religionswissenschaft.

= Berliner philologische Wochenschrift.

= Blätter für das gymnasialschulwesen.

= Beiträge ziir geschichte der deutschen spräche und

literatur. = Bonner Studien zur englischen philologie. = Bulletin de la societe de linguistique. = Bairische Zeitschrift für realschulwesen. = Literarisches zentralblatt. = Casopis pro modemi filologii. = Dansk historisk tidsskrift. = Das deutsche Volkslied. ' Deutsche erde. = Deutsche literaturzeitvmg. = Early English text society. = Englische Studien. = Euphorion.

: Göttingische gelehrte anzeigen. ■■ Germanisch-romanische monatsschrift. : Historisches Jahrbuch der Görresgesellschaft. ■■ Historische vierteljahrsschrift.

Historische Zeitschrift.

Anzeiger für indogermanische Sprachkunde.

Indogermanische forschungen.

Journal of English and Germanic philology.

Jahrbuch der deutschen Shakespeare-gesellschaft.

Jahresbericht über die erscheinungen auf dem gebiete der germanischen philologie.

Jahrbuch für geschichte, spräche und literatur Elsaß- Lothringens.

Römisch-germanisches korrespondenzblatt.

Korrespondenzblatt der deutschen gesellschaft für anthropologie, ethnologie und Urgeschichte.

Korrespondenzblatt des gesamtvereins der deutschen geschichts- und altertumsvereine.

Korrespondenzblatt des Vereins für siebenbürgische landeskunde.

Literarisches echo.

Literaturblatt für germ. und roman. philologie.

Vm Abkürzungen.

Litbl.Fftr.Zg. = Literaturblatt der Frankfurter zeitung.

LitRundschau = Literarische rundschau für das katholische Deutschland.

Mannus = Mannus, Zeitschrift für Vorgeschichte.

MLN. == Modem language notes.

MLR. = Modern language review.

MPhil. = Modern philology.

MSchlesVk. = Mitteilungen des Vereins für schlesische Volkskunde.

MSL. == Memoires de la societe de linguistique.

Mtbl. = Monatsblätter.

Mtschr. = Monatsschrift für höhere Schulen.

Münch.Beitr. = Münchner Beiträge zur romanischen und englischen

Philologie.

Museum . = Museum. Maandblad voor philologie en geschiedenis.

Nd. jb. = Jahrbuch d. Vereins für niederdeutsche Sprachforschung.

Nd. kbl. = Korrespondenzbl. d. Vereins f. niederd. Sprachforschung.

NJb. == Neue Jahrbücher für das klassische altertum etc.

Norsk h. t. = Norsk historisk tidsskrift.

NQ. = Notes and Queries.

NSpr. = Die neueren sprachen.

NTfFil. = Nordisk tidskrift for filologi.

PMLAss. = Publications of the modern languages association of

America.

Pal. = Palaestra.

Polyb. = Polybiblion.

Praehist.Zs. = Praehistorigche Zeitschrift.

QF. = Quellen und forschungen zur sprach- und kultur-

geschichte der germ. Völker.

Rev. germ. = Revue germanique.

StudenglPh. = Studien zur englischen philologie.

Svensk h. t._ = Svensk historisk tidskrift.

Svensk h. t. Ö. == Svensk historisk tidskrift, öfversikter og granskningar.

Theol. Iz. = Theologische literaturzeitung.

Tijdschr. = Tijdschrift voor nederlandsche taal- en letterkunde.

Voss. ztg. = Vossische zeitung.

Westd. zs. = Westdeutsche Zeitschrift für geschichte und kunst.

"Wien.Beitr. = Wiener beitrage zur englischen philologie.

WS. = Wörter und Sachen.

Wschr. = Wochenschrift für klassische philologie.

ZfdA. = Zeitschrift für deutsches altertum.

ZfdMa. = Zeitschrift für deutsche mundarten.

ZfdPh. = Zeitschrift für deutsche philologie.

ZfdU. = Zeitschrift für den deutschen Unterricht.

ZfdWortf. = Zeitschrift für deutsche Wortforschung.

ZfrenglU. = Zeitschrift für französischen und englischen Unterricht.

ZfGw. = Zeitschrift für das gymnasialwesen.

ZföG. = Zeitschrift für die österreichischen gymnasien.

ZfRw. = Zeitschrift für realschulw^esen.

ZfrhwV. = Zeitschrift für rheinisch-westfälische Volkskunde.

ZfvglLg. = Zeitschrift für vergleichende literaturgeschichte.

ZfvglSpr. = Zeitschrift für vergleichende Sprachforschung.

ZfVk. = Zeitschrift des Vereins für Volkskunde.

ZSprV. = Zeitschrift des allgem. deutschen Sprachvereins.

Erster Teil.

I. Geschichte der germanischen Philologie.

A. Biographie. B. Enzyklopädie vmd bibliographie.

A. Biographie.

1. Allgemeine Deutsche Biographie, bd. 56. generalregister. München u. Leipzig 1912. XV,398 s. die einleitung berichtet eingehend über die begründung, die anfange und die durchführung dieses großen Unternehmens.

2. Biographisches Jahrbuch und Deutscher nekrolog. hrsg. von Anton Bettelheim. bd. 14(1909). Berlin, G. Eeimer. 1912. 399 s. u. 104* sp. 12 m. forts. zu Jsb. 1910,1,1.

3. Julius Ziehen, i^us der Studienzeit, ein quellenbuch zur geschichte des deutschen universitäts-unterrichts in der neueren zeit aus autobiographischen Zeugnissen. Berlin, Weidmann. 1912, XVI,542 s. 10 m.

4. Bremische biogi'aphie des neunzehnten Jahrhunderts, hrsg. von der Historischen gesellschaft des künstlervereins. Bremen, Gustav Winter. 1912. VII,534 s. 6 m.

Achelis. 5. D. Ernst Christian Achelis (1838—1912). blätter der erinnerung als manuskript gedruckt. Marburg, Buchdr. H. Bauer. 1912. 44 s. m. 1 hchtbild. vgl. Zs. d. ver. f. hess. gesch. u. landeskde. 46 (n. f. 36; 1912), s. 255. vf. u. a.: Die entstehungszeit von Luthers geistlichen liedern. 1884.

Andree. 6. Prof. dr. Richard Andree (1835—1912). nach- ruf. Korresp.-bl. d. d. ges. f. anthrop., ethnol. u. urgesch, 43 (1912),32; Eduard Hahn, ZfVk. 22(1912),217 f. m. bildn.

Arber. 7. Edward Arber f (1836—1912). ESt. 46 (h. 1. 1912),176. 'hat sich durch seine gewissenhaften neudrucke älterer texte ein bedeutendes verdienst um die englische philologie erworben'.

Banmgartner; vgl. Jsb. 1911,1,1. 8. Nikol. Scheid, P. Alexander Baumgartner, S. J. ein gedenkblatt seines lebens und Wirkens. Hamm, Breer u. Thiemann. 1911. 32 s. 0,50 m. (Frankfurter zeitgemäße broschüren. bd. 31.)

Jahresbericht für germanische plülologie. XXXIV. (1912.) I. Teil. 1

2 I. Geschichte der germanischen philologie.

Berck. 9. A. Kühtmann, Theodor Berck (1784—1850). Bremische biographie des 19. jahrh., s. 28 30. vf. u. a. : Ge- schichte der westfälischen femgerichte. 1815.

Bernhardt: vgl. Jsb. 1911,1,2.-10. Prof. dr. Ernst (Karl Ferdinand) Bernhardt (1831 1911). Jahrbücher d. kgl. akad. gemeinnütziger Wissenschaften zu Erfurt. n. f. heft 37(1911), s. 222—228.

Brahm. 11. Otto Brahm (1856—1912) f. AfdA. 36, s. 111.

Brauer. 12. Walter Merk, Johann Nikolaus Friedrich Brauer, ein Vorläufer des Sprachvereins. ZSprV. 27(1 91 2), 341 344. Brauer (1754 1813), der bearbeiter des i, j'. 1810 einge- führten 'Badischen landrechts', der mit zugätzen versehenen amt- lichen deutschen Übersetzung des Code Napoleon, ging bewußt auf Sprachreinheit aus. selbst ausdrücke wie ' tesiament, notar usw. werden durch letzter iville, siaatsschreiher usw. ersetzt, in seinen 'Erläuterungen über den Code Napoleon und die großherzoglich badische bürgerliche Gesetzgebung, 1809', rechtfertigt er ein- gehend die Verdeutschung der bisher üblichen fremden rechtsaus- drücke. — dazu W. Andreas, ZGObRh. n. f. 28(1913),179 f.

Brentano. 13. Erich Frank, Clemens Brentano der Ver- fasser der Nachtwachen von Bonaventura. GRMon. 4(1912), 417—440.

Bulthaupt. 14. Edmund Ruete, Heinrich (Alfred) Bult- haupt (1849 1905). Bremische biographie des 19. jahrhs., s. 79 92. dort auch weitere literatur über B.

15. H. Bulthaupt, Literarische vortrage, s. abt. 1,102.

Caro. 16. Georg Caro, privatdozent an der Universität Zürich, wirtschaftshistoriker, f. Zs. d. Savigny-stiftg. f. rechtsgesch. 33(1912), german. abt., s. 667.

Bahn. 17. Felix Dahn (1834—1912). Zs. d. Savigny- stiftg. f. rechtsgesch. 33(1912), german. abt., s. 666 f.; Karl Otto Frey, Geisteskampf der gegenwart 48(1912), s. 187 191.

Delius. 18. Herman Tardel, Nikolaus Delius, hervor- ragender Shakespeareforscher (1813 1888). Bremische biographie d. 19. jahrhs., s. 105 108. dort auch weitere literatur über D.

Bilthey; vgl. Jsb. 1911,1,5. 19. Benno Erdmann, Ge- dächtnisrede auf Wilhelm Dilthey. [aus: Abhandlungen d. preuß. akad. d. wiss.] Berlin, G. Reimer. 1912. 18 s. Im.; Max Frischeisen-Köhler, Kant-studien 17(1912),161— 172; ders., W. D. als i^hilosoph. Logos 3(1912),29— 58; Eduard Spranger, W. D., eine gedächtnisrede, gehalten in der Societas Joachimica zu Berlin. Berlin, Borngräber [1912]. 29 s. 1 m.

I. A. Biographie. 3

Dreves. 20. A. Drej-er, Guido Maria Dreves (1854 1909). BJb. 14,196 f. war u. a. herausgeber der Analecta hj'mnica medii aedi.

Dunger. 21. Paul Pfetscli, Hermann Dunger f. (1843 1912.) ZSprV. 27(1912),329— 330.

Falke. 22. Jacob von Falke (aus: J. v. F., Lebenser- innerungen. Leipzig, G. H. Meyer. 1897). in: J. Zielien, Aus der Studienzeit (s. o. abt. 1, 3), s. 339 ^^347.

Freytag; vgl. Jsb. 1911,1,8. 23. G. Frey tag, Briefe an seine gattin. 3. u. 4. aufl. Berlin, Borngräber. 1912. G05 s. geb. 9 m. 'das buch hinterläßt nach jeder seite hin eine nieder- drückende empfindung; es ist nicht geeignet, den glauben an die mensehheit zu stärken'. [Friedrich] Wiegand (Greifswald), Yierteljahrsber. aus d. geb. d. schönen lit. (Gütersloh, Bertels- mann) 7(1913),5,

24. Gustav Frej^tag (aus: G. F., Erinnerungen aus meinem leben. Leipzig, Hirzel. 1887). in: J. Ziehen, Aus der Studien- zeit (s. 0. abt. 1,3), s. 336—339.

OerYinus. 25. Georg Gottfried Gervinus (aus: G. G. G.s leben, von ihm selbst 1860. Leipzig, Engelmann. 1893). in: J. Ziehen, Aus der Studienzeit (s. o. abt. 1,3), s. 334 336.

Gildemeister. 26. Bippen, Otto Gildemeister (1823— 1902). Bremische biographie des 19. jahrhs., s. 174 186. dort auch weitere literatur über G.

OÖrres; vgl. Jsb. 1911,1,10 f. 27. Karl Alexander von Müller, Fünf briefe von Joseph von Görres. Euph. 19(1912), 284 290. bisher ungedruckte briefe im besitze der Königl. bibliothek zu Berlin (an Johannes Schvilze, den mitbegründer und späteren langjährigen leiter des preußischen Unterrichtswesens, vom 24. dez. 1815, an den preußischen ministerresidenten Scholz vom 18. februar 1818, an professor Steingass v. 28. märz 1833, und zwei briefe an Ludwig L von Bayern v. 25. mai 1842 und vom 30. august 1842).

28. J. V. Görres, Ausgewählte werke. 1911. vgl. Jsb. 1911,1,10. rec. A. Matthias, Mtschr. 11(1912),696 f.; Carl Jentsch, Grenzboten jahrg. 72(1913),II,388— 390.

Gottsched; vgl. Jsb. 1911,1,13. 29. Eugen Reich el, Gottsched, bd. 2. mit 2 bildn. Gottscheds aus den jähren 1739 und 1746. Berlin, Gottsched-verlag. 1912. 12,XXX,955 s. nebst 55 s. namen- und Sachregister. 11,50 m. forts. zu Jsb. 1908, 1,25. Reichel hat mit diesem umfangreichen bände seine auf sehr breiter grundlage erbaute Gottschedbiographie abgeschlossen,

1*

4 I- Geschichte der germanischen philologie.

die noch umfangreicher ausgefallen wäre, wenn nicht 'sozureden in letzter stunde, ganze massen von textseiten und anmerkungen dem blaustift zum opfer gefallen' wären. Reicheis Wertschätzung seines helden gipfelt in den worten: 'so wird uns Deutschen Gott- sched der weise ... in alle zukunft auf gleicher höhe stehen mit den größten männern unserer geschichte'. da eine gleiche Wertschätzung Gottscheds von der kritik und auch sonst nicht beliebt wird, so setzt sich R. mit den kritikern des ersten bandes, im besonderen R. M. Werner, in dem Vorwort sehr ausführlich auseinander.

30. Wolfram Suchier, Gottscheds korrespondenten. alpha- betisches absenderegister zur Gottscbedschen brief Sammlung in der Universitätsbibliothek Leipzig, [aus: Kleine Gottschedhalle.] Berlin- Schöneberg, Gottsched- Verlag. 1912. 83 s. 6 m. günstig reo. Kopelke, Monatshefte d. Comenius-ges. f. kultur u. geistesleben 1912,39* f.

31. Alfred Römer, Gottscheds pädagogische ideen. ein beitrag zur Würdigung J. C. Gottscheds. Halle a. S., Max Nie- meyer. 1912. XV, 142 s. 4,50 m. (erscheint gleichzeitig als dissertation. Leipzig 1911.) selbstanzeige GRMon. 4(1912),688.

Grimm; vgl. Jsb. 1911,1,14 ff. 32. Ernest Tonnelat, Les freres Grimm, leur oeuvre de jeunesse. these pour le doc- torat pres. ä la fac. des lettres de l'Univ. de Paris, Paris, Armand Colin. 1912. XII,438 s. rec. Reinh. Steig, Lit. echo 14 (1911/12),1529— 1531.

33. Briefe der brüder Grimm an Paul Wigand. bd. 3. 1910. vgl. Jsb. 1911,1,15. rec. R. Hübner, DLz. 1912, 1167 f.

34. Reinhold Steig, Die brüder Grimm und die Weimarische bibliothek. ZfBücherfr. n. f. 4,1(191 2),25— 30.

35. Reinhold Steig, Die kinder- und hausmärchen der brüder Grimm, eine hundertjahr-erinnerung. Internat, monatsschr. 6(1912),1535— 1552.

36. E. Guglia, Ranke und Jakob Grimm. Mitt. d. inst. f. österr. geschichtsforsch. 33(1912), 127 129. weist auf eine merkwürdige parallele in der auffassung der geschichte der mensch- heit zwischen J. Grimm und Ranke hin.

Gröber. 37. Wilhelm Meyer-Lübke, Gustav Gröber (1844—1911). GRMon. 4(1912),1— 5 mit bildnis. Heinrich Schneegans, Gustav Gröber. Zfrz.SprLit. 39(1912), 119— 131.

Hansrath. 38. Otto Trommel, Adolf Hausrath (1837—

1909). BJb. 14,294 299, kommt für uns hauptsächlich wegen

seiner biographie Martin Luthers in betracht.

I

I. A. Biographie. 5

Heinzel. 39. 8. Singer, Eichard Heinzel. (1. Heinze uud Scherer. 2. Die werke aus Heinzels erster schriftstellerischer Periode.) S. .Singer, Aufsätze und vortrage (1912), s. 183 280. abdruck des artikels in der ZföG. 1909.

Herder; vgl. Jsb. 1911,l,19ff. 40. E. Kühnemann, Herder. 2. nenbearb. aufl. München, Beck. 1912. XXIV,607 s. geb. 8 m.

41. Max Morris, Goethes und Herders anteil an dem Jahr- gang 1772 der Frankfurter Gelehrten Anzeigen. 2, veränd. aufl. Stuttgart u. Berlin, Cotta. 1912. 191 s. 5 m.

42. Otto Müller (Bückeburg), Handschriftliches aus Herders Bückeburger zeit. Archiv, Jahrg. G6(1912), bd. 129, n. s. 29, 1—11 und 301—323.

48. R,. Kayser, Franklin und Herder. Monatshefte d. Comenius-ges. f. kultur- u. geistesleben 1912,69 76.

44. Johannes Ninck, Die begründung der religion bei Herder, 2. aufl. Leipzig, Hinrichs. 1912. 80 s. 8«. 1,50 m.

Hildebraild; vgl. Jsb. 1911,1,23 f. 45. Erich Wester- mann, Grundlinien der weit- und lebensanschauung Rudolf Hilde- brands, systematisch dargestellt und kritisch beurteilt. Leipzig^ Quelle u. Meyer. 1912. 125 s. 3 m.

Holder-Egger. 46. Oswald Holder-Egger, leiter der ab- teilung Scriptores der Monumenta Germaniae historica, f. AfdA. 35,304.

Hnmljoldt; vgl. Jsb. 1911,1,25 ff. 47. Albert Leit z- mann, Wilhelm von Humboldts sonettdichtung. Bonn, Marcus & Weber. 1912. VI,107 s. 2,80 m. rec. Herman Nohl jun., Wschr. 30(1913),369— 371.

48. Wilhelm von Humboldts Gesammelte scln-iften. s. u. abt. 1,103 f.

49. Wilhelm von Humboldt. Neue briefe an Schiller, be- arbeitet und hrsg. von Friedrich Clemens Ebrard. 1911. vgl. Jsb. 1911,1,29. die briefe, die der herausgeber i. j. 1909 für die Stadtbibliothek Frankfurt a. M. erworben und zunächst in der Deutschen rundschau veröffentlicht hatte, füllen eine erhebliche lücke in dem bisher bekannten briefwechsel Humboldts und Schillers aus. sie sind inhaltlich von großem werte u. a. durch Humboldts urteile 'über noch ungedruckte dichtungen Schillers, die ihm dieser zur beurteilung übersandte', dazu namentlich auch durch H.s brief über den Wallenstein, ebenso aber durch H.s mitteilungen über eigene literarische plane, von denen 'die begonnene, aber nicht- vollendete Würdigung des Reineke Fuchs', besonders aber 'das von ihm geplante große werk einer Charakteristik des achtzehnten

Q I. Gescliichte der gerinanisclien philologie.

Jahrhunderts' hervorzuheben sind. Ebrards einleitung über das Schicksal, den inhalt und die bedeutung der briefe ist eingehend und, ebenso wie die herausgäbe mit den hinzugefügten erläuterungen, von bekannter Sorgfalt. günstig reo. Knodt (Herborn), Viertel- jahrsbericht a. d. geb. d. schönen lit. 6(1912), 108 f.

50. Hans aus der Puente, Wilhelm von Humboldts forschungen über ästhetik. Gießen, Töpelmann. 1912. IV und s. IGl 304. 4,40 m. [= Philosophische arbeiten, hrsg. von H. Cohen u. P. Natorp. bd. 4, h. 3.) rcc. J. »Schöne mann, DLz. 19J3,1U— 149.

51. E. Sprang er, Wilhelm von Humboldt und die huma- nitätsidee. 1909. vgl. Jsb. 1910,1,14. reo. Karl AU, Hist. Viertjs. 15(1912),430— 433.

52. E. Spranger, Wilhelm von Humboldt und die reform des bildungswesens. 1910. vgl. Jsb. 1911,1,27. reo. Karl Alt, Hist. Viertjs. 15(1912),449 f.

Jacobsthal. 53. Gustav Jacobsthal f. AfdA. 36, s. 111.

arbeitete besonders über mittelalterliche musik.

Justi. 54. Karl Justi (1832—1913) f. AfdA. 36, s. 111.

hat 'durch die biographische methode seines 'Winckelmann' auch für die deutsche literaturgeschichte wegweisende bedeutung gewonnen'.

Kelle. 55. Josef Seemüller, Johann von Kelle (1828 1909). BJb. 14,105—109.

Leibiiiz; vgl Jsb. 1911,1,40 f. 56. W. Kabitz, Die bildungsgeschichte des jungen Leibniz. Zs. G. d. erziehung u. d. Unterrichts 2(1912), 164— 184.

57. Bericht über die internationale Leibnizausgabe s.abt. 1,105.

LilieuCTOli; vgl. Jsb. 1911,1,43. 58. Alfred Biese, Rochus Freiherr v. Liliencron. (1820 1912.) Konservat. monatsschr. 69,II(1912),722— 726. Johannes Bolte, ZfVk. 22(1912),219 f. ni. bildn. Hermann Krotzschmar, Intern, monatsschr. 6(1912), 421 428 m. bildn. [Nachruf], Zs. d. Internat, musikges. 13 (1912),217.

59. Rochus von Liliencron (aus: R. v. L., Frohe jugendtage. Icbenserinnerungen. hindern und enkeln erzählt. Leipzig, Duncker u. Humblot. 1902.) in: J. Ziehen, Aus der Studienzeit (s. o. abt. 1,3), s. 311—321.

Lübke. 60. Wilhelm Lübke (aus W. L., Lebenserinnerungen. Berlin, Fontane & co. 1893). in: J. Ziehen, Aus der Studienzeit (s. 0. abt 1,3), s. 347—352.

Lyon. 61. Julius Sahr, Otto Lyon (1853 1912). ZfdU. 26(1912),593— 606 m. bildn. Walther Hofstaeter, ZfdU. 26(1912),527.

I. A. Biographie. 7

Magnusson. 62. Eirikur Magnüssonf (1833 1913), biblio- thekar in Cambridge. ZfdPh. 44(1912),508. 'bekannt als herausgeber und Übersetzer altnordischer Schriftwerke'.

Meyer. 63. Herrn. Tardel, Elard Hugo Meyer (1837— 1908). Bremische biographie des 19. jahrhs., s. 331 334. dort auch weitere literatur über M.

Minor. 64. Jakob Minor (1855—1912), AfdA. 36, s. 111; ZfdPh. 44(1912), s. 392. Max Lederer, In memoriam. Grenz- boten 71(1912),IV, s. 233 f.

Moser. 65, K. Helm, Pfarrer Johannes Moser, Wohn- bach, t (1855—1912). Hessische blätter für Volkskunde 11(1912), 23 26. war besonders auf dem gebiete der Volkskunde tätig. H. gibt auch ein Verzeichnis der arbeiten Ms.

Mourek. 66. Vaclav E. Mourek f. AfdA. 35,304. 'der ausgezeichnete kenner der germanischen syntax und der vor- nehmste vermittler unserer Wissenschaft bei seinen cechischen Volksgenossen'.

Müiich. 67. Er. Heussner, Wilhelm Münchs letztes buch. (Zum deutschen kultur- und bildungsieben, 5. Sammlung ver- mischter aufsätze. 1912.) Mtschr. 11(1912),225— 227. A. Mat- thias, Rückblick auf W. Münchs sonstiges schaffen. ebda. 227—229.

Nygaard. 68. Marius Hsegstad, Marius Nygaard (Nekrolog). (1838—1910.) Arkiv 28 (n. f. 24; 1912),341— 343.

Pedersen, 69. Henrik Ussing, Anders Pedersen f (1880 1911). Arkiv 28 (n. f. 24; 1912), 272— 275.

Peez. 70. Paul Samassa, Alexander v. Peez (1829 1912). Deutsche erde 11 (19 12), 2 4. arbeitete u. a. auch über deut- sche Stammeskunde und Volkskunde.

Bahn. 71. Josef Zemp, Johann Rudolf Kahn (1841 1912), Anz, f. Schweiz, altert, n. f. 14 (h, 1, 1912), 1 15. Schweizerischer kunsthistoriker; vf. u. a. 'Studien über die Manessesche lieder- sammlung' im Anz. f, Schweiz, altertumskunde 1877, 'Nikiaus Manuel' im Rep, f. kunstvvissenschaft bd. 3, ein ausführliches Ver- zeichnis seiner Schriften ist beigefügt.

Rieger. 72. Karl Seil, Friedrich Leonhard Maximilian Rieger (1828—1909). BJb. 14,37—49.

Rietschel. 73. Alfred Schul tze, Siegfried Rietschel,rechts- historiker (1871 1912). Zs. d, Savigny-stiftg, f. rechtsgesch. 33(1912), German. abtlg. VII XXXII nebst einem Verzeichnis seiner Schriften. s. a. ebda. s. 667. AfdA, 36, s. 112.

Ruland. 74. P. v. Bojanowski, Carl Ruland, direkter der großherzoglichen kunstsammlungen und des Goethemuseums in Weimar (1834—1907). BJb. 14,393—397.

8 I. Geschichte der germanischen philologie.

Saussure. 75. Ferdinand de Saussure f. AfdA. 36, s. 111 f. vf. u. a. 'Memoire sur le sj^steme primitif des voj^elles dans les langues indo-europeennes. 1879'.

Savigny. 76. Hermann U. Kantorowicz, Was ist uns Savigny? Berlin, Carl Heyrcanns. 1912. 45 s. (s.-a. aus: Hecht u. Wirtschaft 1.) Im. richtet sich gegen eine Überschätzung Savignys, auch als rechtshistoriker.

Schade. 77. Oscar Schades briefnachlaß kam in den besitz der Königl. bibliothek zu Berlin. Jahresbericht der Königl. bibl. zu Berlin f. d. j. 1911/12, s. 33. die sammlnng enthält 722 für die geschichte der germanischen philologie wichtige autographe, darunter 'briefe von Gervinus, Pfeiffer, Koberstein, Zarncke, Studemund, Gutschmid, A, Scholl, Weigand, Pröhle, Peifalik, und auch 41 von Hoffmann von Fallersleben, die hauptsächlich das Weimarer Jahrbuch betreffen'.

Schaefer. 78. H. Seedorf, (Johann) Wilhelm Schaefer (1809—1880). Bremische biographie d. 19. jahrhs., s. 433 435. hier auch weitere literatur über Seh. vf. u. a. 'Handbuch zur geschichte der deutschen literatur'.

Scheffel. 79. Ant. Breitner, Joseph "Viktor von Scheffel und seine literatur. prodromos einer Scheffel-bibliographie. Bay- reuth, Seligsberg. 1912. VII, X,202 s. m. bildn. u. faks. 12 m.

Scherer. 80. S. Singer, Richard Heinzel. 1. Heinzel und Scherer, s. o. abt. 1,39.

Schlegel: vgl. Jsb. 1911,1,51. 81. Luzian Pfleger, Friedrich Schlegel und Leopold Graf zu Stolberg, ein beitrag zu Schlegels konversionsgeschichte. Hist.-pol. blätter, bd. 149(1912), 495—504.

Schönbach; vgl. Jsb. 1911,1,54. 82. Anton E. Schön- bach (1848—1911). AfdA. 35,304.

Schottelius. 83. Richard von Damm, Justus Georgius Schottelius. zum 300. geburtstage des Sprachforschers. ZSprV. 27(1912), 221— 223.

Schultz. 84. Hugo Schmerber, Alwin Schultz, kunst- historiker (1838—1909). BJb. 14,91—94.

Singer. 85. S. Singer, Aufsätze und vortrage, s. abt. 1,106.

Skeat. 86. KarlBreul, Walter William Skeat [1835— 1912]. ein erinnerungsblatt. (s.-a. aus dem Montagsblatt nr. 42, wiss. wochenbeil. der Magdeburgischen zeitung 1912.) [Magdeburg, Faber- sche buchdruckerei]. 1912. 7 s. 8"; dass. auch in d. ZfrenglU. 12(1913),137— 144. A. Schröer, ESt. 46(1912/13),163— 175. vgl. ferner ESt. 45(1912),472.

I. B. Enzyklopädie und bibliographie. ^

Soflfe. 87. Bernhard Münz, Ein mährischer literarhisto- riker (d. i. schulrat prof. Emil Söffe). Vortrag. Zs. d. mähr, landesmus. 12(1912), 127— 135.

Stern. 88. Heinrich Spiro, Adolf Stern (1835—1907). BJb. 14,371—373.

89. Kuno Meyer, Ludwig Christian Stern j, 1846 1911. Zs. f. celt. Philologie 8(1912).583— 587 mit bildn. Sterns ar- beiten, die in der hauptsache der orientalischen, dann der kelti- schen Philologie galten, reichten auch in das gebiet der germa- nischen Philologie hinein. vgl. Jsb. 1903,1,146. s. a. abt. 1,92.

Sweet. 90. D. L. Savory, Henry Sweet. NSpr. 20(1912), 193—200.

Uhland; vgl. Jsb, 1911,1,63.-91. Ludwig Fränkel, Lud- wig Uhland als dichter und mensch im lichte der nachweit, an- läßlich der 50. Wiederkehr seines todestages (13. november). Eckart 7(1912/13),69— 83. Walter Schmidt, Ludwig Uhland. zu seinem 50. todestage. Konserv. monatsschr. 70(1912), 239 249. Ludwig Uhland. zur 50. wiederkehr seines todestages 13. 11. 1862. Uhlands andenken und seinen freunden gewidmet von der 'Tübinger chronik'. Tübingen, A. u. S. Weil. 1912. 28 s. m. abb. 0,50 m.

Tarnbagen. 92. Ludwig Stern, Die Varnhagen v. Ense- sche Sammlung in der königl. bibliothek zu Berlin, geordnet und verzeichnet. Berlin, Behrend & co. 1911. XV,923 s. ra. 1 bildn. 15 m. s. a. Jahresbericht d. kgl. bibl. zu Berlin f. d. j. 1911/12 s. 35.

Yischer; vgl. Jsb. 1911,1,64. 93. A. Rapp, Friedrich Theodor Vischer und die politik. 1911. (J.sb. 1911,1,64.) rec. Bergsträsser, Vierteljahrsber. a. d. geb. d. schönen lit. 7(1913), 3.

Weltrich. 94. Eichard Weltrich (1844— 1913) f- AfdA. 36, s. 111. Schillerbiograph.

Wenker; vgl. Jsb. 1911, 1,64a. 95. Georg Wenker, der begründer des Sprachatlas des deutschen reiches (1852 1911). AfdA. 35,304.

Werner. 96. Richard Maria Werner (1854—1913) f. AfdA. 36, s. 111; ZfdPh. 44(1912), s. 508.

B. Enzyklopädie und bibliographie.

97. Bruno Busse, Wie studiert man neuere sprachen? ein ratgeber für alle, die sich dem Studium des Deutschen, Englischen und Französischen widmen. 2. aufl. Stuttgart, W. Violet. 1912. rec. 0. Schulze, ESt. 45(1912),343— 346.

10 I- Geschichte dtr germanischen philologie.

98. Karl Groedeke, Grundriß zur geschieh te der deutschen dichtung. aus den quellen. 2. ganz neu bearb. aufl. nach dem tode des vf. in Verbindung mit fachgelehrten fortgeführt von Edmund Groetze. h. 28 u. 29, bearb. von Alfred Rosenbaum (= bd. 10, s. 2—160 und 161—432). Dresden, Ehlermann. 1911 u. 1912. 4,20 m. u. 7,20 m. (inhalt: buch VIII. dichtung der allgemeinen bildung.)

99. Dass., 3. neu bearb. aufl. bd. 4, h. 3 (bogen 28—40 = s. 433—640). ebda. 1911. 5,60 m. (inhalt: buch>I. nationale dichtung.)

100. Kgl. preuß. akademie der wiss. Deutsche kommission. bericht der herren [Konrad] Burdach, [Andreas] Heusler, [Gustav] Ptoethe und [Erich] Schmidt (über das jähr 1911). SB. d, kgl. preuß. akad. d. wiss. 1912,1,71 88. 'die inven- tarisation der deutschen bandschriften und ihre archi- valische bearbeitung wurde rüstig gefördert', außer aus den deut- schen bunde-sstaaten wird über arbeiten aus der Schweiz, Öster- reich, Ungarn, über anknüpfung mit Rußland und über eine orientierungbreise in England berichtet. das gedruckte material ist weiter bearbeitet. das archiv enthält nunmehr etwa 6000 beschreibungen und 250000 zettel. Von den Deutschen texten des mittelalters wurde ausgegeben bd. 19 (Daniel, eine deutsche ordensdichtung); im drucke befinden sich zwei sehr umfängliche bände, bd. 20 (Rudolfs von Ems weltchronik) und 22 (das Väterbuch), sowie das dünne heft 23 (Konrad von Megenberg, Deutsche sphära); in kurzem soll der satz der 'Heidelberger minnereden' und der 'Pilgerfahrt des träumenden mönchs' beginnen. Die Wieland-ausgabe hatte unter un- vorhergesehenen Stockungen zu leiden; aber bd. 7 ist ausgedruckt. Über das Rheinische Wörterbuch berichtet [Johannes] Franck. nummer 14 16 der fragebogen sind ausgegeben, 'die kartographische darstellung einer größeren anzahl Wörter ist ziemlich fertiggestellt worden'. die vorläufige bearbeitung des buchstabens B ist begonnen, der bestand des archivs (das letzte mal etwa 190000 zettel) hat sich trotz ausscheidungen um etwa 30000 vermehrt, der aus fragebogen bearbeitete stoff beläuft sich auf etwa 50000 zettel. 'In der Überzeugung, daß die Sammlung unserer mundartlichen schätze eine der dringendsten aufgaben der Wissenschaft ist, und daß da jedes jähr des auf- schubs schwere Verluste bedeutet, hat die Deutsche kommission beschlossen, alsbald der Vorbereitung zweier weiteren idiotika näherzutreten', die leitung eines Hessen-Naussauischen Wörter- buchs hat [Ferdinand] Wrede übernommen, ein Preußisches Wörterbuch bereitet Walther Ziesemer vor. Über die

I. B. Enzyklopädie und bibliographie. 11

Zentralsammelstelle des Deutschen Wörterbuchs in Göttingeu berichtet ihr leiter Johannes Lochner. die Sammelstelle verfügt jetzt über insgesamt 1383700 belege (-{- 407 500). 'es erschienen im berichtsjahre für G (bd. 4, abt. 1) von [Hermann] Wunder- lich die 12. lieferung des 3. teileSj der damit abgeschlossen ist fgen'ifzigt gewöhniglich) , für W (bd. 13) von [Karl] von Bahder und Sickel die 10. lieferung des 1. teiles (ivandeln wank), sowie von [Alfred] Götze die 1. lieferung des 2. teiles fstattlich stäupe). Über die Forschungen zur neuhochdeutschen sprach- und bildungsgeschichte berichtet [Konrad] Bur- dach, 'die beiden im druck vollendeten teile der von dem be- richterstatter und Paul Piur herausgegebenen Rienzoedition wurden bisher [i. j. 1911; inzwischen sind sie erschienen. L.] nicht ver- öffentlicht, weil die einleilung innerlich und äußerlich so an- wuchs, daß sie als ein selbständiges ganzes abgetrennt und außer- dem in zwei bände zerlegt werden mußte. der darstellende, kulturgeschichtliche teil dieser einleitung, von dem berichterstatter allein vei'faßt, eröffnet nunmehr unter dem titel Rienzo und die geistige Wandlung seiner zeit als erster teil das werk', die zweite hälfte der einleitung wird eine genaue beschreibung aller benutzten handschriften bringen, teil 5 den sachlichen und historischen kommentar sowie das glossar.

101. Otto Winter, Ungai-n und die deutsche jhilologie am anfange des 19. Jahrhunderts. auszug aus einer abhandlung Dr. J. Bleyers. II. Die brüder Grimm, Büsching und v. d. Hagen. Euph. 19(1912),264— 283. forts. zu Jsb. 1911,1,77.

102. Heinrich Bulthaupts Literarische vortrage, aus dem nachlaß ausgewählt und durchgesehen von H. Kraeger. Olden- burg, Schulzesche hofhuchh. 1912. 354 s. 4 m, rec. Eudolf Raab, LCbl. 1912,1485.

103. Kgl. preuß. akademie d. wiss, kommission für die heraus- gäbe der 'Gesammelten Schriften Wilhelm von Humboldts', be- richt des herrn [Erich] Schmidt. SB. d. kgl. preuß. akad. d. wiss. 1912,1,67 f. bd. 9 wird jetzt vollendet; bd. 14 (tage- bücher) ist in Vorbereitung, die auffindung von Humboldts ur- sprunglich auf seinen söhn Hermann vererbter bibliothek auf Günthersdorf bei Neusalz hat auch ein für verloren gehaltenes werk, die bis zur widmung ganz druckfertige Schilderung der baskischen reise von 1801, wieder an das licht gebracht; es wird in dem für Supplemente bestimmten 13. bd. erscheinen.

104. Wilhelm von Humboldts Gesammelte Schriften, hrsg. von der kgl. preuß. akad. d. wiss. bd. 9. (1. abt.: werke, hrsg. von Albert Leitzmann. bd. 9. gedichte.) Berlin, B. Behr. 1912. 457 s. 9,50 m.

12 I- Geschichte der germanischen philologie.

105. Kgl. preuß. akademie der wiss. Interakademische Leibniz-ausgabe. bericht des herrn [Max] Lenz. SB. d. kgl, preuß. akad. d. wiss. 1912,1,68. 'das manuskript zum ersten bände der briefe und denkschriften ist abgeschlossen, so daß der druck beginnen kann, im übrigen hat auch das letzte jähr einige neue Leibniz-funde gebracht'.

106. S. Singer, Aufsätze und vortrage. Tübingen, Mohr. 1912. VII,280 s. 9 m.

107. Die indogermanische Sprachwissenschaft auf dem 16. orien- talistenkongreß zu Athen (7. 14. april 1912), Idg. forsch. 30 (1912), 31 34. erwähnt seien: N. Schloegl, Neue bisher un- geahnte bahnen der vergleichenden Sprachwissenschaft; P. Kretsch- mer, Zur entwicklung der indogermanischen Sprachwissenschaft; H. Baynes, On the origin of the aiphabet; E. Liden, Zum Wortschatz der tocharischen spräche.

108. Verhandlungen der 51. Versammlung deutscher philo- logen und schulmänner in Posen vom 3. bis 6. Oktober 1911. im auftrage des ausschusses zusammengestellt von Paul Ssymank. Leipzig, B. G. Teubner. 1912. VIII, 185 s. 6 m.— aus dem inhalt. allgemeine Sitzungen: [Paul] Cauer, Wilhelm von Humboldt als Organisator des preußischen bildungswesens (s. 17 f.); Eugen Wolff, Wilhelm Meisters theatralische Sendung von Goethe (s. 19 f.); Max Frischeisen-Köhler, Über den gegenwärtigen stand der Sprachphilosophie (s. 24 27). archäologische Sektion: [Carl] Schuchardt, Suebenkultur (s. 70 f.). roma- nistische Sektion: [Alfons] Hilka, Romanische vind mittel- lateinische literatur in ihren Wechselbeziehungen (s. 90 92). anglistische Sektion: [Gustav] Krüger (Berlin), Vorschläge zur Verbesserung der grammatischen begriffe, im besonderen der englischen Sprachlehre (s. 93 f.); [Eduard] Eckhardt, Die re- formation im Spiegel des zeitgenössischen englischen dramas (s. 95 f.); [Wilhelm] Dibelius, Zur sagengeschichte des Titus Andronikus (s. 96); [Karl] Wildhagen, Zur datierung und loka- lisierung der altenglischen psalterglossen (s. 96 98). germa- nistische Sektion: [Gustav] Roethe, Arbeiten und ziele der Deutschen kommission bei der kgl. akademie der Wissenschaften (s. 99); Johannes Lo ebner, Tätigkeit der Zentralsammelstelle des Deutschen Wörterbuchs seit ihrer gründung (99 101); [Rudolf] Meißner, Zum wertschätz der Voluspa (s. 101 f.); Georg Minde- Pouet, Neue Kleist-funde (s. 103); [Georg] Baesecke, Der Wiener Oswald als beispiel der sprachlichen und literarischen kolonisation des Ostens (s. 103 f.); Wolf v. Unwerth, Die deutsche epik und die Thidrekssaga (s. 104), indogermanische Sektion: [Lud- wig] Heller, Relative Chronologie vorgeschichtlicher lautübergänge

I. B. Enzyklopädie und bibliographie. 13

(s. 105); Felix Hartmaun, Was kann die Sprachwissenschaft tun, um die einführung sprachhistorischer betrachtungsweise in den Schulunterricht zu erleichtern? (s. 105 107); [Otto] Schra- der, Die anschauungen V. Hehns von der herkunft unserer kultur- pflanzen und haustiere im lichte neuerer Forschung (s. 107 f.); Eduard Hermann, Die entwicklung der litauischen konjunktional- sätze (s. 108); Ernst Eränkel, Beiträge zur griechischen und indogermanischen grammatik und syntax (s. 109); Hans Meltzer, Urgriechen und Urgermanen in ihren gegenseitigen beziehungeu (s. 109 111). Sektion für Volkskunde: Wolf v. Unwerth, Wiedergeburt und schutzgeister im germanischen Volksglauben (s. 112 f.); Karl ßeuschel, Die gestalt Luthers in der Volks- kunde (s. 113). historisch-geographische Sektion: [K. Rud.] Kötzschke, Ostdeutsche kolonisation im mittelalter und in der ueuzeit (s. 115 117); [Alfr.] Doren, Über den heutigen stand der frage nach der entstehung der zünfte (s. 117 119). s. a. Jsb. 1911,1,84. vgl. ferner: Theodor Lipps, Die 51. Versamm- lung deutscher philologen und schulmänner. Internat, monatsschr. 6(1912),373— 380.

109. Der 15. deutsche neuphilologentag zu Frankfurt a. M., 27.— 30. mai 1912. Berichte: M. Pflüger, ESt. 45(1912), 171—178; W^ilhelm Schulze (Heidelberg). Päd. archiv 54(1912), 631—645; Paul Wohlfeil, ZfrenglU. 11(1912),332— 342.

110. Festschrift zum 15. Neuphilologentage in Frankfurt a. M. 1912. Frankfurt a. M., Gebrüder Knauer. 1912. V,289 s. 5 m.

111. N. Martin, Bericht über die 7. hauptversammlung des Bayerischen Neuphilologen-verbandes (7. bayer. neuphilologentag), abgehalten in Erlangen vom 11. bis 13. april 1912. ZfrenglU. 11(1912),424— 466.

112. Verhandlungen bei der gründung des Deutschen Ger- manisten-Verbands in der Akademie zu Frankfurt a. M. am 29. Mai 1912. hrsg. vom geschäftsführenden ausschuß. ZfdU. ergänzungs- heft 7. Leipzig u. Berlin, B. G. Teubner. 1912. 72 s. 1,20 m. im märz 1912 wurde von Klaudius Bojunga, Friedrich Panzer und Johann Georg Sprengel aus Frankfurt a. M. ein aufruf erlassen, der mit den werten begann 'Mehr und mehr ist in allen kreisen, denen es um die zukunft unseres Volkstums ernst ist, die Überzeugung zum durchbruch gekommen, daß unser deut- sches geistesleben stärker als bisher auf völkische grundlagen ge- stellt werden muß', als abhilfe wurden eine stärkere betonung des deutschen Unterrichts auf der schule, erteilung dieses Unter- richts nur durch fachlehrer und eine gründliche Vorbildung der letzteren gefordert, die erreichung dieses zieles soll durch 'einen

14 II- Vorgeschichte und frühgeschichte.

zusammenscLluß der gennanisten . . . zur förderung des deutschen Unterrichts' erstrebt werden, der aufi-uf nebst dem satzungsent- wurf fand bald eine sehr große zahl von Unterschriften, so daß am 29. mai 1912 die begründende verrammlung stattfinden konnte, in dem ausgezeichneten begeisternden einleitenden vortrage be- gründete Friedrich Panzer die forderuugen, die im interesse einer strafferen Vorbildung und größerer kenntnisse auf dem gesamten gebiete der deutschen kultur zum gedeihen unseres ganzen Volkes gestellt werden müßten, und zu deren betonung und durchführung der VDG. berufen sei. den bericht 'über die Ursachen und an- regungen, denen die bewegung entsprungen ist, über den Wider- hall, den sie bisher im stillen gefunden hat, und über die prak- tischen aufgaben, die sich aus alledem zu ergeben scheinen, gab J. G. Sprengel; über die Satzungen und die Organisation sprach Kl. Bojunga. an die frage der Organisation knüpften sich sehr eingehende crörterungcn. in bezug auf die tagung wurde schließ- lich zunächst ein anschluß an die philologenversammlung be- schlossen, die endgültige fassung der Satzungen, entsprechend den in der Versammlung gegebenen anregungen, die eine sofortige einigung nicht ergaben, wurde dem vorstände überlassen.

113. Festschrift zur feier des hundertjährigen bestehens des Königlichen Friedrichs-gymnasiums zu Breslau. Breslau, Hirt. 1912. 139 s. darin u. a.: (Philipp) Loewe, Direktoren, lehrer und abiturienten 1812 1912; (Paul) Feit, Hummerei.

J. Luther.

II. Vorgeschiclite und frühgescliichte.

A. Allgemeines und Zeitschriften. Versammlungsberichte. B. Neo-

lithische zeit. C. Bronzezeit. D. Eisenzeit. E. Landschaftliches.

F. Germanen. G. Römisch-germanische zeit. H. Völker wanderungs-

zeit und frühes mittelalter.

A. Allgemeines und Zeitschriften.

1. H. Obermaier, F. Birkner, W.Schmidt, F. Hester- mann, Th. Stratmann, Der mensch der vorzeit. Natur und kultur der Völker der erde. München, Allgemeine verlagsgesell- schaft. L lief. 10—13. IL lief. 14—24. vgl. Jsb. 1911,2,1. der von H. Obermaier bearbeitete 1. band: der mensch der vorzeit i.st zu ende geführt, die jüngere Steinzeit und die bronzezeit Europas, die Urgeschichte des Orients, Ägyptens und Kretas sowie die europäische eisenzeit werden in den Schlußlieferungen be- handelt. 1. bd. bespr. von J. Eanke, Arch. f. anthrop. 39,320.

II. A. Allgemeines und Zeitschriften. 15

der 2. bd. bringt aus F. Birkners feder eine physiologie des menschlichen körpers, dann eine beschreibung der verschiedenen menschenrassen, eine darstellung des Verhältnisses von mensch und tier; die reste des diluvialen menschen, die bevölkerung Europas in Vergangenheit und gegenwart usw. werden behandelt, auch die sprachliche einteilung wird dabei berücksichtigt, wobei sehr verständige ansichteu über den indogermanischen sprachstamm und seine unbestimmbare herkunft geäußert werden, auch die neu erschienenen lieferungen weisen ein sehr reichhaltiges illustrations- material auf.

2. Mor. Hoernes, Kultur der urzeit, 3 bde. Leipzig, G. J. Göschen. 1912. (Samml. Göschen 564—566.) das 1. bändchen umfaßt die Steinzeit, das 2. die bronzezeit, das 3. die eisenzeit. im 1. teil wird die paläolithische zeit, unserer jetzigen kenntnis entsprechend, eingehender behandelt, vf. be- schränkt sich aber nicht bloß auf Europa, sondern behandelt auch die kulturen der übrigen erdteile, wenn auch summarischer, ab- bildungen (umrißzeichnungen) im text veranschaulichen die dar- legungen; auch ist jedem bändchen eine tafel beigegeben. bespr. von Arn. Zehme, Mtschr. 11,593 596.

3. M. Hoernes, Urgeschichte der menschheit. 4. aufl. (Samml. Göschen 42.) Berlin und Leipzig, G. J. Göschen. 1912.

kürzer als in den 8 bändchen der vorigen nummer werden die vorgeschichtlichen reste des menschen und seine kultur hier summarisch dargestellt, zahlreiche abbildungen im text dienen zur erläuterung des gebotenen.

4. R. Braun gart. Die Urheimat der landwirtschaft aller indogermanischen Völker an der geschichte der kulturpflanzen und ackerbaugeräte in Mittel- und Nordeuropa nachgewiesen. mit 226 abbildungen und 1 tafel. Heidelberg, C. Winter. 1912. 470 s. in dem umfänglichen werke gibt uns vf. seine reichen erfahrungen auf dem gebiete der europäischen ackerbaugeräte in breiter darstellung. bei den asiatischen Völkern ist er mehr auf die vorhandene literatur angewiesen ; er geht hier auch auf die Viehzucht ein. die fortwährende verquickung seiner darlegungen mit den ergebnissen der idg. altertumskunde muß vf. natürlich zu falschen folgerungen führen, da er sprachlich und ethnologisch zu wenig geschult ist und die beiden gebiete geschichte der ackerbaugeräte und geschichte des idg. sprachstamms kaum berührungspunkte aufweisen, zudem schöpft vf. seine sprachlich- historischen kenntnisse nicht selten aus trüben, meist einander wider- sprechenden quellen, dagegen ist das werk, als reine material- sammlung betrachtet, von unschätzbarem werte, da nur wenige das behandelte gebiet beherrschen, kaum noch irgend jemand in

16 II. Vorgeschichte und frühgeschichte.

in dem umfang wie vf. bespr. von R. M[eringer], WS. 4,224. anerkannt, mit einigen anstellungen an einzelbeiten von August Gebhardt, Mitteilungen der deutseben laudwirtscbafts-gesellschaft 28. jabrg. (1913), stück 24, s. 354—358.

5. A. Scbliz, Beiträge zur präbistoriscben etbnologie. Praebist.Zs. 4,36 67. vf. entwickelt zunächst seine Verteilung der verschiedenen schädeltypen über die kulturen der jüngeren Steinzeit und will dann die ausbreitung des nordischen Megalith- stammes bis nach Italien (Italiker) an den funden des gräber- feldes von Remedello di Sotto (provinz Brescia) erweisen, die Waffen bestehen aus flint oder kupfer. Er gibt aber selbst zu (s. 55), daß sich neben der nordischen auch die alpine dolicho- kephalie und selbst brachykephalie findet. die 'Italiker', die 'gründer Roms' sind nach vf. aus alpinen und nordischen dolicho- kephalen gemischt. beide stamme werden indogermanisch (??) gesprochen haben, dazu kamen die Etrusker, bei denen die kurze und breite schädelbildung überwiegt. weiter wird das gleich- falls der stein-kupferzeit angehörige gräberfeld vom Adlerberg bei Worms betrachtet, hier wie in Remedello liegende hocker, aber der westeuropäischen brachykephalie zugehörig. (Kelten?) end- lich kommt das gräberfeld von Straubing an die reihe, auch hier sind liegende hocker beerdigt, aber aus der frühen bronzezeit. die Schädel sind teils brachykephal, teils dolichokephal (vom Aunjetitzer- und Megalithtypus). das resultat seiner Unter- suchungen faßt Schliz zusammen in folgende sätze: 1. die Rössener Völkerbewegung hat vermutlich schon in der Steinzeit in Ostfrank- reich geendet, aus ihrer Verbindung mit den dortigen brachy- kephalen wird das keltische Volkstum entstanden sein. 2. die Italiker entstanden aus der mischung einer völkerwelle von ost- mitteldeutschen und böhmischen volksstämmen mit der ebenfalls (süd)indogermanischen (!) Terramarenbevölkerung Oberitaliens in der stein-kupferzeit. beide völkergruppen waren in Mitteldeutsch- land nachbarn gewesen, daher die nahe Verwandtschaft der sprachen (???). in satz 3 wird gar eine megalithisch-mitteldeutsche Sprache als die herrschende der südwestdeutschen hügelgräber- kultur postuliert! da Schliz am Schlüsse seines aufsatzes selbst zugibt, daß neue funde seine konstruierte prähistorische ethno- logie Mitteleuropas verändern können, so braucht man, was die Sicherheit seiner aufstellungen angeht, keine mahnung zur vorsieht hinzuzufügen, was die sprachliche seite betrifft, so kann man seine behauptungen nur als gänzliche mißgriffe bezeichnen.

6. H. Po hl ig, Eiszeit und Urgeschichte des menschen. 2. aufl. Leipzig, Quelle & Meyer. 1911. bespr. v. A. König, Zfßw. 37,493.

II. A. Allgemeines und Zeitschriften. I7

7. A. Schliz, Ausgrabungsprobleme. Kbl. f. anthr. 1912, s. 136 139, vf. behandelt die aufgäbe und die methode, die bei der aufdeckung vorgeschichtlicher wohnstätten zu beachten sind, er unterscheidet folgende haustypen ira Neckartal: 1. vier- eckiger rahmenbau, 2. blockbau, 3. korbbaU; 4. pfostenbau, 5. stakenbau.

8. W. Vogel, Von den anfangen deutscher Schiffahrt. Praehist.Zs. 4,1 15. vf. schließt aus dem vorkommen der kuppelgräber im ägäischen kulturkreis und den riesenstuben in den nordischen ländern, die im innern des kontinents fehlen, auf einen schon steinzeitlichen Seeverkehr. um 1500 tauchen in Schweden (Bohuslän) und Norwegen die hällristningar (felsenzeich- nungen) mit darstellungen von schiffen auf. diese fahrzeuge ge- hören dem typ der aus rinde oder häuten genähten schiffe an. sie besitzen einen doppelten Schiffsschnabel, ähnliche typen finden sich auch anderwärts, am Adriatischen meer aus der 1. hälfte des letzten Jahrtausends v. Chr. und noch heute bei den Waganda am Viktoria-Nyanza. wie ist das zu erklären? liegt hier konver- genz oder uralte kulturübertragung vor. die Seeschiffahrt ist aber bei den vorfahren der Germanen uralt, während Slaven und Ita- liker geradezu 'wasserscheu' sind, doch waren die fahrzeuge der Germanen recht primitiv, zumeist nur einbäume, oft von gewaltiger große, für 30 40 menschen ausreichend.

9. Bror Schnittger, Einige vorgeschichtliche brotfunde aus Schweden. Praehist.Zs. 4,166 169. Übersetzung eines in Fom- vännen 1912 erschienenen aufsatzes durch Max Ebert. nach einer aufzählung der bisher bekannten Körnerfunde und -abdrücke aus prähistorischer zeit bespricht vf. einen fund von sechsreihiger gerste aus dem pfahlbau von Alvastra, brotfunde aus gerstenmehl aus dem 5. jahrh. v. Chr. und der Wikingerzeit aus ackererbsen und fichtenrinde. erbse (ahd. arawlz, araweiz, mndl. erwete kehrt in altschwed. cert, altisl. ertr wieder und entspricht als wander- wort nicht idg. urwort, wie vf. will dem lat. ervum, griech. igeßii'^og, OQoßog, wie altengl. earfan aus lat. ervum, altengl. pise aus lat. ptsuni entlehnt ist. die erbsenkultur ist also um die zeit von 800 1000 n. Chr. in Schweden betrieben worden.

10. M. Hoernes, Die formentwicklung der prähistorischen tongefäße und die beziehungen der keramik zur arbeit in anderen Stoffen. Mitt. d. anthropol. ges. in Wien, 42,97—98.

11. Ernst Reisinger, Der stand der hochäckerfrage. Röm.- germ. kbl. 5,33—35.

12. F. V. Duhn, Ein rückblick auf die gräberforschung. akad. rede. Heidelberg 1911. bespr. von Anthes, Kbl.Ges.Ver. 60,249. Fr. Baumgarten, DLz. 33,1521—1522.

Jaliresbericbt für germanische philologie. XXXIV. (1912.) I. Teil. 2

18 II- Vorgeschichte und frühgeschichte.

13. A. Kiekebusch, Vorgeschichtliche wohnstätten und die luethode ihrer Untersuchung. Kbl. f. anthr. 1912,63 68.

14. Vejsil Ourcic, E-ezente pfahlbauten von Donja Dolina in Bosnien, erg.-heft 9 zu bd. 19 der ZföVk. Wien, Gerold & co. i. komm. 1913. seit der bronzezeit sind pfahlbauten in Bosnien bezeugt (in Ripac bei Biha6), die im t'luß Una errichtet waren, also Wasserbauten darstellten, daneben fanden sich landansied- lungen auf pfählen aus der eisenzeit (6. 3. jahrh. v. Chr.) bei Donja Dolina im Überschwemmungsgebiet der Save. auf der Trajanssäule in Adamklissi (Dobrudscha) sind dakische pfahlbauförfer darge- stellt, vf. zeigt nun, daß sich solche pfahlbauten bis heute bei Donja Dolina erhalten haben, freilich nicht in ununterbrochener kontinuität, da die neubesiedlung der gegend erst im 18. jahrh. erfolgte und römische und mittelalterliche funde nur äußerst spär- lich sind, die gegenwärtigen bewohner von Dolina sind erst in jüngerer zeit zugezogen; über ihre abstammung und ihre kultur gibt vf. interessante details. dann wendet er sich den aus holz gebauten pfahlbauhäusern zu, deren konstruktion und einrichtung aufs eingehendste beschrieben wird. vf. unterscheidet drei ver- schiedene bauperioden, deren stil er in genauen beschreibungen darstellt, zahlreiche abbildungen von häusertypen und hausrat veranschaulichen die ausführungen des vfs.

15. R. Gradmann, Spelz- und Alemannengrenze. Deutsche erde 11,173—174.

16. H. Schuchardt, Geschichtlich verwandt oder elementar verwandt, (s.-a. aus Magyar Nyel vor 1912.) bespr. von W. Meyer- Lübke, Litbl. 33,394—297.

17. K. Schumacher, Materialien zur besiedlungsgeschichte Deutschlands, karten, plane, photographische und zeichneiüsche aufnahmen, modelle usw. von den ältesten zeiten bis ins mittel- alter. mit 14 tafeln und 30 abbildungen im text. Mainz, L. Wilkens. 1913. mit dem katalog 5 des röm.-germ. zentral- museums in Mainz setzt vf. seine dankenswerten Veröffentlichungen zur kenntnis des alten Germaniens fort, zunächst wird ein Ver- zeichnis archäologischer karten Deutschlands nach landschaften gegliedert gegeben; dann werden die darstellungen der wohn- bauten und wohnanlagen seit der paläolithischen zeit nach vor- geschichtlichen und frühgeschichtlichen perioden unter steter be- rücksichtigung der grabanlagen aufgezählt; darauf folgen die ring- wälle und befestigungen der vorrömischen, römischen und nach- römischen periode, weiterhin die Straßenanlagen und endlich in der rubrik 'Verschiedenes' notizen über kontinuität in der besied- lung, ackerbau, metallgewinnung u. dgl. m. ein von R. Hensan

II. Allgemeines und Zeitschriften. Versammlungsberichte. 19

ausgearbeitetes alphabetisches Verzeichnis der erwähnten orte bildet eine gute ergänzung zu dem im fortlaufenden text gebotenen niaterial.

18. Mainzer Zeitschrift, Jahrgang VII, 19 12. darin folgende aufsätze: K. Körber, Die im jähre 1911 gefundenen römischen und frühchristlichen Inschriften und Skulpturen, s. 1 28; A. Oxe, Die große Jupitersäule im altertumsmuseum der stadt Mainz, s. 28 35; Fr. Behn, Die musik im römischen beere, s. 36 47; E. Neeb, Bericht über die Vermehrung der Sammlungen des alter- tumsmuseums der stadt Mainz, s. 48 61; H. Fischer, Eine Germanenfigur? s. 67 (behandelt ein bronzefigürchen aus dem landesmuseum in Zürich mit haarknoten); K. Schumacher, Bei- träge zur geschichte und topographie der Rheinlande III, s. 68 81 (behandelt werden: 1. Die straßen Rheinhessens im wandel der Zeiten; 2. Der feldzug des Germanicus gegen die Chatten im jähre 15 n. Chr.; 3. Auf der Saalburg); G. Behrens, Neue funde aus dem Kastell Mainz, s. 82 109; A. Feigel, Eine Marienfigur aus dem Rheingau, s. 110 111; Fr. Schwarz, Der Mainzer dialektdichter Lennig, s. 112 119.

Tersammlungsberichte.

19. Bericht über die 3. hauptversammlung der deutschen ge- sellschaft für Vorgeschichte zu Coblenz 3. 7. august 1911. Mannus 4,11 88. kurze Inhaltsangaben über folgende vortrage: G.Kossinna, Die deutsche voi'geschichte, eine hervorragend nationale Wissen- schaft; A. Günther, Aus Rheinlands ur- und Vorgeschichte; 0. Fleischer, Die entwicklung der germanischen musik; 0. Mon- te! ius. Die ältesten fibeln; C. Rademacher, Der Kartstein bei Eiserfey in der Eifel; E. Bracht, Über rohe melaphja-geräte un- bekannten alters von Trosky in Böhmen; G. Wilke, Kultur- parallelen zwischen Indien und den Ostmittelmeerländern; C. Koehl, Die Zeitfolge der rheinischen steinzeitkulturen in Rheinhessen; H. Hahne, Das früh bronzezeitliche goldgeschmeide von Schulen- burg; Fr. Behn, Die neuordnung des Römisch-germanischen Zentralmuseums zu Mainz; E. Blume, Thrakische keramik in der provinz Posen; Traugott Friedemann, Über vorgeschichtlichen Unterricht auf höheren schulen; P. Hörter, Ein gräberfeld der ältesten Hallstattzeit bei Mayen.

20. Baltischer archäologen-kongreß zu Stockholm. 13. 17. august 1912. bericht von G. Kossinna im Mannus 4,415 444. ausführlichere Inhaltsangabe folgender vortrage: R. Sernander, 'Die geologische entwicklung des Nordens nach der eiszeit in ihrem Verhältnis zu den archäologischen perioden'; G. Kossinna,

2*

20 II- Vorgeschiclite und frühgeschichte.

'Die herkunft der ostdeutsclieii bevölkerung der bronzezeit'; G. Sarauw, 'Ai;s der römischen eisenzeit im baltischen gebiet'; 0. Almgren, 'Zur entstehung des germanischen stils in der römischen kaiserzeit'; 0. Montelius, 'Goldalter und wendelzeit in Schweden'; T, J. Arne, 'Vorführung von denkmälern zur ver- anschaulichung der wikingerzeitlichen Verbindungen Schwedens mit den russischen Ostseeprovinzen'; G. Hallström, 'Nordskan- dinavische Opferplätze'.

21. T. J. Arne, Der erste baltische archäologenkongreß in Stockholm. Praehist.Zs. 4,404—409.

22. Siebente tagung des Nordwestdeutschen Verbandes für altertumsforschung in Wernigerode. Kbl. des ges.-ver. 1912,66 ff. darin: P. Höfer, Frühgeschichtliches aus dem Harz; Lange- wiesche, Ausgrabungen auf der Hünenburg bei Bielefeld; H.Hof- meister, Über eine bandkeramische Siedlung bei Cassel; C. Schuch- hardt, Beziehungen zwischen Ostgermanen und Westgermanen.

23. C. Schuchhardt, Achte tagung des Nordwestdeutschen Verbandes für altertumsforschung zu Lüneburg (9. 11. april 1912). Praehist.Zs. 4,409 416. darin vom vf. behandelt der Limes Saxoniae, eine von Lauenburg über Oldesloe bis Kiel verlaufende prähistorische anläge des 10. 11. jahrhs.

B. Neolithische zeit.

24. H. Messikommer, Die pfahlbauten von Robenhausen. L'epoque Robenhausienne. Zürich, Orell Füssli. 1913. in diesem werke, das dem entdecker der Robenhausener pfahlbauten, J. Messikommer, von seinem söhne gewidmet wird, stellt dieser die geschichte der aufdeckung, das leben J. Messikommers und die pfahlbauten selbst dar, die gerate aus stein, knocken, hörn, holz und ton, die flachsindustrie, die gewebe, pflanzen, nahrungs- mittel, die fauna, metallfunde (z. b. ein kupfer- und ein bronze- beil) aus den resten des pfahlbaudorfes in dem heute vermoorten teil des Pfäffikersees werden betrachtet und schließlich das alter der anläge (steinzeitlich bis zum beginn der bronzezeit), ihre be- wohner und deren herkunft zu bestimmen versucht. die dar- stellung ist für weitere kreise bestimmt, oft von einem gemüt- lichen humor durchsetzt, aber doch nicht unwissenschaftlich. 48 vortrefflich ausgeführte lichtdrucktafeln mit den bildnissen der an der erforschung beteiligten männer, der fundstätte und eines teiles der zahllosen funde sind dem werke beigegeben.

25. K. Classen, Die Völker Europas zur jüngeren Steinzeit, ihre herkunft und Zusammensetzung. (Studien und forschungen.

i

II. B. Neolithische zeit. 21

zur menschen- u. Völkerkunde. 10.) Stuttgart, Strecker & Schröder. 1912. nach einem überblick über die geologische entwicklung Europas nach der eiszeit wendet vf. sich der betrachtung der träger der ältesten nordischen kulturen (Kjökkenmöddinger und Magiemose) zu, in denen er abkömmlinge der Paläolithiker erblickt, während die jungsteinzeitliche bevölkerung Europas aus Nord- afrika, Südeuropa und den gebieten am schwarzen meer einge- wandert sei. es werden die Iberer, Ligurer, Pelasger, Hittiter und Indogermanen betrachtet; als Urheimat der letzteren, die auf der grenze von Paläolithikum und Neolithikum lebten, wird Südruß- land angesehen, diese Urheimat ist älter als die baltische (?). die sprachlichen gründe, die vf. anführt, zeigen, daß er auf diesem gebiet aus zweiter band schöpft, und methodisch begeht er den fehler, Völker der geschichtlichen zeit in eine zu frühe zeit zurück- zuverlegen, ohne den Zwischenraum genügend zu überbrücken, zum Schluß des linguistischen teils werden die Finnen und Lappen besprochen, in dem anthropologisch-archäologischen teil werden zunächst die alten und heutigen rassenverhältnisse Europas be- trachtet ; archäologische und sprachliche tatsachen werden in ein- klang zu bringen versucht, was ohne gewaltsamkeit aber nicht möglich ist. vf. hat ein umfängliches archäologisches und anthro- pologisches material verwertet, steht ihm aber nicht kritisch genug gegenüber, um plausible folgerungen aus seinen Verknüpfungen mit dem Indogermanenproblem zu erzielen. bespr. von M. Ho er n es, DLz. 33,2926—2927.

26. G. Wolff , Die neuesten ergebnisse der nachforschungen nach neolithischen ansiedelungen mit brandgräbern in der Um- gebung von Frankfurt a. M. Mitt. d. anthropol. ges. in Wien 42,95—97.

27. A. Götze, Das neolithische gräberfeld von Walternien- burg (kr. Jerichow I). Praehist.Zs. 4,113 118. gefunden wurden eine menge tongefäße mit tiefstichkeramik und schnur- ornament, ein tonlöffel, zehn spinnwirtel eine seltene er- scheinung in der nordischen Steinzeit und steinsachen. die Skelette waren vollständig vergangen.

28. A. Bärthold, Eine wohnstätte bei Halberstadt mit ein- facher bandkeramik. Praehist.Zs. 4,374 377. neben tongefäßen und einem meißel aus stein fand sich eine trensenstange aus hirschhorn. neben anderen funden ein beweis für das vorkommen des pferdes in der Steinzeit.

29. A. Schliz, Untersuchungsbericht über drei schädel aus dem Halberstädter museum. Praehist.Zs. 4,377 381.

SO. H, Mötefindt, Spitznackige dreieckige belle in Thüringen. Praehist.Zs. 4,231—232.

22 II- Vorgeschichte imd frühgeschichte.

31. G. Sarauw, Einige der wichtigsten fundplätze frühneo- lithischer kultur in Dänemark, Norddeutschland und Nordfrank- reich. Mitt. d. anthropol. ges. in Wien 42,93 95.

32. H. Lehn er, Prähistorische ansiedlungen, (Plaidt an der Nette.) Röm.-germ. kbl. 5,53 54.

C. Bronzezeit.

33. Gr. Kossinua, Zur älteren bronzezeit Mitteleuropas. II. Mannus 4,173 185. fortsetzung der polemik gegen A. Schliz im Mannus 3,316 ff. (vgl. Jsb. 1911,2,21). die Illyrier, die sich in der 2. bronzezeitperiode über Böhmen, Mähren, Niederöster- reich, Ungarn, Bosnien und das östliche Oberitalien ausgedehnt haben, sind die erfinder der italischen fibel nach dem muster der germanischen urfibel und verbreiten die germanischen griffzungen- schwerter nach dem Süden, die Illyrier haben eine besondere krugform mit buckeln; 'südindogermanischen (! !I) schädelbau' (auch nach Schliz) hat die große masse der von ihnen unterworfenen Urbevölkerung, die aber nur illyrisch gesprochen haben kann (! ! ! j. zugunsten der 'ostdeutschen' Illyrer werden die vor 14 jähren von Kossinna in die Vorgeschichte eingeführten 'Karpodaken' geopfert. die fortsetzung dieses aufsatzes bildet

34. Gr. Kossinna, Zur älteren bronzezeit Mitteleuropas. III. 1. Die alten griffzungenschwerter. 2. Die Nordillyrier (Veneter). Mannus 4,271 294. vf. wendet sich zunächst gegen S. Müller, der für die griffzungenschwerter südlichen, italischen Ursprung annimmt, und erklärt diesen typus für germanisch, er stellt eine ausführliche fundliste der verschiedenartigen typen auf, die von den Illyriern in eigenartiger weise weitergebildet worden seien, im zweiten teil will vf. den beweis für die ausdehnung der Illyrier bis nach Ostdeutschland aus der übereinstimmenden keramik Oberitaliens, Ungarns und Posens der 2. und 3. bronzeperiode er- bringen, aas Ostdeutschland seien die Illyrier im 6. 5. jahrh. vor den andrängenden Germanen wieder gewichen, nachklänge der illyrischen herrschaft in Nordösterreich und Schlesien findet vf. in Ortsnamen; doch sind seine Zusammenstellungen mehr wie anfechtbar, das einzig sichere ist das mehrfache vorkommen des namens 'Veneter' in Europa (Wenden = Slaven); doch machen andere die Kelten für dessen ausbreitung verantwortlich.

35. A. Schliz, Zur älteren bronzezeit Südwestdeutscblands. nach wort zu G. Kossinnas 'antwort' im Mannus 3,316 ff. auch hier wieder eine ganz unzulässige verquickung prähistorischer •funde der stein- und frühen bronzezeit mit sprachlichen begriffen (keltisch, nordisch-germanisch, illyrisch, italisch usw.), die frühestens

l

II. D. Bronzezeit. 23

ein Jahrtausend später geltung haben, es wird ferner vom 'süd- indogermanischen' schädelbau der Hallstattleute gesprochen, die (nach einer mündlichen auskunft von Much) in ihrer Urheimat nicht 'keltisch' gesprochen haben, woher weiß Much das? den übrigen teil des aufsatzes füllt ein streit über die herkunft der träger der sog. buckelkeramik in Ostdeutschland und über die Chronologie der südwestdeutschen Steinzeit aus. die prähistoriker könnten ihre zeit und arbeitskraft wirklich nützlicher für ihre Wissenschaft verwenden, wenn sie das leidige streiten um ethno- graphische festlegungen prähistorischer kulturen aufgeben wollten, das ja doch nur ein spiel mit leeren worten ist.

36. E. Wagner, Bronzefund. (Brandhof, Gemark. h^chie- ningen, amt Konstanz.) Röm.-germ. kbl. 5,55.

37. P. Bartels, Über schädel- und skelettreste der frühen bronzezeit aus der Umgebung von Worms a. Rh. Mannus 4,67 82. genaue beschreibung der auch in dem aufsatz von Schliz (vgl. nr. 5) behandelten skelettfunde vom Adlerberg und von West- hof en. das ergebnis ist: überwiegend brach3'kephale, wenige mesokephale, keine dolichokephalen (wie auch Schliz hervorhebt) schädel; aber von der vorausgegangenen neolithischen bevölkerung durchaus verschieden, die länge der skelette ist wegen des ge- ringen materials nicht zu ermitteln; vermutlich mittelgroßen, zum teil athletisch (!) gebauten leuten gehörig, woher sie gekommen und wo sie geblieben sind, läßt sich nach dem vorhandenen material nicht sagen (im gegensatz zu Schliz).

38. Ct. Kyrie, Die zeitliche Stellung der prähistorischen kupfcrgruben auf dem Mitterberge bei Bischofshofen. Mitt. der anthrop. ges. in Wien, 1912, s. 196 208. auf den arbeiten von M. Much, 0. Klose und R. Much fußend, stellt vf. das verfahren bei diesem vorgeschichtlichen bergbau dar und weist ihn dann abweichend von zwei dieser Vorgänger und in Überein- stimmung mit M. Hoernes und 0. Klose, nach der form der lappenäxte aus bronze, dem brouzeschlägel, zweier gewandnadeln, der bronze)ickel usw. der jüngsten bronzezeit und der ersten hälfto der 3allstattzeit zu.

39. E'dam, Eine prähistorische befestigung auf der gelben Bürg bei Gmzenhausen. Kbl. f. anthrop. 1912,140 141. die kunstvoll aui pfahlwerk und steinen mit kalkguß angelegte be- festigung mit laufgang und graben gehörte der jüngeren bronze- zeit oder älte-en Hallstattzeit an.

40. H. Mitefindt, Ein depotfund vom Kyffhäuser. Praehist.Z.««. 4,119 120. - eine brillenspiralfibel, armringo und ein (jetzt ver- lorner) dolch ais bronze.

24 li- Vorgescliichte und frühgeschiclite.

41. R. Dorr, Der bronzedepotfund von Lindonau (kreis Marienburg), s.-a. aus Mitt. des Copperuikusvereins zu Tliorn, 21. heft, nr. 1. 1913. der fund bestand aus 1 schwert, 2 massiven halsringen, 8 armspiralen, 3 stöpselhohlringen und 4 nadeln mit spiralkopf, die alle beschädigt waren, er soll aus der zeit zwischen 750 650 stammen (periode 6 nach Montelius).

42. J. Szombathy, Bronzefunde aus der Fliegenhöhle bei St. Kauzian. Mitt. d. anthrop. ges. in Wien 42,98—99.

43. J. Martin, Ein depotfund der jüngeren bronzezeit aus Oldenburg. Mannus 4,219 230. behandelt einen fund bei Rethwisch im amt Vechta, wobei im einem tongefäß ein halsring, eine brillenfibel, eine mit goldblech belegte fibel, drei paar arm- ringe, ein rasiermesser und ein lappenbeil zutage kamen.

D. Eisenzeit.

44. W. E,ehlen, Vorgeschichtliches aus der Schweiz und die Hallstattzeit in Österreich-Ungarn. Kbl. des ges.-ver. 1912, 27—28.

45. C. Rademacher, Chronologie der niederrkeinischen Hallstattzeit in dem gebiete zwischen Sieg- und Wuppermündung. Mannus 4,187 218. richtet sich zunächst gegen Kiekebusch, der die frühesten hügelgräber mit der eisenzeit beginnen läßt, vf. weist darauf hin, daß sie sich schon in der Steinzeit finden und durch die ganze bronzezeit hindurchgehen; sie unterscheiden sich in nichts von den Hallstatthügeln, die um 1200 v. Chr. be- ginnen und um 590 v. Chr. endigen, die grabausstattung ist äußerst knapp und die wenigen beigaben durch den leichenbrand zerstört, die grabfelder liegen fast ausschließlich auf der rechten Rheinseite zwischen Sieg und Wupper, rechts von einer vor- geschichtlichen Straße, dem 'Mauspfad', zumeist im kreis Mülheim, andere im Siegkreis, es findet sich ausschließlich leichenbrand in einer urne unter den grabhügeln des Nieder rheins; die brand- schicht liegt entweder über oder seitwärts von der urne. zu- weilen liegen die reste des leichenbrands ohne urne im boden. ein beigefäß steht in vielen gräbern in oder neben de: urne; die beigaben sind infolge des brandes nur in fragmenten- erhalten, es lassen sich vier Hallstattstufen unterscheiden, die aber mit den süddeutschen stufen nicht übereinstimmen, besondefs die letzte niederrheinische stufe läßt den einfluß der aufsteigenien gallischen kultur erkennen, die besiedlung reicht in dem Sieg-Wuppergebiet an denselben platzen oft von der Steinzeit bis in lie gegenwart, z. b. das dorf Lind am Linder Bruch, Roisdorf t>ei Cöln. die niederrheinische Hallstattkultur weist nur südliche einflüsse auf;

II, D. Eisenzeit. E. Landschaftliches. 25

nur wenige Übereinstimmungen mit dem nördlichen, germanischen kulturkreis treten auf. in der vierten stufe der Hallstattzeit wird dieser aber vom Rhein aus befruchtet. La Tene-kultur ist am Niederrhein bis jetzt nicht nachgewiesen, ebensowenig der La Tene- ritus der bestattung. offenbar erfolgte vom 5. jahrh. v. Chr. an die einwanderung der Germanen an den Niederrhein, die ihre bestattungsweise (brandgruben) mitbrachte.

46. Ph. Kropp, Latenezeitliche funde an der keltisch- germanischen Völkergrenze zwischen 8aale und weißer Elster. (Forschungen z. früh- u. vorgesch. Europas h. 2.) Würzburg, Kabitzsch. 1911. bespr. v. Anthes, Hist. zs. 109,637 638.

47. Herrn. Busse, Das Latene-gräberfeld bei Schmetzdorf (kreis Jerichow II, prov. Sachsen). Mannus 4,233 270. der leichenbrand der ausgehobenen 69 gräber war teils in urnen, teils in der erde beigesetzt; beigefäße fanden sich teils in der urne, teils daneben, metallsachen aus bronze und eisen waren reichlich beigelegt (fibeln, gtirtelhaken, nadeln, ringe, ohrringe, perlen, armbänder, halsringe usw.). vf. erblickt in den funden den ein- fluß der keltischen Latenekultur auf die germanischen Semnonen (nach Schuchhardt), was natürlich unerweislich ist.

48. E. Beltz, Die Latene-fibeln. 5. bericht über die tätig- keit der von der deutschen anthropologischen gesellschaft ge- wählten kommission für prähistorische typenkarten. Berlin 1911. kartographische Zusammenstellung (ca. 2300 nummern) von Latenefibel-funden auf deutschem boden. vgl. auch Kbl. f. anthrop. 1912,147—148 und Zs. f. ethn. 1911, s. 693.

49. Ernst Wähle, Ein grabfund der spät-Latene-zeit von Zahna, kr. Wittenberg. Mannus 4,306 308. enthielt eine urne und 2 fibeln, eine eiserne und eine aus bronze.

50. Er. Behn, Ausgrabung am Kjökkenmödding von Groß- Dunsum auf Eöhr. Praehist.Zs. 4,121 126. man fand mehr- fach herdsetzungen mit starken brandspuren, eine mit vogel- knochen und einer deckplatte, ferner knochengeräte und ton- scherben, zum teil aus der vorrömischen eisenzeit. ein zweiter kleiner abfallhügel kam bei Nieblum zutage; hier stieß man auch auf den glatten lehmboden der danebenliegenden hütte.

51. E. Wagner, Römische brandgräber und bestattungeu der La Tene-periode. (Knielingen, amt Karlsruhe.) Röm.-germ. kbl. 5,55—58.

E. Landschaftliches.

52. P. Goeßler, Die altertümer des oberamts Blaubeuren. Eßlingen a. N., Paul Neff. 1911. mit diesem heft beginnen die vom württembergischen ministerium veranlasten inventarisierungen

26 II- Vorgeschichte und frühgeschichte.

der altertümer einiger ämter des Donau- und Jagstkreises, die in erster linie bearbeitet werden sollen, das amt Blaubenren ist be- sonders wichtig für die paläolithische zeit, da es zwei der er- giebigsten fundstätten, den Sirgenstein, der von R. R. Schmidt ausgegraben worden ist, und den Hoblefels, der von 0. Traas unter- sucht worden ist, einschließt, demgegenüber ist die neolithische zeit hier bis jetzt in funden nicht vertreten; erst die bronze- und Hallstattzeit ist in grabhügeln und urnenfeldern vertreten, die funde der La-Tene-zeit, die zumeist längs der Donau auftreten, sind leider nicht sorgfältig genug gehoben, von vorrömischen Siedlungen sind sog. mardellen (trichterwohnungen) und umwallte Vierecke an zahlreichen stellen nachgewiesen, bedeutender werden die wohn- stätten in römischer zeit, wo auch der Straßenbau beginnt, der sich aber an früher benutzte wege anlehnt, aus frühgermanischer zeit sind nur vier fundstätten bekannt, eine anzahl abbildungen im text, 5 tafeln und eine archäologische karte, in welche die verschiedenen fundorte nach perioden getrennt eingetragen sind, veranschaulichen das in dem heft gebotene. bespr. von A. R., Cbl. 63,773.

53. F. Hertlein, Die altertümer des oberamts Heiden- heim. Eßlingen a. N., Paul Neff. 1912. fortsetzung (2. heft) der in nr. 52 genannten Sammelpublikation, die paläolithische zeit ist hier in der kleinen Irpfelhöhle, die neolithische und bronzezeit nur sehr spärlich vertreten, reicher werden die funde erst in der Hallstattzeit; spärlich sind sie aus der La-Tene-zeit. die vorgeschichtlichen befestigangen sind noch nicht systematisch untersucht, vf. will die bevölkerung der Hallstattzeit 'sicher' als Indogermanen ansprechen, da sie die eigentümlichkeiten der ger- manischen rasse zeigen, woher weiß er aber, daß die Germanen jener zeit schon eine indogermanische spräche besaßen? und was will bei Skeletten körperliche eigentümlichkeit besagen? aus römi- j^cher zeit stammt das wohl untersuchte kastell Heidenheim, dessen anläge, funden, gräbern, Wohnungen und Inschriften eine ein- gehende Schilderung gewidmet ist. alemannische begräbnisplätze stammen aus Heidenheim und mehreren anderen orten; sie gehören der zeit von 450 750 an. auch diese publikation ist mit zahlreichen abbildungen im text und auf 6 tafeln, sowie 2 archäologischen karten (amt und Stadt Heidenheim) versehen.

54. Dodo Wildvang, Eine prähistorische katastrophe an der deutschen Nordseeküste und ihr einfluß auf die spätere ge- staltung der Alluviallandschaft zwischen der Ley und dem Dollart. Emden u. Borkum, W. Haynel. 1911. vf. behandelt einen durch eine plötzliche Senkung des bodens oder die Zerstörung eines diluvialen schutzwalls erfolgten meereseinbruch, der später durch

II. E. Landschaftliches. 27

alluvialen aufbau (escher) wieder zurückgedrängt wurde, schon vor dem eintritt der katastrophe war das gebiet bewohnt, wie die funde aus dem fluviatilen alluvium unter der marinen escher zeigen sollen, aber handelt es sich bei den skelettfunden nicht etwa um sog. raoorleichen, die in junger zeit versenkt wurden?

55. A. Götze, Der schloßberg bei Burg im Spree wald. Praehist.Zs. 4,264 350. im jähre 1897 wurde beim bahnbau Cottbus-Lübben der schloßberg bis auf die bergsohle durch- schnitten, die archäologischen ergebnisse schildert vf. auf grund seiner beobachtungen und gibt zunächst einen rückblick auf die früheren forschungen. daran schließt sich eine eingehende funi- statistik von 70 nummern. der name, die geologische beschaffen- heit und die besiedlung des schloßberges werden alsdann be- sprochen, es findet sich vorslavische und slavische keramik unter den funden; von metallsachen kamen bronzegegenstände, darunter solche aus der Hallstattzeit, und slavische eisensachen zum Vorschein; knochengeräte fanden sich gleichfalls, doch sind sie nicht sicher datierbar. menschen- und tierknochen, sowie einige mehr oder minder gut erhaltene menschenschädel kamen eben- falls zum Vorschein, die alle dolichokephal sind, auf ethnologische deutungen will vf. sich nicht einlassen, der schloßberg war eine prähistorische umwallte ansiedlung; die spuren der besiedlung führen von der neolithischen epoche über die Hallstattzeit bis zur slavischen periode. Germanen sollen nach Götze nie hier gewohnt haben.

56. Carl Äusserer, Über den stand der Wallburgen- forschung im gebiete des ehemaligen fürstentums Trient. Kbl. 60, 121—126.

57. A. Schliz, Die entwicklung der Stadt Heilbronn im lichte der ur- und frühgeschichte. Mitt. d. anthrop. ges. in Wien 42,7—9.

58. K. Schumacher, Zur ältesten geschichte der Birken- felder landschaft. Praehist.Zs. 4,191 192.

59. F. Cerny, Prähistorische forschungen in Böhmen und Mähren im jähre 1911. Praehist.Zs. 4,416—418.

60. P. Höfer, Frühgesohichtliches aus dem Harz. Kbl. 60, 71—75.

61. Paul Quente, Neue funde aus der Prignitz. Praehist.Zs. 4,214 217. behandelt 2 Steinbeile, ein steinkistengrab aus der V. bronzeperiode von Montelius, ein römisches gefäß aus Terra Sigillata, einen bronzekessel aus dem 4. 6. jahrh. n. Chr.

62. Hofmeister, Altlübeck. Kbl. dos ges.-ver. 1912, 241—246.

28 II- Vorgeschichte uud friihgeschichte.

63. J. H. Hol wer aa jr., Neue kuppelgräber aus der Veluwe (prov. Gelderland in den Niederlanden). Praehist.Zs. 4,368 373. schon früher hatte vf. spuren des alteuropäischen kuppel- grabes in Verbindung mit der sog. glockenbecherkultur nach- gewiesen (Praehist.Zs. 2,374 ff.), jetzt berichtet er von neuen funden mit spuren von balkenanlagen, die zu hölzernen kuppel- gräbern gehörten, dem toten wurden auch haustiere (pferd z. b.) mitgegeben, die keramik zeigt glockenbecher mit zonen-, schnur- und megalith-tiefstich-ornament. zu datieren sind die kuppel- gräber vorläufig nicht, da die keramik keinen festen boden dafür abgeben kann.

64. Jobs. Stein, Die Sammlung vorgeschichtlicher alter- tümer in der kgl. domschule zu Schleswig und ihre begründer. Progr. d. kgl. domschule zu Schi. 1910/11. bespr. v. F. Hirsch, Mitt. a. d. bist. lit. 40,28 29.

65. Reginald A. Smith, Progress of prehistory in England 1910/11. Praehist.Zs. 4,170—175.

66. 0. Fr öd in. Die vorgeschichtliche forschung in Schweden 1908—1910. Praehist.Zs. 4,192—214.

weitere literatur über die Vorgeschichte der nordischen länder siehe abt. 14,253—261.

F. Germanen.

67. Reallexikon der germanischen altertumskunde unter mit- wirkung zahlreicher f achgelehrten, hrsg. von Job. Hoops. 1. bd. Straßburg, K. J. Trübner. 1911 1913. von dem bedeutsamen unternehmen liegt der erste band, die artikel A E umfassend, jetzt fertig vor. von umfänglicheren artikeln seien genannt: Beda, bekehrungsgeschichte, bronzegefäße, deutsche schrift, deutsches Siedlungswesen, dichtung, eheschließung, englische baukunst, eng- lisches Siedlungswesen u. a. m. der band ist mit 47 tafeln und 62 abbildungen im text ausgestattet. bespr. von F. Pique t, Rev. germ. 8,77—78; K. Reuschel, ZfdU. 26,717—718, Archiv 464—465; S. Feist, Litbl.Fftr.Zg. 3. 3. 1912.

68. G. Kossinna, Die deutsche Vorgeschichte, eine hervor- ragend nationale Wissenschaft. "Würzburg, Kabitzsch. 1912. hervorgegangen aus einem vertrag auf der 3. hauptversammlung der deutschen gesellschaft für Vorgeschichte (vgl. Mannus 4, 17 19), bewegt sich die broschüre in den bei dem vf. bekannten bahnen der Überschätzung der prähistorischen nordeuropäisch- germanischen kultur. bespr. von Fritz Tychow, Grrenzboten 71,3,626—628.

II. F. Germanen. 2&

69. Schon 1911,2,53 besprochen: Gustaf Kossinna, Di© herkunft der Germanen. bespr. von K. Reuschel, ZfdU. 26, 719 720; von Hans Hahne, Deutsche erde 11,132 134; von Anthes, Hist. zs. 109,214.

70. Karl Ej^mer, Caesar und Tacitus über die Germanen. Neue Jahrb. II. abt. 32,24 47. vf. will einen erneuten ver- gleich zwischen den nachrichten der beiden Schriftsteller bieten und hofft dabei, einige neue ergebnisse zu erzielen, er hat vor- nehmlich die zwecke der schule dabei im äuge; problerae werden eher angedeutet als gelöst (z. b. der Ursprung des namens 'Ger- manen'), er betont immer wieder die abhängigkeit des Tacitus von Caesars angaben; Widersprüche zwischen beiden (z, b. betr. die Strafgewalt im kriege) werden durch die entwicklung in der Zwischenzeit zu lösen versucht oder auf verschiedene betrachtungs- weise der Verhältnisse zurückgeführt. Tacitus benutzt Caesar, den er sehr hoch schätzt, aber nicht ohne kritische prüfung.

71. R. Kunze, Die Germanen in der antiken literatur. I, Römische literatur. II. Griechische literatur. Leipzig, G. Frei- tag. — vf. dieser schon vor einigen jähren erschienenen, aber im Jsb. bisher nicht verzeichneten bändchen gibt eine brauchbare Zusammenstellung von sonst nicht so bequem zu erreichenden nach- richten über Germanien und Germanen bei klassischen Schrift- stellern bis zur Völkerwanderungszeit.

72. H. Schweizer-Sidler, Tacitus' Germania. 7. aufL hrsg. von E. Schwyzer. Halle a. S., Waisenhaus. 1912. die neue aufläge weist mancherlei Verbesserungen im text und in den anmerkungen auf, besonderen vorteil hat sie aus der Ver- wertung des in Schumachers Germanendarstellungen (vgl. Jsb. 1911,2,47) niedergelegten archäologischen materials gezogen, dem auch die 6 neu beigegebenen Germanenbilder entnommen sind. auch die neu aufgenommene karte des alten Germaniens ist dank- bar zu begrüßen.

73. Gg. Friedr. Muth, Stilprinzipien der primitiven tier- ornamentik bei Chinesen und Germanen. Leipzig, Voigtländer. 1911. (Beiträge zur kultur- u. universalgesch. h. 15.) vf. gibt zunächst einen überblick über die chinesische, auf bronzegefäßen der Sang- und Tsen-dynastien geübten tierornamentik und gibt auch einen ausblick auf die entsprechende kunstübung der Tsin- und Han-dynastien. die ganze zeit umfaßt die zwei letzten vor- christl. und zwei ersten nachchristl. Jahrhunderte, liegt also vor der germ. tierornamentik, die in einem 2. abschnitt dargestellt wird, wie für die chinesische kunst einheimische katalogwerke benutzt wurden, so stützt sich vf. für die germ. kunst auf B. Salins

30 II- Vorgeschichte und frühgeschichte.

bekanntes werk, zahlreiche, zum teil sehr detaillierte abbildungen auf 48 tafeln veranschaulichen seine darlegungen, die freilich rein deskriptiv bleiben, ohne in das problem der offenbar von Vorder- asien (Persien?) ausgehenden problem der tierornamentik tiefer einzudringen. bespr. von Fr. Kauffmann, ZfdPh. 44,226.

G. Römisch-germauische zeit.

74. E. Fölzer, Römische keramik in Trier, hrsg. von der Direktion des Trierer provinzial-museums. I. Die bilderschüsseln der ostgallischen Sigillata-manufakturen. Bonn, A. Marcus und E. W^ebers verlag. 1913. Verfasserin, frl. dr. E. Fölzer, hat in der hauptsache das bei der kanalisation der stadt Trier gefundene material, daneben aber auch bereits im museum vorhandene und zum vergleich auch auswärtige funde berücksichtigt. zunächst wird die älteste ostgallische manufaktur von Luxeuil, dann die von La Madeleine bei Nancy, ferner die fabriken des Satto und Saturninus, die nicht genau lokalisiert werden können, Lavoye (Dep. Meuse) und seine filialen Les Allieux und Avocourt, end- lich Trier selbst betrachtet, dessen gefäße nach zeit, stil und ver- fertiger gruppiert werden, das resultat ihrer forschungen gibt Verfasserin an, daß sich am ende des 1. jahrhs. der Schwerpunkt der Sigillataindustrie von Süd- nach Mittelgallien verschob; die mittelgallischen töpfereien übten ihren einfluß auf die ostgallischen und germanischeu aus. auf 33 tafeln werden 960 abbildungen des figürlichen und ornamentalen schmuckes der Sigillaten aus Trier, die Stempel der verfertiger und ein plan der römischen töpferei in Trier gegeben.

75. F. Winkelmann, Das römische kastell Pfünz und andere vor- und frühgeschichtliche altertümer der Umgebung von Eichstätt. Eichstätt, Ph. Brönner. 1911. vf. behandelt die noch vorhandenen spuren römischer befestigungen am Limes, speziell bei Nassenfeis und bei Pfünz. (vgl. Obergerm.-Rätischer Limes, lief. 14, nr. 12.) letztere lag auf dem sog. Kirchberg und ist in ihren fundamenten erforscht, auch das Lagerdorf südlich davon ist untersucht worden, das kastell stand erst als erdwerk, dann seit Antonius Pius (138 161) als steinbau bis zum jähre 233, wo die Alemannen es durch brand zerstörten, der name Pfünz, im jähre 889 Phunoina, stammt von lat. Pontes, endlich werden das kastell Böhming (a. a. o. lief. 29, nr. 73a) und die befestigung auf dem Michelsberg bei Kipfenberg behandelt.

76. E. Seyler, Die römische pferdeschwemme bei Grön- hart. s.-a. aus der Nordbayr. zeitung vom 7./ 10. 1911. die

II. G. Römiscli-germanisclie zeit. 31

Schrift enthält eine polemik gegen F. Beck, der die dämme als raste der Fossa Carolina (aus dem jähre 793 etwa) ansieht.

77. C. Schuclihardt, Die vermeintlichen Varusschlacht- hügel im Arnsberger walde. Praehist.Zs. 4,385 395. vf. zeigt, daß es sich um aufgeschürfte steinhügel aus relativ junger zeit handelt; sie liegen immer am rande eines alten weges.

78. Friedr. Koepp, Die angeblichen 'Bömergräber' im Arns- berger walde. Sonntagsbeil. d. Voss. ztg. 1912,59 61.

79. E. Wilisch, Die Römer an der Elbe um die zeit von Christi geburt. (Mitt, d. ges. f. Zittauer gesch. nr. 8.) Zittau 1912. bespr. von Friedr. Koepp, Deutsche erde 11,182 183.

80. E. Nowotny, Der gegenwärtige stand der erforschung von Carnuntum. Kbl. des ges.-ver. 60,114 121.

81. Otto Cuntz, Über neue inschriftliche funde aus Lai- bach. Kbl. 60,112—114.

82. W. Schmidt, Die neuesten ausgrabungen in Emona. Kbl. 60,106—112.

83. P. Eeinecke, Cambodunum. Röm.-germ. kbl. 5,16 23.

84. Fr. Hertlein, Die Jnppitergigantensäulen. Stuttgart, Schweizerbart. 1910. bespr. von F. Koepp, Eöm.-germ. kbl. 5,30—32.

85. ß. Forrer, Zur frage der Juppitergigantensäulen. Eöm.- germ. kbl. 5,60—61.

H6. Schurz, Juppitersäule von Mülfort bei M.-Gladbach. Eöm.-germ. kbl. 5,23—25.

87. H. Lehner, Zur Juppitersäule von Mülfort (b. Olden- kirchen). Eöm.-germ. kbl. 5,47,

88. Gg. Steinmetz, Eömische amulette aus Eegensburg. Eöm.-germ. kbl. 5,28—29.

89. Fr. Jos. Hildenbrand, Eömischer grabstein ven Ehein- zabern bei Speyer. Eöm.-germ. kbl. 5,25 26.

90. E. Wagner, Eömische niederlassung von Obergrombacli (amt Bruchsal). Eöm.-germ. kbl. 5,35 40.

91. H. Eott, Die römischen ruinen bei Obergrombach in Baden. Karlsruhe, Müller. 1912. bespr. von Anthes, Kbl. Ges.Ver. 60,256—257; von 0. Fritsch, Zs. f. gesch. d. Oberrh. 66,725—727.

92. E. Wagner, Fundstätten und funde aus vorgeschicht- licher, römischer und alamannisch-fränkischer zeit im großherzogtum Baden, mit beitragen von F. Hang. 2. teil: Das badische Unterland. Tübingen, Mohr. besi)r. von Anthes, Kbl.Ges.Ver. 60,160—162; 60,254—256.

32 II- Vorgeschichte und frühgeschichte.

93. W. V. Bremen, Das römische Trier. Velhagen & Kla- sings monatsh. 26,3,371 383.

94. A. Wolf, Eine römische Wasserleitung bei Oehringeu. E.öm.-germ. kbl. 5,2 8.

95. J. B. Keune, Zur reitergruppe der Mertener säule und verwandten bildern. Röm.-germ. kbl. 5,41 44.

96. Mitteilungen über römische l'unde in Heddernheim. V. hrsg. von dem Verein f. gesch. u. altertumsk. zu Frankfurt a. M. Frankfurt [Keller]. 1911. bespr. von F. Hang, DLz. 33, 366—367.

97. G. Bersu, Das römische kastell Burladingen. Röm.- germ. kbl. 5,65 70.

98. Ad. Riff, Frührömisches gräberfeld. (Brumath.) Röm.- germ. kbl. 5,58.

99. Helmke, Neue funde auf dem Goldstein bei Bad Nau- heim. Röm.-germ. kbl. 5,40 41.

100. A. Kiekebusch, Ein germanisches reitergrab aus der späten Völkerwanderungszeit von Neukölln (Rixdorf) bei Berlin. Praehist.Zs. 4,395 403. der fund stammt aus dem 6. jahrh. ^ dem skelett beigegeben waren schwert und ein tongefäß, ferner war ein pferd mitbestattet.

101. A. Kiekebusch, Eine germanische ansiedlung aus der späten römischen kaiserzeit bei Paulinenaue, kr. Westhavel- land. Praehist.Zs. 4,152 165. auf einem acker wurden häusergrundrisse bloßgelegt, viereckig wie die von Buch bei Berlin, in den herd- und abfallgruben fand sich ein hiindeskelett, knocken vom .Schwein und rind und einer ziege. die häuser waren pfosten- bauten, die vf. zu der griechischen tempelanlage in beziehung bringt.

102. R. Stimming, Waffen der römischen kaiserzeit aus der Mark Brandenburg. Mannus 4,309 315.. behandelt werden skelettgräber germ. krieger mit voller ausrüstung aus Lünow, Wachow, Hohenferchesar, Mosesberg bei Butzow und Gohlitz. die Waffen und Schmucksachen werden genauer beschrieben.

103. E. Pernice, Der grabfund von Lübsow bei Greifen- berg i. Pr. Praehist.Zs. 4,126 148. aus einer Steinkiste in einem flachen hügel wurden zwei silberne becher italischer her- kunft mit einer gewichtsangabe am fuß aus dem 1. jahrh. n. Chr., ein bronzeeimer (nach H. Willers capuanischer herkunft), eine flache bronzeschüssel, zwei verzinnte kasserolen und eine wein- kanne gehoben, ferner wurden ein Spiegel in einer holzkapsel, eine schere und eine pinzette (?) aus bronze, sowie zwei flache glasschalen italischer herkunft gefunden. einheimische (? i'ef.)

n. G. Römisch-germanische zeit. 33

arbeiten stellen die reste spez. beschläge zweier trinkhörner vor, die eine vortreffliche illustration zu der von Caesar, Bellum Galli- cum VI, 28 gegebenen Schilderung geben; eine aus gold und silber gearbeitete fibel mit filigranarbeit, die aus 139 teilen bestand, drei einfachere fibeln und zwei silberne nadeln, von der grab- nrne sind nur zwei bruchstücke erhalten geblieben.

104. A. Voegler, Kaiserzeitliche gräberfunde von Pries chka. PraehistZs. 4,148—152.

105. J. H. Helwerda, Ausgrabung des ßörnerkastells in Vorburg beim Haag. Röm.-germ. kbl. 5,71 75.

106. John Ward, Romano-British Buildings and Earthworks. London, Methuen & co. bespr. NQ. 11,5,59 60.

107. E,. Knorr, Südgallische terrasigillata-gefäße von Rott- weil. Stuttgart, Kohlhammer. 1912. bespr. von Anthes, Kbl.Ges.Ver. 60,254; von A. R., Cbl. 63,1324— 1325; von Rudolf Kapff, Kbl. f. d. höh. schul. Württ. 19,359; von M. Besnier, Rev. crit. 73,311—312.

108. P. Steiner, Römische töpferöfen. (Trier.) Röm.- germ. kbl. 5,58—59.

109. Wilh. Unverzat, Terrasigillata-gefäße des 4. jahrh. n. Chr. mit rädchenomamentik. Röm.-germ. kbl. 5,49 53.

110. Marcel Bisch, Eine römische töpferei für gewöhnliche gebrauchsware in Selz (Unter-Elsaß). Kbl. f. anthrop. 1912, 8. 47 48. im jähre 1910 wurde bei anläge einer Straße ein lager von etwa 60 topfen, der unterbau eines brennofens und ein tonlager gefunden.

111. K. S. Gutmann, Fußgestelle für römische räucher- schalen. Röm.-germ. kbl. 5,10 13.

112. P. Reinecke, Sigillataschüssel des Cibisus vom jähre 171 oder später. Röm.-germ. kbl. 5,1 2, dazu: F. Haver- field. Zur Zeitbestimmung der Sigillatagefäße. ebda. 29 30.

113. R. Forrer, Zur Cibisusschale von Kempten. Röm.- germ. kbl. 5,44 46.

114. F. Hang und Sixt, Die römischen inschriften und bildwerke Württembergs. 2. aufl. hrsg. von F. Hang und P. Goeß- ler. 1. u. 2. Uef. Stuttgart, W. Kohlhammer. 1912/1913. das werk beginnt mit einer einleitung, die eine geschichte der forschung in großen zügen gibt, und wendet sich dann den ein- zelnen kreisen zu, wobei zunächst die bodenbeschaffenheit und die Vorgeschichte dargestellt werden, die funde werden jeweils auf die einzelnen oberämter verteilt, die gleichfalls geologisch

Jahresbericht für germanische philologie. XXXIV. (1912.) I. Teil. 3

34 11- Vorgeschichte und frühgeschichte.

und historisch betrachtet werden, als erster kreis wird Ober- schwaben behandelt, dann folgt ein abschnitt 'An der Donau', weiter 'Mittlere und nördliche Alb', 'Am rätischen Limes', 'Am oberen Neckar', 'Nordöstlicher Schwarzwald', 'ßottenburg' (Sume- locenna), 'Am fuß der mittleren Alb', 'Oberes Gau, Schönbach und Filder', 'Canstatt mit dem unteren Remstal', 'Zwischen Schön- buch, Neckar und Enz' (der letzte teil noch unvollständig). das werk ist mit zahlreichen abbildungen der funde und mit reichen literaturangaben versehen. bei der allseitigen emsigen tätigkeit auf dem gebiet der bodenforschung und der Zersplitterung in der publikation ihrer ergebnisse ist diese neue aufläge des vorzüglich orientierten werks dankbar zu begrüßen, die aus- stattung ist nur zu loben.

H. Tölkerwandeningszeit und frühes mittelalter.

115. Ludwig Schmidt, Geschichte der deutschen stamme bis zum ausgang der Völkerwanderung. 11,2 (Quellen und forschungen zur alten geschichte und geographie, heft 27). Berlin, Weidmann. 1913. die fortsetzung des Jsb. 1910,2,78 genannten werkes bringt die geschichte der Herminonen und zwar 1. der Angriwarier und Cherusker; 2. der Sweben; a) Vorgeschichte, b) die Marko- mannen und Quaden, c) die Bayern, die darstellung beruht auf gewissenhafter Verwertung der geschichtlichen quellen, deren glaub Würdigkeit sorgfältig abgewogen wird, auf gelegentlicher be- rücksichtigung der sprachlichen Verhältnisse und vorsichtiger Ver- wertung der unsicheren ergebnisse der Vorgeschichtsforschung. band I, heft 4 (geschichte der Burgunder, Langobarden und Bastamer) eingehend besprochen von R. Loewe, AfdA. 36, 113 117. ref. spricht sich auf grund sprachlicher tatsachen gegen die Zugehörigkeit der Langobarden zu den Ostgermanen aus. femer bespr. von E., Rev. crit. 74,486 487; von S. P. Wid- mann, Mtschr. 11,15; von Fr. Kauffmann, ZfdPh. 33,223—225.

116. U. Kahrstadt, Die Karpodaken. Praehist.Zs. 4, 83 87. Verfasser zeigt, daß der kleine am linken Donau- ufer von Zosimos 3,34,6 einmal erwähnte volksstamm des 4. Jahr- hunderts nach Chr. nicht zur bronzezeit in Ostdeutschland eine eigne kultur entfalten konnte, wie das Kossinna bis vor kurzem behauptete (er hat inzwischen die Nordillyrier für sie einge- setzt), die Daken herrschen zwar nach Strabo (seit dem 1. jahrh. V. Chr.) über Ungarn, aber bereits Plinius (Nat. bist. 4,251) weiß, daß die Jazygen sie von da über das gebirge zur Donau zurück- gedrängt haben, nördlich vom herkynischen wald sind nie Dakar gewesen, die Karpen werden im 3. jahrh. n. Chr. häufig am

II. Völkerwanderungszeit und frühes mittelalter. 35

linken ufer der unteren Donau zwischen Czemowitz und Odessa erwähnt, um 300 fanden die Karper wohnsitze am rechten ufer der Donau, die Karpodaken sind Daker im Karpenland, die nach dem abzug der Karpen das land in besitz nehmen, aber kein eigner volksstamm.

117. A. Götze, Die altthüringischen funde von Weimar. (5. 7. jahrh. n. Chr.) Berlin, Ernst Wasmuth a.-g. 1912. bei der fortschreitenden bebauung des Nordostviertels von Weimar stieß man auf einen altgermanischen friedhof, dem insgesamt 88 gräber (29 männer-, 46 frauen- und kindergräber, 10 gräber unbestimmten geschlechts und 1 pferdegrab) mit zum teil reichen beigaben entnommen wurden, die funde liegen zur hälfte im Weimarer, zur hälfte im Berliner museum für Völkerkunde, die Publikation umfaßt zunächst den Weimarer anteil. die ausstattung der gräber ist die bei den germanischen reihengräbern übliche, auch einige gerate anderer art (bronzeschüssel, beschläge eines holzeimers) sind zutage getreten, am interessantesten aber sind die auf einem löffel und einigen Schmucksachen dreier frauen- gräber gefundenen inschriften, auf dem löffel steht in lat. antiqua Basenae 'der Basena [gehörig]'; auf mehreren fibeln befinden sich runeninschriften, zumeist namen, die sich zum teil mehrfach wiederholen, behandelt sind sie vom referenten in der ZfdPh. 45,117 133. diese funde sind übrigens im Berliner museum und noch nicht veröffentlicht, von den einzelnen gräbern wird eine genaue fundbeschreibung gegeben und viele funde, der lageplan des friedhofs und eine topographische karte werden auf 20 tafeln abgebildet.

118. Haakon Schetelig, Die norwegischen skelettgräber der Völkerwanderungszeit. Praehist.Zs. 4,351 367. während der eisenzeit herrschen in Norwegen brand- und skelettgräber nebeneinander, wenn auch erstere überwiegen, seit Chr. geburt etwa werden letztere häufiger; ihre ausstattung ist zunächst ärm- lich, im 3. und 4. jahrh. sind die gräber reicher ausgestattet; viele römische importstücke finden sich darin (ein solches grab liegt bei Avaldisnes zwischen Bergen und Stavanger). Norwegen ist von Südrußland über Dänemark und von Deutschland aus beein- flußt, im 5. 6. jahrh. sind die gräber von großen erdhügeln be- deckt, in denen Steinkisten oder holzkisten mit Steinplatten über- deckt, seltner gemauerte Steinkisten stehen, wie der hügel, so haben auch die gräber selbst große dimensionen. auf einem pflaster von kleinen steinen, das mit birkenrinde, einem bärenfell oder auch teppichen bedeckt ist, liegt die voll bekleidete leiche. die in teppiche eingewickelt ist. in männergräbern finden sich zudem waffen, in frauengräbern Schmucksachen, bronzekessel, ge-

3*

gg II. Vorgeschichte und frühgescbichte.

fäße aus ton und glas sind beiden gemeinsam, die reich ausge- statteten gräber sind auf das westliche Norwegen beschränkt in Dänemark und Schweden fehlen sie ganz. vf. glaubt an engl, beziehungen, ev. einwanderung vom Festland her; die stamme, die England besiedelten, zogen auch nach Norwegen, die import- sachen in den norwegischen gräbern stammen wohl aus England, in derselben norwegischen gegend, wo die reichsten gräber liegen, finden sich auch die ältesten und meisten runeninschriften, die ebenfalls dem südnördlichen kulturstrom zu verdanken seien.

119. Viktor Strabar, Frühmittelalterliche gräberfunde in Unterhaidin bei Pettau. Mitt, der anthrop. ges. in Wien 1912, 335 339. mit rücksicht auf die schläfenringe sind die gräber als altslawisch zu erkennen.

120. C. Schuchhardt, Limes Saxoniae. Kbl. des ges.-ver. 1912,247—248.

121. C. Toldt, Vortrag zur einleitung der diskussion über die Altslawen-frage. Kbl. f. anthrop. 1912,72 80. während die auf altslav. gebiet gefundenen schädel vorwiegend dolichokephal sind, ist der typus der heutigen Slaven brachykephal. wie ist dieser Umschwung zu erklären?

122. C. Toldt, Die schädelformen in den österreichischen Wohngebieten der Altslawen einst und jetzt. Mitt. der anthrop. ges. in Wien 1902,247 280. der völlige ersatz der lang- köpfigen altslawischen bevölkerung durch bereits in deren ge- bieten vorhanden gewesene oder neu hinzugekommene brachy- kephale Volkselemente wird nachgewiesen.

123. C. Toldt, Altslawengräber in Deutschland und Öster- reich. Mitt. d. anthrop. ges. in Wien 42,56 61.

124. E. Tschepurkowsky, Anthropologische bestandteile der ältesten und jüngsten slawischen bevölkerung Rußlands. Kbl. f. anthrop. 1912,90. 1. dolichokephaler, dunkler typus; brachy- kephaler, heller (Waldai-)typus; brachykephaler, dunkler (Klein- russen-)typus.

125. A. Schliz, Bemerkungen zur rassebildung der slawi- schen Völker. Kbl. f. anthrop. 1912,88—90.

126. H. Matiegka, Physische anthropologie der Slawen im 9.— 12. jahrh. Kbl. f. anthrop. 1912,84—88. kein einheit- licher typus, wenn auch in älterer zeit vorwiegend hellfarbig.

127. Beltz, Über Slawengräber. Kbl. f. anthrop. 1912, 80 83. die frühslavische art der bestattung ist noch zu er- mitteln; vielleicht sind brandgräber die regel gewesen, später ist das skelettgrab herrschend, beigaben fehlen vielfach oder sind dürftig, schläfenringe sind als leitmotiv für slavische gräber an- zusehen.

II. H. Völkerwanderungszeit und frühes mittelalter. 37

128. Luise Gerbing, Die ehemalige Verbreitung der Slawen in Süd Westthüringen. (Mitt. d. geogr. ges. Jena 30,1912,1 14.) bespr. von Otto Schlütter, Deutsche erde 11,183.

129. E. Krüger, Fränkisches gräberfeld. (Hohenfels, kreis Dann.) ßöm.-germ. kbl. 5,59.

130. P. Goeßler, Aus unserer frühgermanischen kunst in Württemberg. Mitt. d. anthrop. ges. in Wien 42,9 11.

131. Otto Kaemmel, Die besiedelung des deutschen Süd- ostens vom anfange des 10. bis gegen das ende des 11. jahrh. Leipzig, Dürr. 1909. bespr. von Karl Uhlirz, Hist. zs. 110, 229—230.

132. Georg Wendt, Die Germanisierung der länder östlich der Elbe, 2 teile. Liegnitz, Reisner, 0. j. bespr. von Hans Witte, Deutsche erde 11,89.

133. Ernst Windisch, Das keltische Brittanien bis zu kaiser Arthur. Abh. d. phil.-hist. kl. d. kgl. sächs. ges. d. wiss. 29,6. Leipzig, B. G. Teubner. 1912. 301 s. 4P. in dieser für die Urgeschichte Englands bedeutungsvollen abhandlung werden im kap. I die verschiedenen namen Älbiorij nqeravL^Yi vijaog, Brittannia, auf ihren Ursprung hin verfolgt; das IL kap. be- schäftigt sich mit Caesars fahrten und seinen nachrichten über die bewohner Englands, kap. III, IV, V mit den berichten des Tacitus, kap. VI mit weiteren quellen, kap. VII behandelt ethno- graphische fragen Englands, kap. VIII diejenigen Schottlands, kap. IX die Urbevölkerung, weitere kapitel befassen sich mit der römi- schen herrschaft und ihrem ende, den namen der städte, dem eindringen der Sachsen und des Christentums, dem keltischen götterglauben, der Urgeschichte der Kelten, könig Arthur, den sagengestalten (darunter kap. 47: Peredur und der Gral), den sagen, ihrer aufzeichnung und Überlieferung und den verschiedenen theorien darüber, dieser letzte teil der abhandlung ist für die französische und deutsche literaturgeschichte von gleicher bedeutung.

134. R. Lehmann, Grabhügel und königshügel in nordi- scher heidenzeit. ZfdPh. 44,78 79. vf. nimmt bezug seinen aufsatz ZfdPh. 42,1 ff. (vgl. Jsb. 1910) und Axel Olriks Studie •At side paa höj' im DSt. 1999,1 ff. (vgl. Jsb. 1909,14,110) und bringt weitere ergänzungen zum 'sitzen auf dem königs(grab)hügel', das nicht nur bei der Volksversammlung, sondern auch zu andern Zeiten ein Vorrecht des königs war; sie waren geheiligte orte.

135. M. G. Clarke, Sidelights on Teutonic History during the Migration Period. (Girton College Studies 3.) Cambridge, Uuiversity Press. 1911. bespr. von Allen Mawer, MLR. 7, 126—127.

38 ni. Allg. Sprachwissenschaft u. allg. vergl. literaturgeschichte.

136. F. Wondrak, Germanische kultur im lichte der antiken Überlieferung. Jsb. Staatsgymn. Krems. 1910. 31 s. brauch- barer überblick über die nachrichten bei klassischen Schriftstellern und ihre gegenseitige abhängigkeit. im mittelpunkt der be- trachtung steht Tacitus' Germania, deren angaben nach allen Seiten hin erläutert und gegebenenfalls berichtigt werden. bespr. von G. Vogrinz, ZfRw. 37,637.

Sigmund Feist

III. Allgemeine Sprachwissenschaft und allgemeine vergleichende literaturgeschichte.

A. Allgemeine Sprachwissenschaft. 1. Bibliographie und phonetik.

2. Allgemeines. 3. Vergleichende grammatik. 4. Idg. altertumskunde.

5. Urgermanisch und gemeingermanisch. B. Allgemeine und

vergleichende literaturgeschichte.

A. Allgemeine Sprachwissenschaft.

1. Bibliographie und phonetik.

1. H. Meltzer, Sprachphilosophie, allgemeine und indo- germanische Sprachwissenschaft. Krit. jsb. über die fortschr. d. rom. Philologie 12,1—22. (behandelt die jähre 1909—1910.)

2. R. Weeks, Allgemeine phonetik. ebda. 22 25. be- handelt 1909.

3. Clark S. Northup, The present bibliographical status of modern philology. with a summary of letters from represen- tatives of modern language studies by W. N. C. Carl ton. Pre- ceded by a survey of periodical bibliography by J. Christian Bay. Published for the Bibliographical Society of America. Chicago, The University of Chicago Press. 42 s. angez. von Hans Daffis, Archiv 128,398 400. der vf. hat an den deutschen Jahresberichten, deren unvollkommenheit gewiß niemandem besser als den bearbeitern bekannt ist, allerhand auszusetzen und ent- wickelt den plan für eine große bibliographische zentrale in Chicago, viel einfacher wäre ein appell an buchhandel und Verfasser, die bewährten und bestehenden Unternehmungen besser zu unterstützen.

4. Oskar Weise, Allgemeine Sprachwissenschaft und deut- sche spräche. ZfdU. 26,335—352.

5. Ewald Geißler, Phonetik, rhetorik und neuere metrik. ZfdU. 26,728—737.

6. Revue de phonetique publice par l'abbe Rousselot et Hubert Pernot. bd. 1 (4 hefte). Paris 1911, 2 ebda. 1912.

in. A. Allg. Sprachwissenschaft. 1. Bibliographie u. phonetik. 39

7. G. Panconcelli-Calzia, Bibliographia phonetica 1912. Med.-pädag. monatsschrift s. 129 ff., 193 ff., 321 ff.

8. G. Panconcelli-Calzia, Annotationes phoneticae 1912. ebda. s. 155 ff., 213 ff., 345 ff. vgl. zu nr. 7 und 8 H. Morf , Archiv 128,433.

9. W. A. Aikin, The voice. London 1910. bespr. von D., Med. pädag. monatsschrift 1912,22—28.

10. Alb. Musehold, Allgemeine akustik und mechanik des menschlichen stimmorgans. mit 19 Photographien des menschlichen kehlkopfes auf 6 tafeln und 53 abbildungen im text. ¥11,134 s. und 6 bl. erklärungen, Berlin, J. Springer. 1913. 10 m.

11. Otto Jespersen, Elementarbuch der phonetik. Leipzig, Teubner. VI,187 s. 2,60 m. das übersichtliche büchlein, daß das bekannte System Jespersens der Verbindung verschiedener zeichen zur genauen Charakterisierung der einzellaute verwendet, wird dem größeren lehrbuch gewiß neue freunde erwerben. angez. von A. Meillet, Rev. crit. 74,461 f.

12. Paul Passy, Petite phonetique comparee des principales langues europeennes. 2. ed. revue et completee. Leipzig, Teubner. IV,145 s. 2 m.

13. Wilhelm Victor, Kleine phonetik des Deutschen, Eng- lischen und Französischen. 8. aufl., 132 s. mit 21 fig. Leipzig, Eeisland. 1912. 2,50 m.

14. H. Gutzmann, Über die beziehungen der experimen- tellen phonetik zur laryngologie. Med. pädag. monatsschrift 1912, 37 73. bericht über das auf dem dritten internationalen laryngologenkongreß erstattete referat.

15. A. Gregoire, L'emploi des machines parlantes dans l'enseignement des langues Vivantes. 1910. bespr. von G. Pan- concelli-Calzia, Bull, de dialectologie rom. 4,41.

16. A. Gregoire, Les machines parlantes et la dialectologie. Bull, du diction. general de la langue wallone 5,1. bespr. von G. Panconcelli-Calzia, Bull, de dialectologie rom. 4,41.

17. B. Uhlemayr, Zur frage der Vereinfachung der aus- sprachebezeichnung. DnSpr. 20,143 149. vgl. auch 18.

18. W.Vietor, Einheitliche lautschrift. DnSpr. 20,596— 602. gibt einen auf dem neuphilologentag 1912 gehaltenen vertrag wieder. V. tritt bekanntlich für die lautschrift der Association phonetique internationale ein. vgl. auch den bericht von E. Ahnert. ebda. 339—341.

19. G. Panconcelli-Calzia, Über Sprachmelodie und de^ heutigen stand der forschungen auf diesem gebiete. DnSpr. 20, 589—596.

40 III- -^Ilg- Sprachwissenschaft u. allg. vergl. literaturgeschichte.

20. L'abbe Rousselot, Classification des voyelles orales. Revue de phonetique 1,17 32.

21. E. Classen, On the pronunciation of 'S' in Germanic. MLR. 7,314 317. schließt daraus, daß sl-, sk-, sp- nur mit gleichem anlaut allitterieren, während s- mit sl-, sm-, sn- reimen kann, daß s- vor tonlosen explosiven im Germanischen sehr schwach gesprochen wurde, so daß eigentlich nur die explosiven reimten, er glaubt deswegen nicht, daß der noch viel schwächere toneinsatz vor vokalen der grund gewesen sein könne, daß vokale unter- einander reimen.

22. A. Gregoire, Influence des consonnes occlusives sur la duree des syllabes precedentes. Revue de phonet. 1,260 292. bespr. von G. Panconcelli-Calzia, Bull, de dialectologie rom. 4,41.

23. Ferd. Steil, Reine deutsche spräche, antrittsvorlesung- Graz, Leuschner & Lubensky. 1911. 14 s. 0,50 m.

24. Wilhelm Vietor, Die ausspräche des schriftdeutschen. 8. durchges. aufl. XI,137 s. m. 1 abb. Leipzig, Reisland. 1911. 2 m.

25. Wilhelm Vietor, Deutsches aussprachewörterbuch, 7. u- 8. heft. Leipzig, Reisland. XVIII und s. 337—470. 3,60 m; vollständig 12 m.

26. Besprechungen zu 1 : Daniel Jones, Intonation curves (Jsb. 1910,3A,11): H. Klinghardt, DnSpr. 20,34—37. + E. A. Meyer, Lautbildung (Jsb. 1911,3A,16): A. Meillet, BSL. 1912, 23 f. + J. Poirot, Phonetik (Jsb. 1911,3A,10): A. Meillet, Revue crit. 1911,1,365—367; R. Gauthiot, BSL. 1912,19—21; H. Gutzmann, DLz. 1912,510; ders., Beitr. zur Anatomie der Ohren usw. 6,216; J. Chlimsky, Revue de phonetique 2,376 383; Katzenstein, Berliner klin. wschr. 1912,1382; vgl. Archiv 128, 434. -f- Th. Rosset, Recherches experimentales sur l'inscription de la voix parlee (Jsb. 1911,3A,23): M. Grammont, Revue des langues rom. 55,118 f.; H. M(orf), Archiv 128,433. -|- L. Roudet, Phonetique generale (Jsb. 1911,3A,11): G. Panconcelli-Calzia, Bull, de dialectologie rom. 4,41; ders., DLz. 1911,2202 f.; P. Por- teau, Revue de philol. fr. 26,1; P. Piquet, Revue germanique 8,101 f.; M. Grammont, Revue des langues rom. 1919,586 589.

2. Allgemeines.

27. D. N. Kudrjavskij, Vvedenie v jazykoznanie. Jur'ev, Mathisen. 130 s. (Einführung in die Sprachwissenschaft.) angez. von A. Meillet, BSL. 60,24 f.

28. J. Cejador y Pranca, Introducciön ä la ciencia de la lengua. Valencia 1911. 4«. 111,379 s. 6 pes.

III. A. Allgemeine Sprachwissenschaft. 2. Allgemeines. 41

29. Alb. Dauzat, La philosophie du langage. Paris, riammarion. 3,50 £r. behandelt sein thema in vier abschnitten, les caracteres geueraux du langage, les evolutions du laugage, l'histoire des idees, les methodes. das buch gibt eine orientierende Übersicht über die behandelten fragen, ohne daß der vf. mit eigenen ansichten hervorträte. angez. von J. Vendryes, BSL. 60,14 f., der tieferes eindringen vermißt; von E. Bourciez, ßev. crit. 1912,2,121 f.; von Marius Sepet, Polybibl. 125,113 f.

30. J. Talayrach, La philosophie du langage de Julius Bahnsen d'apres des documents inedits. ßevue de metaph. et de morale 1911,780 802. berichtet über einen nachgelassenen aufsatz Bahnsens, Beiträge zur philosophie der spräche, aus dem jähre 1859, von dem nur einiges in dem schulprogramm Aphoris- men zur Sprachphilosophie, Berlin, Grieben, 1881 veröffentlicht wurde, eine Veröffentlichung des ganzen scheint von der familie zusammen mit dem übrigen nachlaß in aussieht genommen zu sein.

31. Alfr.Dwight Sheffield, Grammar and thinking. Astiidy the working conceptions in syntax. New York and London, Putnam. 6 sh. nach der anzeige von Leonard Bloom- field, JEGPhil. 11,619—624 bespricht der vf. die behandlung ■der grammatischen begriffe in amerikanischen schulen und verfolgt pädagogische zwecke.

32. Fritz Mauthner, Beiträge zu einer kritik der spräche. 2. aufl. Stuttgart, J. G. Cotta nachf. 2. bd. Zur Sprachwissen- schaft. VI1I,718 s. 14 m. in der form zum teil gemildert, zum teil schärfer gefaßt; sonst die alte unfruchtbare skepsis. vgl. Jsb. 1901,2A,28.

33. Max Frischeisen-Köhler, Der gegenwärtige stand der Sprachphilosophie. Verhandl. der 51. versamml. der schulm. und philol. Leipzig, Teubner. s. 24 27. abgedruckt GRMon. 4,121 129,177 189, 241—250. weist auf die verschiedenen bestehenden richtungen hin und erörtert dabei den begriff der sprach- philosophie; ein zweiter aufsatz behandelt Individualismus und Völker- psychologie, ein dritter grammatik und logik. die verschiedenen an- sichten von Paul, Wundt, Benno Erdmann, Marty und Husserl werden tibersichtlich entwickelt, vgl. Idg. anz. 29,65 67.

34. Karl Marbe, Die bedeutung der psychologie für die übrigen Wissenschaften und die praxis. Fortschr. der psychol. u. ihrer anwendungen. unter mitwirkung von Dr. Wilh. Peters, jhrsg. von Karl Marbe. (jährlich 6 hefte.) Leipzig, Teubner. 12 m. bd. 1, heft 1.

35. K. Morgenrot, Vorläufige aufgaben der spi'achpsycho- iogie im überblick. GRMon. 4,5 17,65 74.

42 in. Allg. Sprachwissenschaft u. allg. vergl. literaturgeschichte.

36. W. Lehmann, Sprachpsychologisches. GRMon. 4, 678 682. 1, 'Der relativsatz im Deutschen und Englischen' erörtert den unterschied der attributiven und prädizierenden relativ- sätze und weist darauf hin, daß die prädizierenden dem Deutschen fremd sind. 2. 'Ne. 'iviW als ausdruck der Wiederholung und des gewohnheitsmäßigen' weist zu dem englischen Sprachgebrauch eine deutsche parallele nach.

37. Walther Poppelreuter, Nachweis der unzweckmäßig- keit, die gebräuchlichsten assoziationsexperimente mit sinnlosen Silben nach dem erlernungs- und treffverfahren zur exakten ge- winnung elementarer reproduktionsgesetze zu verwenden. Zs. f. psychol. 61,1 24.

38. L, Couturat, Sur la structure logique du langage. Revue de metaphysique et de morale 20,1.

39. Rene de Saussure, Principes logiques de la formation des mots. liere partie. Geneve, Kündig. 1911. nach A. Meil- let, BSL. 60,22 23. arbeit eines dilettanten, aus esperanto- studien erwachsen.

40. J. van Ginneken, Het gevoel in taal- en woordkunst. tweede deel, de gevoelsinvloed op taal en letteren. eerste werkplan: het woordenleven en het gevoel. hoofdst. I IV. Leuvensche bijdragen 10,1 156, 173 273. vgl. über den einleitenden aufsatz Jsb 1911,3A,56. G. beginnt eine ausführliche darstellung des bedeutungswandels, die durch sehr reichhaltige literaturangaben unterstützt wird, behandelt werden in vier kapiteln: 1. das leben des Wortes und das gefühl, 2. die bildersprache im allgemeinen, 3. die Wörter für sinnliche qualitäten, 4. unsere körperbewegungen und gliedmaßen. die Überschriften geben nur eine schwache Vor- stellung von dem überreichen inhalt und deuten nur im allge- meinen die gesichtspunkte an, nach denen die anordnung er- folgt ist.

41. Ferd. Brunot, L'autorite en matiere de langage. DnSpr. 20,257 271. überträgt das bild von der entwicklung des demokratischen Staates in Prankreich auf die entwicklung der Sprache, charakteristisch sind besonders folgende Sätze: toute faute contre la langue est une faute contre la collectivit^. ce n'est pas la masse, c'est l'elite qu'on aura peine k soumettre. und bei solcher grundstimmung hofft der vf. auf eine autorite moins pointilleuse, moins tyrannique que l'ancienne, mais au moins aussi solide I!

42. G. Krüger, Vorschläge zur Verbesserung der gramma- tischen begriffe, im besonderen der englischen Sprachlehre. Ver- handl. d. 51. vers. d. philol. u. schulm. in Posen 1911. Leipzig, Teubner. s. 93 f. vgl. die folgende nr.

III. A. Allgemeine sprachwissenscliaft. 2. AUgemeines. 43

43. G.Krüger, Zur neubenennung grammatisclier begriff e, im besonderen solcher der englischen Sprachlehre. GRMon. 4,144 150. die vorschlage verraten eine große einseitigkeit, besonders be- denklich sind die ausführungen über das sogenannte perfektum (I have been) im Englischen.

44. W. Gardener Haie, The harmonizing of grammatical nomenclature, with especial reference to mood-syntax. PMLAss. 27,419 460. fortsetzung und Schluß der Jsb. 1911,3A,84 ver- zeichneten arbeit. H. glaubt u. a., daß das Präsens historicum noch ein rest aus der zeit sei, als modus und tempus noch nicht unterschieden wurden, und erklärt von da aus die modale be- deutung gewisser tempusformen in den neueren (und älteren) sprachen, indem er stark hervorhebt, daß der lateinische, fran- zösische, englische konjunktiv nicht einheitlicher herkunft ist, sondern konjunktiv und optativ vereinigt und daher auch keine einheitliche funktion zeigt, bekämpft er die in den neuen gramma- tiken von Sonnenschein hervortretende tendenz, der neuen termi- nologie zuliebe den subjunktiv zu einer einheitlichen erscheinung zu stempeln, als unhistorisch und gibt eine tabellarische übersieht über seine eigene auffassung.

45. P. Baumann, Über die Vereinfachung und Vereinheit- lichung der grammatischen terminologie. DnSpr. 20,135 143. hält eine Vereinheitlichung nicht für möglich und empfiehlt an- passung der terminologie an die einzelnen sprachen.

46. F. Baumann, Zur frage der Vereinfachung der gramma- tischen terminologie. BZfRw. 20,172—183.

47. Ch. Glauser, La nouvelle nomenclature grammaticale. DnSpr. 19,449 462. behandelt die vom französischen ministe- rium für die französischen schulen eingeführte grammatische terminologie.

47 a. On the terminology of grammar, being the report of the Joint Committy on Grammatical Terminology. Revised. Lon- don, John Murray. 1911. 40 s. 6 pence. es werden 46 leit- sätze (recommendations) aufgestellt, in denen für das Lateinische, Griechische, Deutsche, Englische und Französische übereinstimmende grammatische bezeichnungen festgesetzt werden, vgl. Alb. Eichler, ZföG. 1912,1028—1030.

48. Fr. Bruno t, Le musee de la parole. Bull, du dictionn. general de la langue wallone 5,2.

49. C. Avogadro, Teoria musicale del ritmo e della rima. Forli. Tip. ditta L. Borlandini 1911. 57 s.

50. Paul Verrier, L'isochronisme en musique et en poesie. Journal de psychologie normale et pathologique 9,3.

44 III. Allg. sprachwissenscliaft u. allg. vergl. literaturgeschiclite.

51. J. E. Wallin, Experimental studies of rhythme and time. Psychol. review 13,100 131, 202 222. angez. von Max Meyer, Zs. f. psychol. 61,305.

52. Eduard Sievers, Rhythmisch-melodische Studien, vor- trage und aufsätze. = Germanische bibliothek, hrsg. von Wilhelm Streitberg, II. abteilung, Untersuchungen und texte. 5. bd. Heidelberg, Winter. 141 s. 3,20 m. vereinigt fünf aufsätze: 1. zu Wernhers Marienliedern (1893), 2. zur rhythmik und melodik des nhd. sprachverses (1893), 3. über sprachmelodisches in der deutschen dichtung (1901), 4. über ein neues hilfsmittel philolo- gischer kritik (1903), bisher ungedruckt), 5. zur älteren Judith (1908). vgl. nr. 53 und abschn. 5B,19.

53. Andreas Heusler, E. Sievers und die Sprachmelodie. DLz, 1912,1477 1486. lehnt es ab, in der melodieprobe ein neues hilfsmittel philologischer erkenntnis zu sehen, erkennt aber den wert der Sieverschen Untersuchungen an, die besonders dazu dienen, die schallform der heutigen deutschen Verkehrssprache festzustellen, vgl. 5B,20.

54. R. Blümel, Die Rutzsche lehre vom Zusammenhang der spräche und des gesanges mit der körperhaltung. GRMon. 4, 389 410. kurze Übersicht über die typenlehre mit hinweisen auf die Verwendung in der philologie.

55. 0. Behaghel, Wortstellung und rhythmus. Magyar- Nyelvör 1912, jan. febr.

56. Siegfr. Behn, Der deutsche rhythmus und sein eigenes gesetz. eine experimentelle Untersuchung. aus dem psycholo- gischen institut der Universität Bonn, mit zahlreichen kurven- zeichnungen im text. Straßburg, K. Trübner. VIII, 169 s. 6,50 m.

57. Ernst Bednara, Verszwang und reimzwang. 2. teil, Reimzwang. Progr. d. gymn. in Leobschütz 48 s. (nr. 281.)

58. Adolf Noreen, Spräkets musikaliska sida. in: Spridda studier, andra Sämlingen, andra upplagan. Stockholm, Aktiebolaget Ljus. 1911. 166 s. 3 kr. s. 20—41.

59. W. Franz, Zum prosarhythmus und seiner Wirkung auf wortform und syntax. GRMon. 4,115. sucht an beispielen aus dem Englischen wahrscheinlich zu machen, daß das streben, die aufeinanderfolge zweier hochbetonter silben zu vermeiden, teils den ausfall von unbetonten Vorsilben verhindert hat (agoj^ teils den gebrauch des artikels bestimmt hat. am Schluß verzeichnet der vf. weitere Literatur zur frage.

60. Hanns 0 er tel. Über grammatische perseverationserschei- nungen. Idg. forsch. 31,49 66. behandelt analogiebildungen, bei denen in der tatsächlichen nebeneinanderstellung in der rede

III. A. Allgemeine sprachwissenscliaft. 2. Allgemeines. 45

ein schon gesprochenes wort oder wortelement an die stelle des zu sprechenden elementes tritt, der Vorgang wird im anschluß an Meringers 'nachklänge' und 0. Groß' 'sekundärfunktion' aus- führlich analysiert und durch eine große anzahl von beispielen aus verschiedenen sprachen belegt.

61. Nikolaj Rudnicki, Psj^chophonetische Studien. I. Assi- milation. Anzeiger d. akad. d. wiss. in Krakau 1911, philos.-hist. klasse 111 124. sucht zuerst die tatsächlichen Vorgänge in einzelne gruppen zu sondern und sodann eine erklärung zu geben., hierbei geht er von dem bedeutungswert der einzelnen laute für das wortganze aus. bespr. von A. Meillet, BSL. 60,21 f. (se borne en general ä exprimer en termes psychologiques les. phenomenes linguistiques.)

62. A. Konir, Zur frage der konsonantendissimilation, vor- nehmlich im Slavischen. Casopis pro moderni filologii 2,^/2-

63. B. Faddegon, De regele der afstandsmetathesis. Tijdschr. 30,276 280. unterscheidet drei fälle: 1. eine liquida, die hinter einer muta steht, springt über oder wird doppelt gesetzt,. wenn das wort noch eine zweite gleiche oder ähnliche muta ent- hält (aisl. fifrildi aus fifildri). 2. gelegentlich wird zwischen vokal und folgenden dental ein r eingeschoben, wenn das wort noch ein r hat in unbetonter silbe, ähnlich bei nasalen (nhd. diaL gerstern, frz. concombre). 3. intervokalische konsonanten werden untereinander oder mit dem anlaut vertauscht, ebenso, aber seltener, konsonantgruppen. (ahd. erila aus elira, nagaber aus nabager).

64. R. Gauthiot, Du nombre duel. Festschrift Wilhelm Thomsen 127 133. weist auf Übereinstimmungen in der ge- schichte der dualbildung auf indogermanischem und ugrofinnischem gebiete hin.

65. E. Hermann, Über die primären Interjektionen. Idg. forsch. 31,24—34.

66. Max Foerster, Der wert der historischen syntax für die schule. NJb. 30,396 403. Vortrag, in der Versammlung der neuphilologen zu Frankfurt gehalten, vgl. E. Ahner t, DnSpr. 20,346—356.

67. A. Thomson, Beiträge zur kasuslehre. IV. über die neubildungen des akkusativs. Idg. forsch. 30,65 79. vf., der früher die Verwendung des genetivs für den akkusativ bei personen- benennungen im Slavischen aus dem bedürfnis nach einer vom nominativ verschiedenen form zu erklären gesucht hat (Idg. forsch. 24,298 ff.), sucht seine these jetzt durch den nachweis ent- sprechender erscheinungen in andern sprachen zu stützen, das-

46 III- AUg. sprach Wissenschaft u. allg. vergl. literaturgeschichte.

Germanische, das in seinen dialekten zum teil grade die umge- kehrte neigung zeigt, wird nicht berührt.

68. Richard M. Meyer, Merkwürdige Wortbildungen, lite- rarische und biographische aufsätze 1. bd. Deutsche bücherei nr. 116/117.

69. Ch. Bally, Stylistique et linguistique generale. Archiv 128,87 126. knüpft fragen über die methode der Stilforschung in den neueren sprachen an eine besprechung des buches von Fritz Strohmeyer 'Der stil der französischen spräche'. Berlin, Weidmann 1910.

70. K. Brugmann, Abkürzung im sprachlichen ausdruck, ihre anlasse und ihre grenze. Magyar-Nyelvör 1912, jan.-febr.

71. Elise Richter, Der innere Zusammenhang in der ent- wicklung der romanischen sprachen. Prinzipienfragen der rom. philol. 57 143. sucht zu zeigen, wie alle sprachlichen Vor- gänge untereinander zusammenhängen und sich zum teil gegen- seitig beeinflussen. A. Meillet, BSL. 60,17 19 spricht seine Zustimmung zu der richtung aus, in der sich die forschungen der vf. bewegen, hält aber die zeit zu solchen Untersuchungen noch nicht für gekommen. vgl. E. Bourciez, Rev. crit. 1912,1, 255—258.

72. Joh. Storm, Om nabosprog og grsensedialekter. Viden- skaps-selskapets skrifter II. Hist.-phil. kl. 1911, nr. 4. Kristiania, Dybwad. 1911. nr. 4; 18 s. führt aus nordischen sprachen und dialekten, sodann aus dem Englischen, Niederländischen und Süddeutschen, zum schluß auch aus romanischen sprachen bei- spiele dafür an, daß lautgesetze gelegentlich die Sprachgrenzen überschreiten.

73. K. Schirmeisen, Buchstabenschrift, lautwandel, götter- sage und Zeitrechnung. Mannus 3,97 120, 255 278. vgl. Jsb. 1911,19A,28. vf. vermutet, daß die runenschrift von sechzehn buch- staben die älteste und sogar das indogermanische uralphabet sei, das die Wanderungen der Dorier dann nach dem süden gebracht haben und das im norden und süden unabhängig erweitert sei, dazu nimmt er an, daß die Germanen das idg. konsonantensystem er- halten haben, während überall sonst die schwierigen aspirierten und spirantischen laute durch Verschiebung erleichtert seien, er sucht diese ansieht durch Verbindung der runennamen mit mytho- logie und kalender zu stützen.

74. Adolf Noreen, Ordens död. In Spridda studier (vgl. nr. 58) s. 130—141.

75. J. Lanz-Liebenf eis. Die blonden als Schöpfer der sprachen, ein abriß der Ursprachenforschung (protolinguistik). =

m. A. Allgemeine Sprachwissenschaft. 2. Allgemeines. 47

Ostara, bücherei der blonden und mannesrechtler. Rodaun bei Wien. 16 s. 0,35 m.

76. Walter W. Skeat, The science of etymology. Oxford, Clarendon Press. XVin,242 s, gibt in sechzehn kapiteln eine einführung in alles das, was zum Verständnis der englischen ety- mologie nötig ist. das buch macht keinen anspruch darauf, neues zu bieten, sondern kann vornehmlich nur dazu dienen, allerhand Vorurteile, gegen die die wissenschaftliche etymologie in England offenbar noch mehr zu kämpfen hat als anderswo, zu zerstreuen und durch beispiele und gründe darzulegen, welcher wert der modernen etymologischen Wissenschaft zukommt. bespr. DLz. 33,2650. NQu. 11 s., 6,498.

77. Hugo Schuchardt, Geschichtlich verwandt oder ele- mentar verwandt? s.-a. aus Magyar- Nyel vor 1912, 13 s. ver- folgt nach F. Kluge, ZfdWortf. 13,339 f. den appositionellen genetiv durch zahlreiche sprachen und sucht ihn als elementar verwandt zu erweisen, vgl. Urtel, DLz. 1912,17; W. Meyer- Lübke bemerkt in seiner besprechung Litbl. 1912,294 297, der Standpunkt, von dem aus Schuchardt an die beurteilung sprach- licher erscheinungen herantrete, sei dem seinigen diametral ent- gegengesetzt, wenn er auch sehr oft mit ihm zusammentreffe. er führt das aus, indem er begründet, weswegen er der erklärung, die Schuchardt für den ausdruck urbs Romae gibt, nicht zustimmt, und legt gewicht darauf, daß auch in der spräche gelegentlich ganz verschiedene wege zu demselben ziele führen, ohne daß von geschichtlicher oder elementarer Verwandtschaft die rede sein könne.

78. A. Brückner, Wörter und Sachen. ZfvglSpr. 45, 101 110. warnt vor etymologien, die nur auf trügerischem gleichklang beruhen; besonders behandelt er das Verhältnis von slav. mleko 'milch' zum Deutschen, sucht es als urslavisch zu er- weisen und lehnt Peiskers auf die entlehnung gegründete folge- rungen ab. u. a. bespricht er noch germ. *erman-, ahd. irmin- 'groß', das mit armentum nichts zu tun habe, sondern wieder mit slav. ramenu 'gewaltig, heftig' zu identifizieren sei. vielleicht ge- höre auch lit. ermis, ermingas dazu.

79. Marius Kristensen, Folkelige planteslegter. et stykke uvidenskabelig botanik. Feilberg-festschrift 41 57, vgl. 801 f. stellt drei grundsätze auf, nach denen die spräche bei der be- nennung der pflanzen verfährt.

79a. Richard Riegler, Die welle als tier. WS. 3,186—190. weist die häufige metaphorische Verwendung von roß, hund, stier, bock (katze) zur bezeichnung der wellen in spräche und mythologie nach.

48 ni. Allg. Sprachwissenschaft u. allg. vergl. literaturgeschichte,

80. Richard Eiegler, span.-portug. cabra saltante 'irrlicht', WS. 220 222. weist eine anzahl von beziehungen der ziege zu irrlicht, blitz, gewitter aus zahlreichen idg. sprachen, besonders auch auch deutschem Volksglauben nach.

80a. P. de la Julliere, Du role de quelques animaux dans le langage. in: Festschrift zum 15. neuphilologentage in Frank- furt a. M. Frankfurt a. M., Knauer. s. 130 136.

81. Hans Sperber, Über den einfluß sexueller momente auf entstehung und entwicklung der spräche. Imago, Zeitschrift für anwendung der psycho-analyse auf die geisteswissenschaften, I, s. 405 454. vf. legt ernsthaft dar, daß wir in der Sexualität die hauptwurzel der spräche zu erkennen haben, und glaubt wahrscheinlich machen zu können, daß nach der erfindung der ersten Werkzeuge die primitiven tätigkeiten von lockrufartigen, sexuell betonten äußerungen begleitet wurden, dabei behandelt er die frage der priorität von nomen oder verbum, begründet die notwendigkeit einer Wurzelperiode, erklärt die flexion aus der be- schleunigung des Sprachtempos, erkennt im lockruf den keim zum Substantiv, verbum, adjektiv und lokaladverb und untersucht schließlich 'die große der expansivkraft sexueller worte' an einer beträchtlichen anzahl vorwiegend germanischer Wortfamilien, hier- bei gelingt es ihm in der tat, eine gewisse Übereinstimmung in der bedeutungsentwicklung aufzuzeigen, ohne daß indes dadurch das geringste für die anfangsthese bewiesen wäre.

82. Kr. Nyrop, Etudes sur quelques metonymies. Oversigt over det kgl. danske videnskabernes selskabs forhandlinger 1911, nr. 6,407 432. behandelt die Übergänge pars pro toto, totum pro parte, continens pro contento, contentum pro continenti, stoff und fabrikat, produzent und produkt, antecedens und consequens hauptsächlich an französischen, zum teil aber auch an deutschen beispielen. kurz erwähnt Rev. crit. 1912, heft 29.

83. Kr. Sandfeld Jensen, Notes sur les calques linguistiques. Thomsen-festschr. 166 173. verzeichnet arbeiten über die be- deutungslehnwörter und sucht drei kategorien zu unterscheiden: 1. le sens d'un mot s'elargit d'apres les significations du mot correspondant d'une autre langue, z. b. canard, ente, ' d'ä,n. and, 'ente und zeitungslüge', 2. la traduction sert ä la formation d'un mot nouveau, z. b. decouvrir entdecken, reveler entschleiern, bei kom- positis wird unterschieden: a) jedes glied ist genau übersetzt: misericordia harmlierzigkeit, gaJilaipa cumpanis, b) die Übersetzung ist freier: obiectum gegenständ, c) besonders bei den suffixen, die zum teil wieder durch Zusammensetzung gegeben werden: purga- torium fegefeuer, zum teil fortfallen: atramentum ae. blcec, dän.

III. A. Allgemeine Sprachwissenschaft. 3. Vergl. grammatik. 49

hJüßk, d) halbe Übersetzung, z. b. haurnwolle poln. baweina, 3. redens- arten und wendung&ö werden übersetzt, z. b. gräce ä dank, dabei gibt der vf. zu 2 eine Zusammenstellung solcher ausdrücke, die einer größeren anzahl von sprachen gemeinsam geworden sind, wie lat. adversitas, aequüibrium, henevolentia, circumstantia, er weist auch darauf hin, daß der Ursprung solcher Wendungen nicht immer leicht nachzuweisen ist, wenn sie offenbar aus der Volkssprache stammen, seine arbeit soll dazu beitragen, den von C. Bally ge- prägten begriff der mentalite europeenne zu veranschaulichen.

84. Besprechungen zu 2: Karl Borinski, Ursprung der spräche (Jsb. 1911,3A,11): C. Wessely, Allg. Litbl. 21,530; Max Scheinert, Cbl. 63,5 7. + Fr. E. Brandstäter, Ent- stehung der spräche (Jsb. 1911,3A,204): A. Walde, Litbl. 1912, 233. -f- K. Brugmann, Wesen der lautlichen dissimilation (Jsb. 1911,2A,119): E. Vetter, ZföG. 62,1082— 1085. + Armin Ditt- mar, Syntaktische grundfragen (Jsb. 1911, 3A, 75): Hans Meltzer, ZfGw. 66,110—112; H. Lattmann, BphW. 22,689—698; H. Blase, Wschr. 29,295— 302. + K. 0. Erdmann, Bedeutung des Wortes (Jsb. 1911,3A,55): H. Siebeck, Litbl. 1912,193—197. -f-F. N. Finck, Sprachstämme (Jsb. 1911,3A,90): H. Winkler, Idg. forsch. 29,1 4; Ed. Hermann, Bull, de dial. rom. 4,110; zugleich mit den haupttypen des Sprachbaus: G. Ciardi-Dupre, Giornale della Societä asiatica italiana 23,332 334. -4- Ernst G-amillschegg, Lautsubstitution (Jsb. 1911, 3A, 70): A. Meillet, BSL. 60,16 f.; vgl. Bull, de dial. rom. 4,125. + L. Gauchat, Regression linguistique (Jsb. 1910,3A,89): M. R(oques), Romania 1912,318. -f" Gustave Gautherot, Langue auxiliaire (Jsb. 1911, 3A,88): Leon Clugnet, Polybibl. 124,433—435. + Arnold van Gennep, Religions, moeurs, et legendes (Jsb. 1911, 3A, 39): Rieh. Lasch, Mitt. der anthrop. ges. in Wien 42,110 f.; P. Ehren- reich, Petermanns mitt. 1,291. -f- J. van Ginneken, Principes de linguistique (Jsb. 1910,3A,117): B. Faddegon, Tijdschr. 1912,119—136. -j- A. Marty, Kasustheorien (Jsb. 1911,3A,90): Fried. Baumann, Litbl. 1912,1—3; Theod. Kluge, Cbl. 63, 424 f.; K. Bruchmann, BphW. 1912,757—761. + Fritz Mauth- ner, Wörterbuch der philosophie (Jsb. 1911, 3A, 44): R. M. Meyer, ZfdWortf. 13,77; Neumann, Monatsh. d. Commeniusges. 4. -|- A. Meillet, Linguistique (Jsb. 1911, 3A, 37): Julien Vinson, Revue de ling. 44,1 13; M. Grammont, Revue des langues rom. 1912,108. -j- R. Meringer, Aus dem leben der spräche (Jsb. 1910,3A,117): Med.-päd. monatschr. 1912,29 f. -f- W. Meyer- Lübke, Aufgaben der Wortforschung (Jsb. 1909,3A,86): Jules Ronjat, Rev, des langues rom. 1912,414. -f- Rud. Pestalozzi, Jahresbericht für germanische Philologie. XXXIV. (1912.) I. Teil. 4

50 in. Allg. Sprachwissenschaft u. allg. vergl. literaturgeschichte.

Syntaktische beitrage (Jsb. 1911,3A,119): 0. Behaghel, Litbl. 1912,823 £. -|- E. Richter, Wie wir sprechen (Jsb. 1911,3A,60): A. Meillet, BSL. 60,25 f.; ders., Revue crit. 1912,1,363; A. Zauner, ZföG. 1912,621—623; K. Weitnauer, BfGw. 1912, 242. + Franz Sohns, Wort und sinn (Jsb. 1911,3A,65): 0. Weise, ZfGw. 1912,40; Richter, ZfRw. 1912,666; L. Freytag, Zs. f. reform d. höh. schulen 24,34. -f- W. Wundt, Probleme der Völkerpsychologie (Jsb. 1911,3A,48): G. Spengler, ZföG. 1912, 171 173; M. Scheinert, Cbl. 1912,5; A. Vierkandt, Peter- manns mitt. 1912,1,46.

3. Vergleichende grammatik.

85. P. Kretschmer, Zur entwicklung der idg. Sprach- wissenschaft. — Vortrag, auf dem 16. orientalistenkongreß zu Athen gehalten, vgl. Idg. anz 30,31 f. K. unterscheidet eine kom- parative, psychologische und philologische periode in der entwick- lung, er erwartet eine bevorzugung syntaktischer forschungen für die nächste zeit.

86. Jan v. Rozwadowski, Wp61czesny stan jgzykoznawstwa indoeuropejskiego. Eos 16,40 59. [Der augenblickliche stand der idg. Sprachwissenschaft.] berichtet über neue richtungen in der Sprachwissenschaft und über neue funde, wie das Tocharische.

87. N. Schloegl, Neue, bisher ungeahnte bahnen der ver- gleichenden Sprachwissenschaft. vertrag auf dem 16. Orien- talistenkongreß zu Athen gehalten, nach Idg. anz. 30,31 führte der vortragende die personalpronomina zahlraicher sprachen, u. a. des Neugriechischen, auf dreigliedrige Sätze zurück.

88. Johann Steyrer, Der Ursprung und das Wachstum der spräche indogermanischer Europäer. 2. vermehrte u. verbesserte aufläge. Wien, Holder. XIV,287 s. daß dieser haarsträubende unsinn nach wenigen jähren (vgl. Jsb. 1 905, 2 A, 96) zum zweiten male aufgelegt wird, während die Sprachwissenschaft vergeblich an die türen der schulen pocht, ist bezeichnend und beschämend für den zustand der durchschnittsbildung unserer zeit, unerhört ist die Verdrehung, die sich der vf. in der vorrede mit der ironischen bemerkung Bartholomäus im Litbl. 28 erlaubt. bespr. v. A. Walde, Angliabeibl. 23,353 f. vgl. die bemerkung Litbl. 1912, s. 263. C. Wessely, Allg. Litbl. 21,655.

89. Fr. von den Velden, Über Ursprung und herkunft der indogermanischen sprachen und anarische spx^achreste in West- europa. Bonn, C. Georgi. 92 s. 2 m. beweist mit gewaltigem aufwand von kraft, was schon vorher nicht zweifelhaft war, daß die idg. sprachen ein später sproß eines alten baumes sind, der

III, A. Allgemeine Sprachwissenschaft. 3. Vergl. grammatik. 51

viele andre zweige getrieben hat. besonders die kaukasussprachen und das mit ihnen angeblich verwandte Baskische müssen dazu herhalten, das gesagte zu bestätigen, so sicher sich aber die idg. sprachen in ihrer struktur ein ganz eigenartiges gepräge geschaffen haben, so sicher sind die folgerungen, die der vf. aus den be- ziehungen der nichtidg. sprachen für die anthropologische seite der frage zieht, unzutreffend.

90. A. Meillet, Introduction k l'etude comparative des langues indo-europeennes. 3. edition corrigee et augmentee. Paris, Hachette. 1912. XXVI,497 s. vgl. unten nr. 91,133, bespr. von Max Niedermann, BSL. G0,29 31, von J. Vendryes, Journal des savants 10,470 472, A. Kluyver, Museum 20,1 4, F. Piquet, Rev. germ. 8,590 f., R. Gauthiot, Rev. crit. 1912, 2,341 f.

91. A. Meillet, Vvedenie v sravnitelnuju grammatiku indo- jevropejskich jazykov. perevod D. Kudrjavskago, posmotrt'unyj i dopolnennyj avtorom. Jur'ev. VIII, 428. vervollständigte und vom autor durchgesehene Übersetzung der 'Einführung' vgl. nr. 90; bespr. von Karskij, Russkij filol. vestnik 65,490 f.

92. Alfr. Gercke und Eduard Norden, Einleitung in die altertumswissenschaft. 1. bd. methodik, griechische und römi- sche Literatur, spräche, metrik. 2. aufl. Leipzig, Teubner. XI,631 s. 13 m. vgl. Jsb. 1911, 3A, 119.

93. A. Meillet, Les nouvelles langues indo-europeennes trouvees en Asie centrale. La revue du mois 1912; sep.-abdruck. 20 s. Paris, Pelix Alcan. Übersicht über die funde, die Schrift- arten, die entzifferung; von den zwei tocharischen dialekten haben die Deutschen hauptsächlich den einen, Pelliot den andern be- handelt, die Sprachentwicklung in beiden ist sehr fortgeschritten, die endungen sind abgeschliffen, trotzdem ergeben sich einige sichere und interessante resultate. zwar eine sichere Zuweisung der spräche ist bisher nicht möglich, sie kann zu einer westlichen gruppe gehören die möglichkeit, daß Kelten und Germanen so weit östlich vorgedrungen wären, wird erwogen , es gehört sicher nicht zum Indoiranischen, manches aber, wie das medium mit r erinnert an das Italokeltische, anderes ans Slavische, so daß auf eine vermittelnde Stellung zwischen dem Italokeltischen, Arme- nischen, Griechischen und Slawischen geschlossen wird. alle vier abstufungen der mutä sind in eine stufe zusammengefallen, bei der nur unterschieden wird, ob ein echter oder ein unbe- stimmter vokal folgt, auch die entdeckung des Sogdischen und des von Leumann sogenannten nordarischen dialekts, den Meillet lieber ostarisch nennen möchte, werden besprochen.

4*

52 III. Allg. Sprachwissenschaft u. allg. vergl. literaturgeschichte.

94. T. S. Denison, A mexican-arj'-an comparative voca- bulary. Chicago, Denison. 1909. 110 s. abgelehnt, wie selbstverständlich, von A. Cuny, Revue des et. auc. 1909,205.

95. A. Meillet, L'evolution des formes grammaticales. 8cientia 12(1912), 383 400. alle Vorgänge, durch die gramma- tische formen gebildet werden, gruppieren sich in zwei klassen, analogie und verlust der Selbständigkeit; besonders der zweite fall, der Übergang eines ursprünglich selbständigen wortes in die funktion eines grammatischen bildungselements, wird ausführlich er- läutert.

96. Th. Fitzhugh, The West-Indo-European superstress. Transactions and Proc. of the Am. Philol. Association 1910, bd. 41.

97. Heller, Die relative Chronologie vorgeschichtlicher laut- übergänge. Verhandl. der 51. vers. d. scliulm. u. philol. Leipzig, Teubner. s. 105; vgl. Idg. anz. 29,60.

98. H. Schuchardt, Zum nasaleinschub. ZfromPhil. 35, 7 1 92 ; vgl. 36,90 f. anknüpfend an einen aufsatz von K. Strekelj, Zur slawischen lehnwörterkunde, der eine unhaltbare erklärung der nasalierung von W. Poerster wiederholt, zeigt S. zuerst für das Slawi- sche drei hauptquellen der nasalierung auf, 1. formenmischung (wie bei iungo, iugum), 2. einfluß benachbarter nasale, 3. einfluß anderer Wörter; S. fordert dann eine vergleichende lautgeschichte, die außerhalb der Sprachvergleichung stehen, sich nicht auf die Ver- wandtschaft der sprachen stützen solle, erörtert auch für das Eng- lische und Griechische die verschiedeneu arten des nasaleinschubs und warnt in anschließenden theoretischen erörterungen vor allzu- schnellem konstruieren von lautgesetzen und lautneigungen, unter wiederholtem hin weis auf die verschlungenen pfade, die in der Wortgeschichte durcheinander laufen.

99. Paul Kretschmer, Das kürzungsprinzip in Ortsnamen. Jagid festschrift s. 553 556. unterscheidet äußere kürzung, wenn, wie bei r/ /ZoAt für Konstantinopel, nur ein glied des komponierten namens genannt oder, wie bei 2aXovi'Arj^ eine an- fangssilbe fortfällt, und innere, wenn wie bei Frisco für San Fran- cisco das lange wort durch ausfall innerer bestandteile gekürzt wird, hierfür werden beispiele aus dem Deutschen, Polnischen, Alt- und Neugriechischen und Italischen gegeben.

100. George 0. Holbroke, Aryan wordbuilding. New York, The Knickerbocker Press. 1910. XII,442 s. ' veraltet in an- läge und methode nach H. Meltzer, BphWschr. 1911,1299 f., wert- los nach Holger Pedersen, NTfPil. 20,176.

101. Herrn. Lommel, Studien über idg. femininbildungen. Göttingen, Vandenhoeck & Ruprecht. 81 s. (Gott, diss.) 2 m.

III. A. Allgemeine Sprachwissenschaft. 3. Vergl. grammatik. 53

der vf. geht von Meillets ansieht aus, daß in der idg. grund- sprache bei substantivischen o-stämmen, sofern sie geschlechtige wesen bezeichnen, das femininuin nicht vom maskulinum unter- schieden wurde, er untersucht die meisten idg. sprachen darauf hin, wie weit dieser zustand in ihnen noch zur erscheinung kommt, und fragt, wie die ä-motion entstanden sei. hierbei schließt er sich im wesentlichen der von Jacobi, Kompositum und nebensatz s. 115 f. entwickelten hypothese an, die er auf die weitere ent- wicklung der einzelsprachen überträgt, ein zweites kapitel widmet er der überaus schwierigen frage der motion mit -ei-, -ie-, -iä-, deren reste er umsichtig und methodisch erörtert, für beide fragen liefert das Germanische nur sehr spärliches material, obgleich grade die fragen des zweiten kapitels durch die isolierten formen an. ylgr, ahd. wulpa angeregt worden sind, auch für das ger- manische gebiet erweist sich der vf. als kenntnisreicher und vor- sichtiger beurteiler. vgl. A. Meillet, BSL. 60,31—33.

102. H. Hirt, Zur bildung auf -t im Indogermanischen. Idg. forsch. 31,1 23. ausgehend von der tatsache, daß in Aind. zu den o-stämmen nicht bloß feminina auf -ä, sondern auch solche auf -l f-ihj belegt sind, die in einzelnen fällen in den ver- wandten sprachen genaue entsprechung zeigen, und daß diese i-bildungen eine große fruchtbarkeit in weiteren ableitungen zeigen (z. b. got. fadrein, harizeins, kaurei, weitwodei, piupeigs, sineigs, partizipia wie nimandei), folgert H., daß -l die Zugehörigkeit, viel- leicht mit beschränkung auf belebte dinge bezeichnet habe, und nimmt an, daß auch das dualsuffix der i-stämme und der konso- nantischen neutra wie aind, aksi hiermit zusammenhängt.

103. F. Sommer, Zum idg. personalpronomen. Idg. forsch. 30,393 429. behandelt ausführlich die entwicklung einer an- zahl altindischer und griechischer formen, vornehmlich des duals; Germanisches wird kaum berührt.

104. 0. Hujer, Zur deklination der personalpronomina. Idg. forsch. 30,49 54. erschließt aus slavischem material einen dativ *tühe, der dem ai. tiibliyam entsprechen würde, während die meisten übrigen sprachen auf tehh- weisen.

105. A. Meillet, Remarques sur les sens du genetif indo- europeen. in Festschrift, Vilhelm Thomsen zur Vollendung des 70. lebensjahres am 25. januar 1912 dargebracht von freunden und Schülern, Leipzig, Harrassowitz, 1912. VIII, 236 f. 10 m. s, 21 23. Wackernagel hat gezeigt, daß die partitive be- deutung des genetivs älter als die attributive und von dieser un- abhängig ist; M. sucht die partitive aus der des ablativs abzuleiten

54 III- A-llg. Sprachwissenschaft u. allg. vergl. literaturgeschichte.

und den zusammeufall des ablativs und genitivs in der athematischeu deklination damit in Verbindung zu bringen.

106. K. Brugmann, Zu den reduplizierten verbalbildungen des Indogermanischen. Idg. forsch. 31,89 104. behandelt unter 1. 'ai. ti-sthati und aw. hi-staHi' die frage, wie s mit folgender tenuis im Idg. redupliziert wurde, und entscheidet sich dafür, die altindische und gotische form fstai-stald, skai-skaip) als unursprüng- lich anzusehen, unter 2. 'altindisch jabhära und habhära' wird die nicht wahrscheinliche Vermutung geäußert, daß jabhära und got. ga-bar sich in beiden teilen decken; jabhära sei perfektiv im gegensatz zu babhära. unter 3. 'altind. iyäj'a^ uväca und iyesn, iyäya, uvösa' erklärt B. die reduplikation in diesen bildungen nach analogie der atcischen reduplikation, was nicht überzeugt, deutet das ai der got. reduplikation als ai, das vor h und r entstanden und auf die andern fälle übertragen sei, bespricht aber das Ver- hältnis von got. iddja zu iyäya nicht.

107. J. Vendryes, Le type verbal en ^-sk^jo de l'indo- iranien. Melanges Sylvain Levy 173 182. kommt zu dem Schluß, daß das suffix -sko nicht schon in der Ursprache incohative bedeutung besaß, sondern zuerst die aufgäbe der Stellvertretung hatte; es findet sich ursprünglich nur an wurzeln, von denen das Idg. keine thematischen präsensbildungen besaß, gestützt wird diese ansieht namentlich auf das nebeneinander von got. qiman und ags. cuman gegenüber ßdo/.to, aind. gacchati, während bei ahd. eiscön, forscön, wunscen, wascan mit der möglichkeit verbaler deri- vation gerechnet wird.

108. J. Wackernagel, Futurum historicum im Altpersischen . Festschrift Vilhelm Thomsen. s. 134 137. erkennt in der iorm patiyävahyaiy, Behistun 1,13 (z. 55) ein fut. von pati-^ ä-^-van 'anflehen', das aber nicht futurische bedeutung hat, sondern nur den fortschritt der handlung bezeichnet, hierzu erörtert er die Verwendung des futurums zur bezeichnung vergangener Vorgänge im Französischen, Lateinischen, Prakrit, aus denen beispiele für relative nachzeitigkeit beigebracht werden, dann aber führt er auch lettische beispiele für die im altpersischen vorliegende bedeutung des fortschritts der handlung an und registriert etwas verwundert die gleiche erscheinung im vulgären Deutsch der gegenwart. die erscheinung ist im osten Deutschlands ganz gewöhnlich; sie stimmt durchaus überein mit der Verwendung des futurums als präs. histor. in den slavischen sprachen.

109. Johanna Richter, Ursprung und analogische aus- breitung der verba auf -a^co. exkurs: die germanischen verba auf -atjan, -itjan im vergleich mit den griechischen verba auf -a'Qco. diss. Münster 1909,180 s. die bertihrungspunkte zwischen den

in A. Allgemeine Sprachwissenschaft. 3. Vergl. grammatik. 55

griechischen und deutschen verben sind nicht zahlreich; die v£. hat aber auf s. 135 161 viel brauchbares material zusammen- getragen, um die entstehung und das vorkommen der verba auf -atjan und itjan^ so gut es geht, darzulegen.

110. Jos. Baudis, Zur Wortzusammensetzung im Indo- germanischen. Sitzungsber. der böhm. ges. d. wiss. phil.-hist. kl. 1912,3,26 f. Prag, F. Rivnac. 27 s. 0,60 m. untersucht die ansichten von Jacobi und Brugmann über die entstehung der kom- posita und verweist treffend darauf, daß komposita allen den wort- gruppen entsprechen, in denen im Air. die sandhierscheinungen der lenierung, eklipse und provektion eintreten, die der kompo- tion zugrunde liegenden gruppen können potentiell als Sätze fungieren, besondere behandlung erfahren noch die bahuvrihi, bei denen die frage der aktiven und passiven bedeutung ausführlich, aber nicht immer glücklich erwogen wird, beachtung verdient die Sammlung von appositionalsätzen aus den verschiedensten sprachen, die B. zur erklärung der bahuvrihikomposita beibringt.

111. H. W. Pollak, Zur einteilung der komposita. Idg, forsch. 30,58 64. lehnt die versuche einer klassifikation der komposita von Wundt, Dittmar, K. F. Johansson, Brugmann ab und gibt im anschluß an Delbrück eine eingehende disposition.

112. H. W. Pollak, Zur exozentrischen komposition. Idg. forsch. 30,55 58. sieht das gemeinsame Charakteristikum der exozentrischen Zusammensetzungen darin, 'daß sie in ihrem be- deutungsinhalt den begriff einer grammatischen kategorie mitum- fassen, der nicht im determinierten bzw. regierenden gliede ent- halten ist, wenn es sich um Unterordnung, nicht in irgend einem der gHeder, wenn es sich um beiordnung handelt', er gibt so- dann die geschichte des altnorw. kompositums eptirbroßdrasynir 'Großneffen' aus der wortgruppe eptir brcedra sunu.

113. Eduard Hermann, Griechische forschungen I. die nebensätze in den griechischen dialektinschriften im vergleich mit den nebensätzen in der griechischen literatur und die gebildetensprache im Griechischen und Deutschen. Deipzig, Teubner. Vni,346 s. mit 2 taf. 10 m. H. nimmt zuerst Stellung zu den ausführungen Armin Dittmars (vgl. unter nr. 133), die er nahezu in allen be- ziehungen ablehnt, und kommt zu einer definition des neben- satzes, die sich der üblichen auffassung anpaßt, auf s. 192 217 schiebt er eine ausführliche darlegung ein, wie er sich das Ver- hältnis des dialekts zur spräche der gebildeten und zur Schrift- sprache denkt, er schildert zu diesem zweck, wie seine eigene individualsprache sich vom dialekt zur spräche der gebildeten entwickelt hat und gibt einige nachweise dafür, daß die rezeption

56 m. Allg. Sprachwissenschaft u. allg. vergl. literaturgeschichte.

des Hochdeutschen durch die gebildeten der rezeption der Schrift- sprache vorausging, vgl. abs. 8,17.

114. Ernst Ki eckers, Die Stellung des verbs. vgl. Jsb. 1911,3A,107. im Griechischen wird für den einfachen haupt- satz anfangs-, mittel- und endstellung des verbs als alt erwiesen und gezeigt, daß für gewisse Satzarten immer nur eine bestimmte Stellung die üblichste war. auf grund der vergleichung anderer sprachen wird dieser zustand als ursprünglich angesehen, für den nebensatz glaubt K. annehmen zu müssen, daß allein die anfangs- stellung dem Idg. zukam, für das Germanische werden nur die ergebnisse der forschung verwendet, neues nicht erschlossen, die letzten Schriften von B. Delbrück (vgl. Jsb. 1911,3Ä,150) kennt der vf. noch nicht. die vorrede beschäftigt sich mit den von Armin Dittmar (vgl. Jsb. 1911,3A,75) angeregten syntaktischen grundf ragen; K. schließt sich den neuerungen nicht an. vgl. A. Meillet, BSL. 60,46—48; Ed. Hermann, Berl. ph. Wschr. 1912,563; H. Ehrlich, Cbl. 1912,580.

115. Ernst Kieckers, Die Stellung der verba des sagens in Schaltesätzen im Griechischen und in den verwandten sprachen. Idg. forsch. 30,145 185. weist die Stellung prädikat Subjekt in Sätzen, wie segir Brynhildr übereinstimmend in den idg. sprachen nach; das Germanische behandeln die Seiten 177 180. auch aus dem Hebräischen, Grusinischen, Finnischen wird sie belegt; dem Arabischen, Türkischen und auffälligerweise dem Altindischen ist sie fremd.

116. Rudolf Meringer, Zur aufgäbe und zum namen unserer Zeitschrift. WS. 3,22—56. vgl. Jsb. 1911,3A,108. nach einer abwehr teils wirklicher, teils vermeintlicher angriffe auf die neue Zeitschrift, wobei namentlich die frage nach der Ur- heberschaft des titeis 'Wörter und Sachen' eine unverdient große rolle spielt, folgt eine Studie über bedeutungsverschiebungen, die aus der bezeichnung zusammengesetzter handlungen hervorgehen, und auf die sonderbaren bedeutungsabweichungen, die sich bei den benennungen der körperteile ergeben, mit recht bekämpft M. die alte ansieht, dergleichen abweichungen aus ursprünglich ab- strakter bedeutung abzuleiten, z. b. aind. kaksc 'achselgrube', aw. kasö 'achsel', ahd. hahsa 'kniebug des hinterbeins', air. coss 'fuß', lat. cooca 'hüfte' auf 'gebogenes' oder 'sich biegendes' zurückzu- führen; er schließt vielmehr hier und ähnlich bei den verwandt- schaftsnamen, bei denen entsprechende Verschiebungen gezeigt werden : sinn verschieben ist sprachliches vergreifen ; somit knüpft er den Vorgang an seine Untersuchungen über versprechen und verlesen an.

III. A. Allgemeine Sprachwissenschaft. 3. Vergl. grammatik. 57

117. A. Brückner, Über etymologien und etj^mologisieren. ZfvglSprw. 45,24 51. betont die notwendigkeit, die geschichte der Wörter, ihre Verbreitung und bedeutung zu beachten und warnt vor den lockungen des gleichklangs. obgleich der vf. hauptsäch- lich Slavisches behandelt, sind seine ausführungen doch für den Germanisten wichtig, da er für zahlreiche •^rörter die bisher an- genommene entlehnung aus dem Germarischen als unrichtig er- weist, auch auf die Schachmatowsche ansieht der berührung von Slaven und Kelten geht er ein. vgl. nr. 78.

118. Per Persson, Beiträge zur idg. Wortforschung, hrsg. mit Unterstützung des Vilh. Ekmanschen Universitätsfonds. 2 teile. Uppsala-Leipzig, Harrassowitz. VIII,1113 s. 30 m. in der vorrede bemerkt der vf., daß der druck des ersten teils schon im jähre 1908 abgeschlossen gewesen sei, daraus erkläre sich der umfang der nachtrage (s. 925 965). durch diese wird die be- nutzung des mit der schwersten wissenschaftlichen rüstung aus- gestatteten buches noch erschwert; anderseits aber ist die kunst des vfs., seine ansichten überzeugend darzulegen, gegen früher außerordentlich fortgeschritten, der erste band behandelt in 107 ar- tikeln einzelne etymologien, die zum teil neue beobachtungen ent- halten, zum teil hergebrachte ansichten bekämpfen, meist aber be- müht sind, die erklärten Wörter in jenen weiteren Zusammenhang einzureihen, in den bei dem vf. seit seinen Studien zur wurzel- erweiterung und wurzelvariation (vgl. Jsb. 1891,3,75) die ein- zelnen sprachlichen gebilde treten. diese fundgrube gelehrter kombination auszuschöpfen, wird geraume zeit erfordern; auf ein- zelne besonders wichtige vergleichungen hinzuweisen, behalte ich mir für den nächsten jsb. vor. der zweite teil sucht die vom vf. und anderen, besonders nordischen forschern vertretene und früher gewiß leicht im Übermaß angewandte lehre von den wurzel- determinativen aufs neue zu begründen und zu stützen, dabei wendet sich P. nicht nur gegen M. Bloomfield, der in seiner adaptations- und kontaminationstheorie (vgl. Jsb. 1893,3,5 f., 189G, 3,78) und gegen H. Hirt, der in seinen ablautforschungen (vgl. Jsb. 1900,2,37) die lehre von der wurzelvariation bekämpft hatte. P. geht vielmehr nirgend einer Schwierigkeit aus dem wege und nimmt auch Stellung zu den theorien von H. Möller (Idg.-sem. Wörterbuch), Holger Pedersen (vgl. gramm. der keltischen sprachen 1,177 ff.) und Sütterlin (vgl. Jsb. 1910,3A,129) und behandelt eingehend das Verhältnis der set- und aw/f-basen zuein- ander, er ist sich bewußt, daß seine forschungen kaum zu ein- zelnen festen ergebnissen führen können, erkennt auch die möglich - keit abweichender erklärung für einzelnes an, sieht aber nament- lich in dem umfassenden nachweis, den er dem nebeneinanderstehen

58 ill- Allg. Sprachwissenschaft u. altg. vergl. literaturgeschichte.

von ein- und zweisilbigen wurzeln widmet, eine starke stütze für seine auffassung. zweifellos wird auch der, der P.s ansieht nicht teilt, aus seinem buche wertvolle anregung und belehrung schöpfen.

vgl. A. Meillet, Revue crit. 1912,2,486—488; E. Traut- mann, DLz. 1912,2461—2464.

119. Francis A. Wood, Kontaminationsbildungen und haplo- logische mischformen. The Journal of engl, and germ. phil. 11, 295 328. gibt in 246 nummern an lauter aus den germa- nischen sprachen entnommenen beispielen weitere belege von der schon in der abhandlung Iteratives, blends, Streckformen, behan- delten erscheinung. vgl. Jsb. 1911,2A,141.

120. Christian Bartholomae, Der idg. name der Plejaden. Idg. forsch. 31,35 48. kommt zu dem schluß, daß das aw. paoiryaenyas und das gr. IlXeiddeg in ihrem stamm identisch und von einem nominalstamm *pelui- abgeleitet seien, der zu lat. pulvis gehöre, die bezeichnung des Sternbildes weist er schon der idg. zeio zu. in einer anmerkung s. 36 bespricht B. erneut den namen der buche.

121. E. Björkmann, Neuschwed. gösse 'knabe, junge', eine semasiologisch-methodologische studie. Idg. forsch. 30,252 278.

B. entwickelt die älteren ansichten über die herkunft des Wortes, geht dann von der ansieht K. F. Johanssons (ZfvglSpr. 36,371) aus, daß benennungen von menschen und tierjungen öfter auf bezeichnungen wie klumpen, knolle, stock, stamm beruhen und verbindet damit die ausführungen Otto von Friesens De ger- manska mediogeminatorna, Uppsala 1897. er trägt umfangreiches material zusammen, um den satz Johanssons zu beweisen und gleichzeitig zu zeigen, daß die so entstehenden ausdrücke vielfach eine gemination zeigen, die als ausdruck der Steigerung des ge- fühls aufzufassen und mit der in den kurznamen häufigen auf eine stufe zu stellen ist. dabei findet vielfach Verstümmelung statt, namentlich auslassung von r. so stellt der vf. gösse zu ne. dial. gurr 'a rough, knotty stick or tree', mnd. nhd. gurre (schlechte) Stute; aber nicht diese etymologie, sondern die materialsammlung machen den wert der arbeit aus.

122. A. Cuny, Grec ^töomd^ai 'demander, supplier' et ses correspondants dans les langues occidentales (celtique-germanique). Revue des etudes anciennes 1910,10 15. stellt zu ^iooeaü^ai, TtoXvd-EOxoq QioffSGTog usw. nid-og, rp^ovog, fragend auch Geaaa- Xög, erwähnt ap. Jadiyämi, aw. jaiöyat, air. guidiu und sucht wahr- scheinlich zu machen, daß got. hidjan aus dem Keltischen ent- lehnt sei.

123. K. Ostir, Etymologische und grammatische versuche. WS. 3,205 208. behandelt unter slaw. telo die suffixe -|- lo-

III. A. Allgemeine Sprachwissenschaft. 3. Vergl. grammatik. 59

und u-, die häufig bei den namen der körperteile vorkommen, z. b. ags. 7iasu, germ. '"^handu- und sucht die zugrunde liegenden konsonantischen stamme festzustellen.

124. Walther Prell witz, Zu idg. ap(e)lo- 'kraft, hilfe'. ZfvglSpr. 45,159. vergleicht mit an. afl el. TevTi-aTtXog, 'u^rrskXwv, ^TtoXXcDv, vr^neXeco und bemerkt, daß zu got. piuda auch

Tevra/Aiöag gehöre.

125. Fr. A. Wood, Etymologische miszollen. ZfvglSpr. 45, 61 71. behandelt Germanisches unter 1. ai. brhdti 'reißt, reißt aus', 2. ai. hhresati 'wankt, schwankt', 3. ai lajjate 'schämt sich', 5. a. vipätha-s 'eine art pfeil', 6. cech. hresk 'herber geschmack', 7. abg. dreselü 'traurig', 8. cech. drdati 'rupfen, abrupfen', 9. serb.-kr. drmati 'schütteln', 10. russ. pro-gdliti entblößen, lichten', 12. russ. grdnka 'büschel', 13. abg. grozdü, groznii 'traube', 14. abg. liku 'reigen', likovati 'tanzen', 15. gr. ßaiog 'klein, gering, kurz', 16. gr. co-dig 'quäl, geburtsschmerz', 17. gr. Xiyvg 'schwirrend, sausend, lauttönend, hell', 20. gr. QiLa 'wurzeF, 21. lat. forma 'form, gestalt', 22. lat. frigo 'richte empor', 23. lat. f'ngo 'dörre, röste', 25. lat. lentus, 27. lat. miser usw., 29. lat. vitulus 'kalb', SO. nhd. ergetzen 'vergüten, erfreuen', 31. aisl. glata 'verlieren, verderben', 32. nhd. kehren 'wenden', 33. mhd. kerren, ae. cierran 'kehren, wenden', 34. aisl. nisl. kldm 'schmutzrede', 35. ahd. leita, leitl 'funus, exsequiae', 36. nhd. verletzen, 37. ahd. meisa 'meise'usw., 38. ndl. mikken 'klingeln', 39. nhd. zart.

126. A. Schwaederle, Vorgermanische fluß- und bach- namen im Elsaß, eine sprach- und kulturgeschichtliche Studie. iStraßburg, Straßburger druckerei und verlagsanstalt. 164 s. 3 m. angez. von (Bre)nn(6r), Zbl. 1912,1002; F. Mentz, Zs. f. d. gesch. des Oberrheins 1912,526. der vf. nennt, was er nicht erklären kann, ligurisch. wissenschaftlich nicht zu verwenden.

127. Rudolf Grutmann, Finnisch-ugrisch, baskisch, roma- nisch, lat. calceus, calcius. Revue de ling. 45,256 262. des vfs antwort auf Schuchardts aufsatz in der ZfvglSpr. 44,366 ff. (vgl. Jsb. 1911, 3A, 165). außer dem sonderbaren versuch, die ent- sprechungen zu calceus im Baskischen und Finnischen als die grundlage für die lateinischen Wörter und diese als entlehnt dar- zustellen, gibt er noch die beispiele finn. kopero 'schrank', span. copera 'schenke, schrank', bask. kopor 'schale', nhd. latte, laden^ läpp, lata 'brett', bask. lata 'brett', rom. lata 'brett'. auch diese beispiele beweisen nichts.

128. Carl Wessely, Biene und honig. Wiener Studien 34, 155 159. stellt eine anzahl der engen berührungen zwischen finnisch-ugrischen und idg. sprachen auf dem gebiet der flexion

60 III- -A-llg. Sprachwissenschaft u. allg. vergl. literaturgeschichte.

zusammen und fragt im anschluß daran, ob sich vielleicht in dem nebeneinander von futO'V und fxtXiT-, ahd. meto und got. milip und ebenso in dem von lit. sidabra gegenüber asl. sirübro, ahd. silubar das Setäläsche Stufenwechselgesetz der finnisch-ugrischen sprachen abspiegele, nach dem im Finnischen einem t der hochstufe ein r', r. dhj l oder ausfall der tiefstufe entspricht.

129. Z. Gombocz, Komlö es kender. Nyelvtudomäny 3, 272 276 (hopfen und hanf). der vf. will beide Wörter, lat. hiimulus, sl. ckmelt und deutsch hanf aus dem Türkischen, nicht aus dem JFinnisch-ugrischen herleiten. vgl. O(stojic), Rocznik slawisticzny 5,253.

V

131. A. A. Sachmatov, K voprosu o finsko-kel'tskich i finsko-slavjanskich otnosenijach. I. II. Isvestija imp. akademii nauk. VI, bd. 5,107—124, 791—812. nach der ausführ- lichen besprechung von J. v. Rozwadowski im Roczn. Slaw. 5, 266 270 bespricht S. die ursprüngliche Siedlungsgeschichte der Balten und Slawen und weicht in seinen aufstellungen stark von Zeus, Müllenhoff und Safarik ab. der zweite artikel gibt eine Übersicht über die verschiedenen arten von lehnwörtern im Finni- schen, die germanischen darunter auf s. 799 801. vgl. nr. 130.

130. AI. Schachmatov, Zu den ältesten slawisch-keltischen beziehungen. Archiv f. slaw. phil. 33,51 99. ausführlich bespr. von Jan von Rozwadowski, Rocznik slaw. 5,270 272, vgl, auch Keußler, Deutsche erde 10,182 f. die ansieht, daß sich zwischen Germanen und Slawen in der Weichselgegend ein kelti- tischer stamm, die Venedi, Wenden, eingeschoben habe, wird schwerlich glauben finden, berührungen von Kelten und Slawen in Böhmen und in den Karpathenländern waren längst bekannt. vgl. nr. 131.

132. E. Setälä, Eine arische bezeichnung des meeres in der finnischen volkspoesie. Festschrift Vilhelm Thomsen 188 191. weist ein verdunkeltes finnisches wort sarajas 'rneer, eismeer' nach, das aus aind. Jrayas 'ansturm, ström', aw. zrayah-, ap. Jrayah 'ausgedehnte Wasserfläche, see, meer' entlehnt sein muß und den beweis erbringt, daß die Finnen schon vor ihrer ankunft in den Ostseeländern durch die Arier das meer wenigstens von hörensagen kennen gelernt haben. das nur in den ostseefinnischen sprachen vorkommende wort meri *mer' stellt S. zweifelnd zu lit. marefsj unter Verweisung auf V. Thomsen, Beröringer mellem de finska og baltiska sprog s. 198, vgl. s. 150.

133. Besprechungen zu 3 : M. van Blankenstein, Lange vokale der e-reihe (Jsb. 1911,3A,98): N. van Wijk, Museum 19,121—125; H. Hirt, Idg. anz. 30,2—8. -f K. Brugmann,

III. A. Allgemeine Sprachwissenschaft. 4. Idg. altertumskunde. 61

Abrege (Jsb. 1906, 2A, 104): Maurice Grammont, Rev. des langues rom. 1912,385—387. -f- Brugmann-Delbrück, Grundriß 11,2,2 (Jsb. 1911, 3A, 97): Holger Pedersen, Berl. ph. wschr. 788 f. -|- yophus Bugge, Etrusker und Idg. (Jsb. 1911,3A,119): A. Bäck- ström, Cbl. 61,66 f.; A. Walde, Wschr. 1911,1049—1054. + 0. Ehrlich, Zur idg. Sprachgeschichte (Jsb. 1910,3A,124): R. Meister, ZföG. 1912,222 224. -f- Ernst Havers, Kasus- svntax (Jsb. 1911,3A,103): A. Meillet, Rev. crit. 1912,1,363 f.; J. Vendryes, BSL. 60,34— 37; H. Winkler, Cbl. 63,899— 901 : A. Debrunner, DLz. 1912,287—291; Reinh. Wagner, Wschr. 29,1273—1279. + G. Hempl, Etrusc. inscriptions (Jsb. 1911, 3A,94): E. Vetter, ZföG. 1912,1074 f. -f H. Jacobsohn, Stamm- bildung (Jsb. 1911,3A,104): A. Meillet, BSL. 60,22 f. + A. Meil- let, Dialectes (Jsb. 1909,3A,153): C. D. Bück, Class. philol. 4, 450; Maurice Grammont, Revue des lang. rom. 1912,106 f. -[" W. Meyer-Lübke, Rom. etym. Wörterbuch (Jsb. 1911,3A,176): Maurice Grammont, Rev. des lang. rom. 1912,108 110; 0. F. Ti'allgren), Nphmitt. 1912,213— 217; A. Thomas, Romania 1912, 448—459; D. Behrens, ZfrzSpruLit. 39,81— 86; J. Jud, Archiv 127,423 ff.; 0. Salvioni, DLz. 1912,5 13; S. Feist, Cbl. 1912, 167; A, Dauzat, Rev. de phil. et de litt. 26,71 76; K. Sney- ders de Vogel, Museum 19,293. Entgegnung von Meyer- Lübke, Archiv 129,228 ff., Erwiderung von J. Jud, ebenda 232 ff.; vgl. auch H. Schuchardt, ZfromPhil. 35,383 f. über das zitieren, -j- W. Meyer-Lübke, Einführung in die rem. Sprach- wissenschaft (Jsb. 1911,3A,119): E. Herzog, Litbl. 1911,113—117. -f H. Möller, Vgl. idg.-sem. wörterb. (Jsb. 1911,3A,96): A. Meil- let, Rev. crit. 1912,1,367 f. ganz ablehnend, Theod. Kluge, Cbl. 63,391 394. -}- V. Porzezinski, Einleitung in die Sprachwissen- schaft (Jsb. 1911,3A,90): Carl Wessely, Allg. Litbl. 21,305: Holger Pedersen, NTfFil. 20,175 f.; A. Gregoire, Bull, du musee beige 16,304; R. W. Husband, Class. phil. 7,390. + Tore Tor- biörnsson, Sprachwissenschaft und bildung (Jsb. 1906,2A,129): A. Walde, Wschr. 1911,1393—1396. -f G. Werle, Personen- namen (Jsb. 1911,3A,161, 194a): J.Frank, Zs. f. gesch. u. kunst 29,499 f. 4- F. Wrede, Dialektgeogr., diminutive (Jsb. 1911, 3A, 194a): K Schwarz, Zs. f. gesch. u. kunst 29,399—905.

4. Idg. altertumskunde.

134. A. A. Pogodin. Iz novfejsej literatury o kulture i rodin^ indojevropejcev. 2urnal min. narodn. prosvec. 1911(36), 68 69 (aus der neusten literatur über die kultur und die heimat der Indogermanen). berichtet über Brunnhofer, Arische

62 III- AUg. sprach Avissenschaft u, allg. vergl. literaturgeschichte.

Urzeit, 0. Schrader, Sprachvergleichung und Urgeschichte, S. Feist, Europa im lichte der Vorgeschichte und kleinere aufsätze.

135. Jan v. Rozwadowski, *Praojcz3'^zna indo-europejska'. (0 dawniejszych siedzibach szczepu indo-europejskiego.) Eos 17, 169 192. [Die indogermanische Urheimat. über die ältesten sitze des indogermanischen Stammes.] berichtet über die ver- schiedenen lösungen der frage.

136. Theodor Bonner, Alte asiatische gedankenkreise. ver- gleichende und kritisierende betrachtungen vom sinologischen Standpunkt über älteste babylonische, indogermanische und chine- sische geistesbestrebuugen und geistesgebilde. für jeden gebildeten. B. -Steglitz (Leipzig, E. F. Steinacker). V,268 s. 6 m. ganz dilettantisch.

137. R. Baumgart, Die Urheimat der landwirtschaft aller indogermanischen Völker an der geschichte der kulturpflanzen und ackerbaugeräte in Mittel- und Nordeuropa nachgewiesen. mit 226 abbildungen und einer tafel. Heidelberg, Winter. 1911. VIII, 470 s. 4®. 30 m. die in den teilen, wo der vf. Sach- kenner ist, höchst wertvolle Veröffentlichung verlangt kritisch ge- schulte leser, da B. gelegentlich auch über fragen der idg. und etruskischen Verwandtschaft spricht und höchst bedenkliche an- sichteu äußert, zweifellos aber dienen seine Untersuchungen über die geschichte der pfluggeräte dazu, die ansieht von einer mittel- europäischen herkunft der Idg. zu stützen, hoffentlich finden seine Untersuchungen eifrige nachfolge und namentlich auch die wohlverdiente beachtung seitens der museen. bespr. von Ed. Hahn, DLz. 33,2674—2679, von demselben ZfEthnol. 1912, 684 f., von S. Feist, Cbl. 63,398—400.

138. Hans Meltzer, Urgriechen und Urgermanen in ihren gegenseitigen beziehungen. Verh. d. 51. versamml. d. philol. und schulm. in Posen 1911. s. 109—111; vgl. Idg. anz. 29,64. abgedruckt NJ. 29,385—405.

139. F. Knauer, Der russische nationalname und die idg. Urheimat. Idg. forsch. 31,67 88. K. identifiziert, wie schon öfter geschehen, aind. Rasa, alp. Raha mit Pä, dem namen der Wolga, und stellt dazu eine bildung idg. *ronsä, die dem russ. Rusa, Rusi zugrunde liegen und woraus der ngr. name der Wolga Paig stammen soll, soweit kann man dem vf. folgen; wenn er aber aw. Ranha, den namen des Jaxartes (?), mit diesem *ronsä zusammenstellt, so ist das ein offenbarer fehler; wie ferner aind. rasa sich zu *ronsä verhält, wird gar nicht berührt; daß die Russen in den arabischen berichten keine Slaven, sondern offenbar Normannen

III. A. Allg. Sprachwissenschaft. 5. Urgermanisch u. gemeingerm. 63

sind, wird auch übergangen, und so bleibt die hypothese ohne rechten boden.

140. 0. Schrader, Die anschauungen V. Hehns von der herkunft unserer kulturpflanzen und haustiere im lichte neuerer forschung. Verhandl. d. 51. vers. d. philol. u. schulm. in Posen 1911, s. 107; vgl. Idg. ana. 26,62; als buch erschienen, Berlin, Bornträger, 47 s, mit einem titelbild. bespr. von Hans Meltzer, NJ. 29,723—725; von Frz. Härder, Wschr. 29,565 f.; von E. Hahn, DLz. 1912,1976—1978; von 8. Feist, Frkf. ztg. litbl. 22. sept. 1912. S. weist darauf hin, daß fast alle von Hehn behandelten fragen von der heutigen Wissenschaft anders beant- wortet werden, als Hehn tat, erkennt aber das große verdienst Hehns um die sprach- und Sachforschung an.

141. E. von Scepkin, Archiv f. slaw. phil. 33,505—509. Leuschan, Berl. ph. wschr. 1912; Hans Meltzer, Korrbl. f. d. höh. schul. Württ. 19,163 f.; L. Wilser, Pol. anthrop. revue X,327 f.; Stube, Cbl. f. anthrop. 1912,87.

5. Urgermanisch und gemeingermanisch.

142. Hermann Paul, Grundriß der germanischen philologie. 3. verb. und verm. aufläge. Straßburg, Trübner. I, Frdr. Kluge, Die elemente des Gotischen, eine erste einführung in die deutsche Sprachwissenschaft. VIII,133 s. 1911. 2,25 m.

143. M. Schönfeld, Der altgermanische lautstand zu anfang unserer Zeitrechnung. GRMon. 4,251 259.

144. Frdr. Kluge, Wortforschung und wortgeschichte. auf- sätze zum deutschen Sprachschatz. Leipzig, Quelle & Meyer. Vn,183 s. 3,50 m. abdruck einer anzahl älterer aufsätze, hauptsächlich aus der ZfdWortf., nebst einigen neuen beitragen: anheimeln s. 76 82, kater und katzenjammer s. 100 102, saure gurkenzeit s. 115 f., burschikos s. 128 133. die älteren aufsätze sind überarbeitet und ergänzt. sehr erwünscht wird vielen der abdruck der letzten abhandlung 'Unser ältestes Christentum' sein (s. 134—183). vgl. A. Meillet, BSL. 60,89—91.

145. Frdr. Kluge, Vorgermanische rekonstruktionen und grundformen. Beitr. 37,470 480. untersucht die Zuverlässig- keit der erschlossenen vorgerm. und idg. formen.

146. E. Prokosch, Forchhammers akzenttheorie und die germanische lautverschiebung. JEGPhil. 11,1 9. Jespersen hatte im Lehrbuch der phonetik s. 115 auf die theorie von Forch- hammer, Tidskrift för döfstumskolan 1896 aufmerksam gemacht, derzufolge die Verstärkung der stimme beim dynamischen akzent nicht durch stärkereu druck der brustmuskeln auf die lunge.

ti4 III- -^l^lg- Sprachwissenschaft u. allg. vergl. literaturgeschichte.

sondern durch Verengerung der Stimmritze hervorgebracht wird, da nun der Übergang der stimmlosen in stimmhafte laute sowie der umgekehrte ebenfalls zum teil von der Öffnung der stimm- ri^-ze abhängig ist, so sucht der vf. diese theorie auch für die er- klärung der Vorgänge des Vernerschen gesetzes sowie des Über- gangs von gw in w und für die germanische Verdoppelung von j und n' zu verwenden, die mit der allgemeinen anschauung, daß die Ursache der lautverschiebung die Verstärkung des atemdrucks sei, nicht ohne weiteres in einklang zu bringen waren.

147. L. A. Biro, Der germanische i-umlaut mit besonderer rücksicht auf den idg. wortakzent, als auf einen grund der regressivität jenes umlauts. s.-a. aus dem Jahrbuch der hoch- schule Panuonhalma. Budapest 1911. 109 s. selbstanz. Idg. forsch. 29,46 50. nach den ausführlichen angaben des vf.s ist der idg. akzent ein, aber nicht der einzige grund der regressivität des germ. i-umlauts. um dies wahrscheinlich zu machen, wird aber den tatsacheu offenbar vielfach gewalt angetan, so wird die flexion der thematischen verba *bheudö, bhudesi konstruiert, die j'a- stämme, die femina auf -Jö und -Je sollen durchgängig suffix- betonung gehabt haben, dazu kommt noch das bedenken, daß der eintritt des umlauts von dem aufhören der idg. betonung durch einen sehr beträchtlichen Zeitraum getrennt ist, so daß sich der idg. akzent durch Jahrhunderte gewissermaßen latent erhalten haben müßte.

148. G. Neckel, Zu den germanischen negationen. ZfvglSpr. 45,1 23. behandelt 1. Die gemeingerm. partikeln got. ni und nih. N. weist nach, daß an. ne (ne) in der bedeutung 'nicht' dem got. ni, in der bedeutung 'neque' dem got. nih gleich ist; er folgert, daß der Schwund der vortonsilben nur in der pause statt- fand, daß also im satzinneren ne dem got. ni entspreche, am satz- anfang steht ne' emphatisch wie got. 7iih, was Delbrück nicht an- erkennen wollte; im falle der korresponsion zweier glieder scheint im Gemeingerm, der typus mit einfachem ne (ae. sud ne nord) üblich gewesen zu sein. 2. Altnord. eigi. N. zeigt, daß eigi in den Eddaliedern regelmäßig den iktus trägt, ursprünglich 'nie, nimmer' hieß und erst allmählich verblaßte.

149. Otto von Friesen, Substantiv afledda med suffixet -Ja i germanska spräk, en förberedande undersöking. Xenia Lide- niana 235 252. unter den kurzen i- und den _;a-stämmen be- finden sich ein paar alte /«-stamme, vgl. got. drunjus 'gedröhn' und stubjus 'staub', läpp. uJJus, nord. ylr 'trübes und sehr heißes Wetter', läpp, rucus 'der scharfe grat am rücken magerer tiere' aus urnord. *hru^'u-. v, F. zählt nun die nordischen Wörter auf, die vermutlich noch hierher gehören. [Gebhardt.]

III. A. Allg. Sprachwissenschaft. 5. Urgermanisch u. gemeingerm. 65

150. Karl Michel, Die mit -i- abgeleiteten denominativen verba im Altgermanischen, diss. Gießen. 64 s.

151. E. Kück, Ein gotisch-westgermanisches Zahlenproblem, die bildung der zehner von 70 aufwärts, progr. Berlin-Friedenau. nr. 87. 8 s. 4^. der vf. erörtert von neuem die schwierige frage, wie sich der unterschied der benennung der zehner unter und über siebzig einerseits und die unterschiede zwischen dem Got., Ahd., As., Ags. anderseits erklären lassen, er glaubt das ganze problem lösen zu können, indem er in got. ahtauteliund te als die auch in unte 'bis' erhaltene präposition = ahd. zuo *zu' faßt und 'acht einheiten nach hundert zu' übersetzt, daß auch nachgesetzt werden kann, belegt er aus dem As. und Ags. und erklärt demnach die as. formen wie ardahtoda und die ags. wie Jmndeahtatig ebenso, unter annähme, daß -tig an stelle eines älteren -tö getreten sei. die form -ti der präposition sieht er in dem fua- tepti '120' der lex salica.

152. H. W. Pollak, Zur Stellung des attributes im Urger- manischen, (ein beitrag zur geschichte des suffigierten artikels im Altnordischen und der germanischen kasuskomposita.) Idg. forsch. 30,283 302. Derselbe, Nochmals zur ßtellung des attributes im Urgermanischen, ebda. 390 392. Delbrück hatte Beitr. 35,355 ff. den suffigierten artikel des Nordischen aus Ver- bindungen wie mapr enn gamle abgeleitet. P. zeigt, daß diese Ver- bindung, zumal in der prosa, selten ist und erklärt sie aus den gesetzen für die Stellung des attributs, die er genauer formuliert.

153. W. Dening, Zur lehre von den ruhe- und richtungs- konstruktionen. ein beitrag zur westgermanischen syntax. diss. Leipzig. 62 s. der vf. arbeitet auf demselben wege weiter, den auch schon Sievers und andre seiner schüler, Borrmann, Streitmann, Wießner eingeschlagen haben, er berichtet in der ein- leitung über die prinzipielle bedeutung der Untersuchung und untersucht sodann eine anzahl von verbalgruppen, um ihre Ver- bindungen mit raumbestimmungen der ruhe und der richtung fest- zustellen, die behandelten gruppen sind leider nicht immer klar geschieden, wie folgende Übersicht ergibt: 1. verba der geistigen tätigkeit, 2. der Sinneswahrnehmung, 3. des Sprechens, 4. der be- wegung, 5. stehen, sitzen, liegen, 6. empfangen, 7. leuchten und tönen, 8. verschiedene andre verba. gelegentlich wird einmal auf die Unterscheidung perfektiver aktionsart für die richtung und imperfektiver für die ruhe hingewiesen, allein nicht der Wichtig- keit der frage entsprechend. die Zusammenstellungen sind im übrigen brauchbar, und der vertretene gedanke, daß der bedeutungs- wandel nicht, wie man vielfach bisher annahm, in den präpositionen,

Jahresbericht für germauische philologie. XXXIV. 11912.) I. Teil. 5

6(j III. Allg. Sprachwissenschaft u. allg. verg], literaturgeschichte.

sondern in der verbalkonstruktion und damit in der verbalbedeutung zu suchen sei, ist gewiß richtig; allein der ausgangspunkt der Unter- suchung, daß die präposition ags. to, as. te, ahd. zl ursprünglich nur die richtung bezeichnet habe, bleibt doch hypothese, wie der vf. im Schluß ehrlich zugesteht, und die bedeutungsänderung dieser präposition, so daß sie auch die ruhe bezeichnen kann, hat sicher schon sehr früh begonnen.

154. Ferd. Knorr, Germanische namengebung. ein versuch der lösung des namenrätsels. Berlin, E. Frowein. IV, 156 s. 1 m. ganz dilettantisch. abgelehnt von JR,. Findeis, DLz. 1912, 2591; Archiv 128,441.

155. M. Schönfeld, Zur namendeutung. ZfdWortf. 13, 213 f. behandelt 1. Äscalc, wofür er Ascala, koseform vonAsca liest, und 2. Ochus wie er für O/wv liest und das er als '^xog Hauhs (Chauci) deutet.

156. Hans Neumann, Zur altnordischen namengebung, eine Studie zur vergleichenden namenkunde. GRM. 4,630 640.

157. A. Bongioanni, Nomi personali germanici nella forma- zione di cognomi in Friuli ed altrove (Saggio di un futuro lessico dei cognomi italiani). Udine, Giuseppe Vatri. 12 s. angez. von M. Schön feld, Idg. anz. 30,22 f.

158. Georg Stucke, Deutsche Wortsippen. ein blick in den Verwandtschaftszusammenhang des deutschen Wortschatzes. Ansbach, Seybold. IV,307 f. 4,80 m.

159. Erik Björkman, Tvänne germanska etymologier. Fest- skrift tillegnade K. F. Johansson. Göteborg 1910. 1 15. behandelt 1 . lat. Scaldingi und ae. wlcing, die von as. anfr. *scalda 'schiff, boot, fähre' und ae. *wic aus lat. vicus (lager, zufälliger aufenthaltsort) abgeleitet werden. 2. ne. sJioal 'seicht, seichte stelle' wird unter ablehnung der etymologie von Ekwall, Anglia beibl. 1909,209 ff. auf urgerm. *skalva- 'bloß, kahl', das zu lat. calvus gestellt wird, zurückgeführt; entsprechend soll slmllow 'seicht, seichte stelle' auf '^skalda- oder '-^skalpa- zurückgehen, nord. skalle 'kahlheit' enthält das suffix -no-.

160. Erik Brate, Disen. ZfdWortf. 13,143—152. vgl. Jsb. 1911,14,53; 18,37.

161. Th. Braune, Deutsche etymologien. Progr. des kgl. Luisengymnasiums in Berlin (nr. 74), 40 s. gruppiert eine anzahl von Wörtern nach onomatopoetischen gesichtspunkten und bespricht sie dilettantisch.

162. M. Breal, le latin Signum dans les langues germani- ques. Revue pol.-et lit. 1911, 16. dec. (2,771—773). weist plaudernd auf segen, Siegel hin und glaubt, daß zeichen durch Ver- mischung mit Signum zu seiner bedeutung gekommen sei.

III. A. AUg. Sprachwissenschaft. 5. Urgermanisch u. gemeingerm. 67

163. Nils Flensburg, Tht. mahhön, gr. aG'/.e(x}, en ety- mologisk-semasiologisk studio. Festskrift tili K. F. Söderwall. Lund, Glerup. 1912. s. 309 315. von Meringers deutung Idg. forsch. 17,146 ausgehend, der ahd. maJihön mit gr. /.idaaio^ ILidyeiQog verband, sucht der vf. weitere verwandte nachzuweisen, er vermutet Zusammenhang mit der gruppe von Cf/^rj, af.idcü, ahd. 7näen, wozu auch lat. amplus, ansa, ai. amatram gestellt wird; re- duziertes *mk- glaubt er in ao'/.6g, aoy.eo) zu finden.

164. J. Franck, Zur lautgeschichte des adjektivums gut. Tijdschrift 31,46 48. F. geht von de Vries ausführungen Tijdschr. 30,286 ff. (Jsb. 1911,11,20) aus und verweist auf seine frühere behandlung der frage AfdA. 13,220. er nimmt jetzt an, es habe eine Spaltung in eine hoch- und eine minderbetonte form stattgefunden und die beiden formen hätten mit ausgleichungen nebeneinander gebraucht werden können, er kommt dabei auf eine schon 1898, AfdA. 25,139 gegebene erklärung zurück. de Vries, Tijdschr. 31,316—320 bleibt bei seiner von F. be- kämpften auffassung.

165. F. Fuhse, Der Kräuel. WS. 3,80—84. vgl. Jsb. 191 1, 3 A, 128. zeigt an zahlreichen bildern die form des Werk- zeugs, das zum erfassen der fleischstücke in der kochenden brühe bestimmt war.

166. G. Grab er, Das wort dadsisas und seine bedeutung. ZföG. 1912,493 503. sucht für das unerklärte wort eine ent- sprechung in dem namen der Dadosesani bei Zeus, Die Deutschen und die nachbarstämme 601, Diedesisi, Dedosese ebenda 663, 645, und deutet den ersten teil in anlehnung an asl. dedij 'die ahnen', beim zweiten element schließt er sich der üblichen auffassung an und kommt so zu der Übersetzung 'ahnenzauberlieder'; vgl. 0. Schra- der, Die Indogermanen s. 134 ff.

167. Rudolf Gutmann, Nhd. hahn, kenne, huhn. Revue de ling. 45,90 94. glaubt verwandte im Finnisch-ugr. und Baski- schen zu finden, vgl. dazu nr. 127.

168. F. Holthausen, Etymologien. Idg. forsch. 30,47 49. behandelt unter 89. ae. sölian, ndd. saul^ 90. germ. -ginnan, lat. pre-hendo, 91. heide scheiden, 92. ae. ccegfe) nhd. keil, keim, 93. ae. pwearm nhd. schwärm, 94. ae. lal(a) laqueus, 95. ndd. knöken ae. cnocian, 96. ndd. kleggen ae. clTg.

169. F. Kluge, Mlat. tcarantia frz. garance. ZfdWortf. 14,160. weist als grundwort des ml. und frz. wertes ahd. rezza 'färberröte', ahd. Gl. 3,511', 517"*^ nach, das ivarantia glossiert, der Übergang von *wrafja in ivarantia macht die an- nähme einer sekundären nasalierung nötig, für die K. beispiele beibringt (ahd. pfalanza, fochenza, mhd. vischenze).

6*

68 ni. Allg. Sprachwissenschaft u. allg. vergl. literaturgeschichte.

170. Richard Loewe, Eine gruppe germanischer pflanzen- namen. GRMon. 4,504 510. behandelt eine anzahl germa- nischer pflanzennamen, die nach hirsch, hinde, rehbock, reh be- nannt werden; der grund der benennung wird bei den nach hirsch und bock benannten pflanzen im Vorhandensein von dornen gesucht.

171. Rud. Meringer, Beitrag zur geschichte der öfen. WS. 3,137 186, nachtrag dazu s. 208. s. 170 geht M. auf nhd. ftiese ein, das seit 1681 belegt, aus dem ndd. ins hd. einge- wandert ist und ursprünglich 'splitter, spahn' bedeutet; es gehört zu dän. flise 'spalten, blättern', schwed. fiisa 'schiefer, splitter'. die glasierten fliesen sind aber schon in alter zeit im orient be- kannt und wurden auch in Frankreich, England und in alten deut- schen bauten seit karolingischer zeit verwendet. wie sie aber hießen, ist unbekannt. s. 179 ff. wird das wort kachel behandelt. M. glaubt, daß es auf y.a/.Y.aßog zurückgeht, dies gehöre zu xaßog ' fx6TQ0v gltlxov yoLviv.aiov. ol öi OTtvqiöa Hes. und weiter zu hebr. qab 'ein hohlmaß für trockenes', romanisch wird caccahus durch suffixvertauschung zu caccalus, cacalus^ die gleichzeitige be- deutungsverschiebung wird erörtert, ahd. heißt cahhala 'testula, Scherbe', mhd. kachele 'irdenes gefäß, nachttopf', erst spät im mhd. kommt kacheloven auf.

172. R. Much, Orendel. WS. 4,169—173. stellt aur- in an. Aurvandill mit Kluge zu aind. usas^ lat. Aurora, vergleicht vandill 'ramulus' in der bedeutungsentwicklung mit longob. glsil, an. geisli, gisli 'stab', das auch 'strahl' heißen kann, und deutet 'lichtstrahl'. auch über den stamm der Vandalen wird gehandelt.

173. Herbert Petersson, Beiträge zur germanischen Wort- forschung. Beitr. 38,314 324. behandelt 1. ahd. besamo (zu xl'eliov, ^leXliov 'armband', ipiad^oq 'decke, matte'). 2. alts. fltt wird mit lett. plljüs, plites 'sich aufdrängen' gestellt und dabei ver- mutet, daß aind. vrayas 'erdrückende gewalt', ■yZfwä/i 'drückt zusammen' einem reimwort zu der idg. wurzel *pleiä- oder pläi- entstamme, ahd. kreg, mhd. kriec wird mit abg. sü-greza 'confusio' verbunden. 3. ags. palstr wird zu schwed. dial. pult 'ein abgehauenes stück holz' gestellt. 4. aisl. hrinda soll eine präsensbildung mit -nt- von *krei-: *kroi-: *kri- 'hauen, stoßen' sein. 5. ags. weorod 'schar, menge' könne mit aind. vräta- 'schar, häufe', ir. foirenn 'abteilung', lit. vorä 'lange reihe, zug', ags. worn 'menge', got. wripus 'herde' zusammenhängen. 6. ags. clümian und clipian werden auf eine Wurzel *gel- zurückgeführt, got. höpj'an wird an aisl. hvellr 'laut, tönend', ags. hwelan 'tosen' angeschlossen. 7. ags. wögian 'freien' wird zu aind. väghdt 'beter', lat. voveo, evxofxai gestellt. 8. nhd. Strauch wird auf argvxvog, tqvx^'^ bezogea.

III. A. Allg. Sprachwissenschaft. 5. ürgermanisch u. gemeiogerm. 69

174. Richard Riegler, Zur etymologie des wertes wiesei. WS. 4,219 220. verweist auf steirisch wies, wieserl und denkt an Zusammenhang mit lat. visio, vissium 'gestank', afrz. voison 'iltis' oder mit to?, lat. virus 'gift'.

175. Richard Riegler, Altengl. s^opa 'heuschrecke' =kurhess. stajfel id. WS. 4,220.

176. H. Schuchardt, Zürgelbaum. ZfromPhil. 35,385— 396.

vgl. Jsb. 1911,3A,171. die abhandlung ist auch für germa- nisten, denen meist kaum der name des baumes bekannt sein wird

die botanische benennung ist celtis , dadurch methodisch interessant, daß S. untersucht, wie die außerordentliche mannig- faltigkeit der romanischen benennnngen zu erklären sei, und sie aus der eigenart des Vorkommens und der Verbreitung des baumes ab- zuleiten sucht.

178. E. Sievers, Germanisch *l5a 'eis'. Beitr. 88,324—329.

widerlegt die ausführungen von P. Diels, ZfvglSpr. 45,88 ff.

179. Felix Solmsen, Zur geschichte des namens der quitte. Glotta 111,241 245. erwähnt die einmal begegnende Schreibung quidonomeli, in der qui-, wie auch sonst gelegentlich für griech. xr- steht und die die erklärung für die deutsche wortform quidden, quidinhoum, quiienboum gibt, auch die deutschen formen, die auf lat. cotanus, cottanus zurückgehen, chozzana, cozzan werden be- handelt, und für chutina, kutina, cutin, cuten, ciidina wird aus dem Edictum Diocletiani VI, 73 die entsprechende lateinische grundform mala qudenaea nachgewiesen.

180. Hans Sperber, Deutsch harfe und seine verwandten. WS. 3,68—77. vgl. Jsb. 1911,3A,172. vervollständigt den artikel von Meringer, Idg. forsch. 16,128 ff. in der gotlän- dischen harpa, einem harkenähnlichen instrument zum einscharren des Samens, sieht S. die urform der egge, nord. harv, und zeigt, wie daraus haken, klaue, frz. harpon, harpin wird, außerdem sucht er die bedeutung von harfa 'catasta, eculeus, puteal' zu verdeut- lichen, wobei ihm ein Dürerscher holzschnitt zu hilfe kommt, das erschlossene *hardj *harf 'baumstamm mit aststummeln' ver- gleicht er mit poln. karpa 'fichtenstamm mit wurzeln', 'baum- wurzeln, zugleich mit dem stamme abgehauen', woraus auf die bedeutung von carpevv geschlossen wird, die weiteren anknüpf ungen an corpus und x^ijTr/g sind unsicher.

181. Hans Sperber, Zur terminologie des germanischen Schiffsbaus. WS. 3,77—80. vgl. Jsb. 1911,2A.158. 1. deutsch heim 'griff des Steuerruders' zeigt an der abbildung eines wohl- erhaltenen Steuerruders aus dem Nydamer moor, daß heim 'griff am Steuerruder' von heim 'galea' nicht zu trennen ist. 2. deutsch

70 III- -A-llg- Sprachwissenschaft u. allg. vergl. literaturgeschichte.

naht, an. süd 'plankenfuge' zeigt an dem bootsbau der russischen läppen, daß die planken wirklich genäht werden.

182. Karl Bergmann, Die gegenseitigen beziehungen der deutschen, englischen und französischen spräche auf lexikalischem gebiete. = Neusprachliche abhandlungen hrsg. von Clem. Klöpper. heft 18. Dresden, C. A. Koch. XII,151 s. 4,40 m. ein nützliches buch, in dem, wiewohl fast nur abgeleitete quellen be- nutzt werden, eine große arbeit steckt und dessen lektüre be- sonders den lehrern des Deutschen warm empfohlen werden kann, der vf. gibt in einer kurzen einleitung eine Übersicht über die beziehungen, die zwischen den drei sprachen bestanden haben, und sucht dann das material einerseits, so gut es geht, zeitlich, anderseits dem stoff nach zu gruppieren, er berücksichtigt hybride bildungen, volksetymologische umdeutungen, nachbildungen fremder Wörter und Wendungen, sammelt selbst geflügelte werte aus fremden Schriftstellern und verfolgt die Veränderung der bedeutung ein- heimischer Wörter unter dem einfluß fremder, er ist sich wohl bewußt, daß auf manchen gebieten Vollständigkeit nicht erreicht werden kann; vor allem aber muß bei den bedeutungslehnwörtern die ausbeute, so reich sie schon ist, noch dürftig bleiben, weil hier nicht lexikalische, sondern literar-historische forschung die grund- lage bieten muß; in der Verfolgung der gegenseitigen beeinflussung der englischen, iVanzösischen und deutschen literatur des siebzehnten und achtzehnten Jahrhunderts aber stehen wir noch in den an- fangen, und das interesse hat sich bisher vielmehr dem inlialt und der kunstform als dem sprachlichen ausdruck zugewendet. an- erkennende besprechung von A. Wallensköld, Nphmitt. 1912, 222 f.

183. Ernst Gamillschegg, Die romanischen demente in der deutschen mundai-t von Lusern. Zs. f. rom. philol. Beiheft 43. VIII,53 s. 2,40 m. bespricht gründlich die lautlichen Ver- änderungen, sowie die änderungen in funktion und bedeutung und unterrichtet über die wichtigsten lehnwörtergruppen.

184. H. Schuchardt, E,om. katze = rausch. ZfromPhil. 35, 737. ^katze' und 'a/fe' für 'rausch' stammen aus dem Roma- nischen.

185. M. Schönfeld, Enige verwanten van 'mark'. Tijd- schrift 31,39 45. S. vergleicht, wie üblich, ndl. mark 'grenze' mit air. mruig 'gebiet', kymr. bro, altgall. brög-. brogi- und verfolgt namentlich die Schicksale von *brogilo-, das zuerst im jähre 800 in Karls des Großen kapitularien vorkommt, die grundformen *brogilo-, *broilo-., *brolio- der romanischen sprachen sind auf das Wgerm. übergegangen: ndl. Breugel, Bruegel, de Breul, Brul, und

III. A. Allg. Sprachwissenschaft. 5. Urgermanisch u. gemeingerm. 71

/eigen auch noch weiter französischen einfluß, ags. ht'oel, ahd. hroil, mhd. hrüel, nhd. hrühl werden nur berührt.

186. K. van der Meulen, Hollando-Russica XVI. Aan- vullingen op 'de Hollandsche zee-en scheepstermen in het Russisch'. Tijdschr. 30,137—160.

187. T. E. Karsten, Einige Zeugnisse zur altnordischen götterverehrung in Finnland. Finn.-ugr. forsch. 1912,307 316. erschließt aus finnischen lehnwörtern und Ortsnamen schwedischer herkunft die Verehrung zunächst von Thor und Freyr. eingestreut sind einige etymologien finnischer lehnwörter, u. a. begründet K. seine von Lid^n bezweifelte ansieht genauer, daß finn. j'uhla 'fest' nur aus dem Urnordischen erklärbar sei.

188. F. Kluge, Zu den finno-germanischen lehnbeziehungen. Finn.-ugr. forsch. 12,38 f. behandelt finn. haasia aus an. lies, finn. hahlo entsprechend ahd. hähla, finn. hanka zu an. hdr, finn. kangas zu an. kqngur-(väfa) ^ finn. ranka zu as. sträng, ae. strong, finn. rajja zu ahd. trehir, finn. runko zu got. hrugga, finn. forkko zu an. dorg.

189. Ev. Liden, Miszellen zur finnisch-ugrischen lehnwörter- kunde. Finn.-ugr. forsch. 1912,86 97. bespricht 1. finn. upia 'gut': germ. '^ii^ia, ahd. uppi usw. 2. finn. keikka 'recurvatus' : aisl. keikr, 3. finn. pino 'holzstoß': ae. flu. 4. finn. leüo 'sumpf, sumpfig' vielleicht: nisl. ledja 'lutum, caenum', ahd. letto 'lehm'. b. esin.hila 'ankerstein': got\. ilastain. 6. estn. loiht 'fink': schwed. tvint. 7. finn. rääse 'fischabfälle' : schwed. ras. 8. finn. tulkka 'keil': schwed. tolk. 9. mordw. tarvas 'sichel': pamirdial. derv.

10. tscher. penla 'schlämm' vielleicht: ai. panka-s 'schlämm'.

11. finn. sara 'riedgras' nicht zu got. sahs, ahd. saJiar, wie Kluge, Finn.-ugr. forsch. 11,139 annahm, sondern vielleicht zu ai. gard 'röhr'.

190. J. J. Mikkola, Über einige altgermanische lehnworte im Finnischen. Thomsen-festschrift s. 174 f. stellt finn. nauta 'rindvieh' zu an. naut, ahd. nöz, wobei die Schwierigkeiten der lautlichen entsprechung erörtert w^erden, wot. lautta 'viehstall' zu iiorw. Imd 'Vertiefung, kleines tal, Viehweide', finn. rata 'semita, praecipue brutorum' zu an. trqd 'viehhürde', eig. 'betretener platz', i'inn. kuja 'eingezäunter weg' zu an. kvi 'viehhürde'. wie Setälä l'inn. pihatto 'viehstall' als Zusammensetzung von ^fihu -\- finn. altta 'bude, Speicher' deutet, so sei auch navetia 'viehstall' aus finn. naiita + aitta gebildet, auch für aitta wird idg. Ursprung angedeutet.

191. Ralf Saxen, Etymologische beitrage. Finnisch-ugr. forsch. 12,107 114. 1. finn. Hiisi 'waldgeist' vielleicht zu isl. heidr; 2. finn. maima, inaiva 'kleiner fisch, köder' vielleicht

i 2 in.AlIg. Sprachwissenschaft u. allg. vergl. literaturgeschichte.

zu isl. miör 'schlank'; 3. finn. upia 'vortrefflich zu nschw. yppig (vgl. oben nr. 189); finn. kima 'scharf, grell', kaimo 'schwache dämmerung', kiimaista 'schnell blinken' zu der germ. gruppe isl. skiyn, mhd. scheim, as. skimo 'glänz'. S. sucht durch analogie mit andern Wörtern, die 'glänzen' bedeuten, wahrscheinlich zu machen, daß kiima 'balz, brunst' mit dieser gruppe zusammenhängt und stellt fragend finn. kiüa 'brunst' zu isl. gljd 'glänzen', as. glitan, isl. glita gehört vielleicht zu finn. kiiltää 'blinken'; norw. dial. /tfwi, hlma 'haut, dünne decke', das zu skim gehören und eigentlich 'durchscheinendes' heißen soll, wird mit finn. himiä 'dunkel, halb durchscheinend' zusammengestellt.

192. E, N. Setälä, Aus dem gebiet der lehnbeziehungeu. Finnisch-ugr. forsch. 12,161 289. der vf. beginnt die umfang- reiche und nach methode und ergebnissen höchst bedeutsame Studie mit der bemerkung, daß die Scheidung von urverwandtem und entlehntem nicht immer möglich, jede Sprachaneignung aber entlehnung, daher Urverwandtschaft und entlehnung nur stufen desselben Vorgangs seien, die beziehungen der Finnen zu den Idg. seien sehr alt; es gebe sichere entlehnungen aus der idg. Ur- sprache, aber auch, wie Thomsen in seiner erstlingsarbeit dar- gelegt habe, urverwandte Wörter, wie finn.-ugr. vet-, vete- 'wasser', 7iim-, nime- 'name'. I. 'einige Zahlwörter' zeigt, daß in den zahlen für acht und neun das idg. *dekm stecke; die ugrischen sprachen haben auch ein idg. *sept- entlehnt. IL 'mythologische Wörter'. Koljo, eine unterirdische gottheit, wird mit got. halj'a 'hölle' zu- sammengestellt, muß aber wohl aus dem Idg. selbst entlehnt sein. Rauni, die gattin des donnergottes, erweist sich als finnische ent- lehnung aus an. reynir ' Vogelbeere'; diese gilt in der nordischen mythologie als 'die hilfe Thors', die entlehnung ist älter als der i-umlaut. läpp. Madderakka ist genaue Übersetzung von schwed. jordgamma 'erdmutter', bezeichnet aber im Schwedischen nur noch die hebamme, im Lappischen eine göttin, die geburtshilfe leistet, unter 'Louhi und ihre verwandten' werden höchst wertvolle auf- schlüsse über den Baidermythus gegeben, die aus den wörtlichen Übersetzungen der nordischen namen in der finnischen märchen- dichtung abgeleitet werden. III. 'Arica' stellt einige entlehnungen aus arischen sprachen zusammen. IV. 'Finno-germanica' behandelt finn. marsio, schwed. märsa 'fischsack', wobei ein germ. *tnarsiö*' erschlossen wird, das auch in mnd. merse 'mastkorb' erhalten ist. finn. kalpei, kalve 'iuvencus' setzt den germ. s-stamm *kalbiz-, vgl. ae. cüfor-lanib, voraus. est. kZhlas wird auf got. '^skÖbla zurückgeführt und soll erweisen, daß das Gotische einen a-umlaut von u besaß, den es in historischer zeit verloren hat. finn. rutja, rutj'o ist entlehnt aus germ. *brutjan-, vgl. schwed. hnjti

III. A. Allg. Sprachwissenschaft. 5. Urgermanischu. gemeingenn. 73

'Verwalter'. finn. jmrilas, parilas setzen germanische Wörter *burilaz, *harilaz voraus, vgl. ahd. hiril korb, ital. barella 'trage', barile 'faß', span. parrilla 'weitbauchiger krug, bratrost'. finn. vakalinen 'zart' gehört zu germ. *svakaz 'schwach'. finn. kavala 'schlau' verbindet S. mit awn. skdld 'dichter', das nach Magnus Olsen aus *skawalda-, skawadla- entstanden ist und zu ahd. scouwön gehört. aschwed. kiilfiski, anorw. kulle fiskoi stellt S. zweifelnd mit finn. kullekalastus 'das fischen mit einem beutellosen netz' zu- sammen.

193. H. Suolahti, Zu den finnisch-germanischen beziehungen. Finnisch-ugr. forsch. 1912,103 106. stellt finn. nasta zu deutsch nestel, finn. ruko 'heuschober' zu an. hroki 'gehäuftes maß', dän. raage 'kleiner häufen', beide entlehnungen weisen auf ur- germanische zeit zurück.

194. K. L. Wiklund, Einige urnordische lehnwörter im Lappischen. Finnisch-ugr. forsch. 12,30 37. behandelt 1. läpp. stag^O'^haggo 'bratpfanne': ahd. steinna 'steinkrug'; läpp, starra-^ darra 'breitblätteriger tang': an. pari 'tang'. 2. läpp, mielle 'steiles sandufer': an. melr 'sandbank'. aus urn. *melhaz; läpp, fieilo 'brett', an, fjql 'brett; 3. läpp, skidne, skidde 'feil, leder': nord. skinn 'haut, feil'; läpp, sidne 'sinn', sidde 'zorn': an. sin, sinni, got. sinps 'gang'; 4. läpp, rigges, rinkes 'reich': an. rikr; W. knüpft jedesmal bemerkungen über die sich ergebenden altertümlichen lautge- setze an.

195. Besprechungen zu 5: Anton Burger, Franz. Wörter germ. Ursprungs (Jsb. 1911,3A,182): ZfrenglU. 10,5. -fH. Collitz, Schwaches präteritum (Jsb. 1911,3A,145): A. Meillet, BSL. 60, 83—86; F. Piquet, Eev. germ. 8,591 f. + B. Delbrück, Ger- manische Syntax (Jsb. 1911,3A,194a): Cbl. 63,1322 f.; V. E. Mou- rek, CMF. 1,60; A. Gebhardt, DLz. 1912,1703— 1707. -f- Max Leopold, Vorsilbe ver- (Jsb. 1907, 5A,8): Gustav Dessau, Litbl. 1912,99 101. -{-Richard Loewe, Germ. Sprachwissenschaft- (Jsb. 1911,3A,131): Schauffler, Korrbl. f. d. höh. schul. Württ. 19, 212; 0. Hujer, CMF. 1,445—447; 0. Weise, ZfdU. 26,338 f.; kurz erwähnt Museum 1911, nr. 11/12. -|- St. Wladenow, Altgerm, elemente (Jsb. 1911,3A,192): A. J. Sobolewski, Archiv f. slaw. phil. 33,473 482; Derselbe, Zurnal min. narod. prosvesc. 1911, (33), 157 166.-}-M. Schönfeld, Wörterbuch der agerm. personen- namen (Jsb. 1911,3A,159): R. Gauthiot, BSL. 60,86 f.; J. Kern, Museum 1911,91; A. Gebhardt, DLz. 1912,806—808. -\- Heinr. Schröder, Streckformen (Jsb. 1908,2A,246): Steffen, DnSpr. 20, 187 f.-j-Reinh. Wagner, Syntax des Superlativs (Jsb. 1910,3A,193): E. A. Kock, Arkiv 28,347 349. vgl. dazu auch F. Sommer, Beitr. 37,481 ff. F. Hartmann.

74 III- -Ä-llg. Sprachwissenschaft u. allg. vergl. literaturgeschichte.

B. Allgemeine und yergleichende literaturgeschichte.

196. R. G. Moulton, World literature and its place in general culture. New York, Macmillan. 1911. nach F. Bai den - sperger, Rev. germ. 8,557 558 eine sehr einseitig anglo-amerika- nische betrachtung.

197. 0. Sylvan och J. Bing, Europas literatur. historia frän medeltiden til vära dagar. 2 bde. Stockholm, Bonnier. 565, 553 s. geb. 22,50 kr. nach der anzeige von R. M. Meyer, DLz. 33,2019. geschickt, wenn auchnichtim einzelnen einwandfrei.

198. Columbia university lectures: lectures on literature. New York, Columbia University Press. 1911. 404 s. enthält nach der anzeige von F. Baldensperger, Rev. germ. 8,556 dia Verhandlungen der 'conferences sur la litterature', die 1909/10 von den professoren der Columbia-universität veranstaltet waren, im wesentlichen aufsätze literatur vergleichend er art, z. b. Trent, Überblick über die Weltliteratur; Spingarn, Literarische kritik; Benedetto Crace, Der ausdruck als gegenständ der kunst.

199. R. F. Arnold, Fremde literaturgeschichten. ein biblio- graphischer versuch. ZfdU. 26,449 458.

200. Fr. V. Schlegel, Geschichte der alten und neuen lite- ratur. Vorlesungen, gehalten in Wien 1812. 2. verb. aufl. 3. abdr. hrsg. von Marie Speyer, mit einem schlußkapitel v. W. Kos eh. 2 teile. Regensburg, Habbel. 1911. XX,268 und 324 s. 4 m. als einzige geschichte der Weltliteratur, die diesen namen ver- dient, gewürdigt, v. Frz. Schnürer, Allg. Litbl. 21,307. Kosch führt S. 277 311 die grundzüge der literaturgeschichte des 19.jhs., 'im sinne und in der auffassung Scklegels' weiter, vgl. LE, 14, 758—761.

201. Br. Busse, Das drama. I. Von der antike zum fran- zösischen klassizismus. II. Von Versailles bis Weimar. Leipzig, Teubner. 1910/11. (Aus Natur u. geistesweit 287— 288.) 136 u. 154 SS. ä 1,25 m. gedrängter abriß der geschichte des dramas der kulturnationen. trotz einer anzahl von berichtigungen und auch formalen ausstellungen durchaus anerkennend besprochen V. J. Öerny, ZföG. 63,752—756. bd. 2 v. K. Matthaei, NSpr. 20,499—501.

202. F. Baumgartner, Untersuchungen und urteile zu den literaturen verschiedener Völker, gesammelte aufsätze. 1. 4. aufl. (erg.-bd. zur Gesch. d. weltlit. 1 6.) Freiburg, Herder. 1912. XII, 950 s. mit dem bildnis des vfs. 12 m. nach der anzeige DLz. 33,2019 2020 von R. M. Meyer ebenso einseitig wie die 'Geschichte der Weltliteratur', aber auch, wie diese, gewandt dar- gestellt.

m, B. Allgemeine und vergleichende literaturgeschichte. 75

203. K. Holtermann, Kurze geschickte der Weltliteratur- Freiburg, Herder. XVI, 47 9 s. 6,20 m. trotz der kürze nach Inhalt und form empfohlen Allg. Litbl. 21,721 von F. Schnürer.

204. Fr. Tyroller, Die fabel von dem mann und dem vogel in ihrer Verbreitung in der Weltliteratur. [Literarhisto- rische forschungen heft 51.] Berlin, Felber. XII,328 s. 10 m.

205. W. H, Hudson, An introduction to the study of lite- rature. London, Harrap. 1913. 2. aufl. das buch ist hervor- gegangen aus Vorlesungen an Volkshochschulen und zerfällt in folgende kapitel: L IL Some ways of studying literature. III. The study of poetry. IV. The study of prose fiction. V. The study of the drama. VI. The study of criticism and the valuation of lite- rature. 4 appendices behandeln kurz: On personality in literature; on the treatment of nature in poetr}'; the study of the essay; the study of the short story. wie der erfolg beweist, sind die dar- legungen des vf.s wohl geeignet, ein größeres publikum für die beschäftigung mit literaturfragen zu gewinnen. bespr. von H. Atkins, MLR. 7,396—397.

206. P.Lehmann, Literaturgeschichte im mittelalter. G-RMon. 4,569—582. 617 630. Vortrag (in der Thilologischen gesellschatt' in München gehalten) über die vorhandenen literaturgeschichtlichen Verzeichnisse im ma. von Hieronymus bis zum ausgang des ma's, auch in Frankreich, Italien, England, als letztes verzeichnet vf. eine von ihm im Erfurter Domarchiv entdeckte ausführliche chrono- logische Übersicht über die Schriftsteller der antike und des Christentums von dem bibliothekar der Kartause zu Erfurt vom jähre 1495.

207. E. Bovet, Lyrisme, epopee, drame. une loi de l'histoire litteraire expliquee par l'evolution generale. Paris, Colin. 1911. IX,312 s. 3,50 fr. nach der anzeige Cbl. 63,1130 von N. S. ein versuch, das auftreten der drei dichtungsgattungen in den ein- zelnen nationen und geschichtsepochen in parallele zu stellen zum allgemeinen entwicklungsgange : Jugend, mannesalter, alter; dies soll zunächst an der französischen (kap. II), dann an der italienischen literatur gezeigt werden: von interesse, doch zu sehr theoretisierend und willkürlich, mit den tatsachen nicht vereinbar, in gleichem sinne, doch ausführlicher und genauer den Inhalt skizzierend von W. V. V^urzbach, ZföG. 63,759—765.

208. Rezensionen früher besprochener werke: 0. Hauser, Weltgeschichte d. lit. 2. band. 1910,3B,229: Allg. Litbl. 20, 716 717 von F. Schnürer.

Gotthold Boetticher.

76 IV. Gotisch.

IV. Gotisch.

1. E. A. Kock, Die Skeireins. text nebst Übersetzung und anmerkungen. Lund, Glerups Universitätsbuchhandlung, o. j. 35 s. da vf. mit den vorhandenen textabdrücken und kommentaren nicht zufrieden ist, so bringt er in vorliegender schrift seine eignen ansichten zum ausdruck. so z. b. wenn er gegen Schluß des absatzes I bei den Worten pizös d*i guda garaihteins Jellineks und Streitbergs 'erkünstelte' deutung (gareihteins als adjektivabstrakt statt verbal- abstrakt) ablehnt und übersetzt: in der Gerechtigkeit vor Gott, im großen ganzen aber sind die bisherigen textbesserungen und erklärungen gebilligt, wie ich durch Stichproben feststellte.

2. W. Braune, Gotische grammatik. mit lesestücken und Wortverzeichnis. 3. aufl. Halle a. S. Max Niemeyer, 1912. die neue aufl. ist durch nachbesserungen und nachtrage auf dem laufenden gehalten; sonstige Veränderungen sind gegenüber der 7, aufl. (vgl. Jsb. 1909,4,2) nicht vorgenommen worden.

3. Ad. Jülicher, Ein letztes wort zur geschichte der gotischen bibel. ZfdA. 53,369 381. vf. behandelt wiederum die frage nach der griech. vorläge des Wulfila und den Hieronymusbrief (vgl. Jsb. 1910,4,6) in einer polemik gegen Er. Kauffmann (ZfdPh. 43,118—132, Jsb. 1911,4,2). der got. bibeltext sei für die bibl. textkritik nur unerheblich, da wir seine direkten quellen kennen; er ist zwar keine interlinearversion, befleißigt sich aber der strengsten wörtlichkeit, soweit die spräche es zuläßt, das war um 350 noch selbstverständlich, erst Hieronymus hat mit diesem prinzip gebrochen.

4. E, A. Kock, Ein beitrag zur gotischen lautlehre. Idg. forsch. 30,244 251. vf. behandelt die entwicklung des got. e zu l (== ei), die schon im Lukasev. hervortritt, bes. häufig vor pala- talem k (leikeis = lekeis). die tendenz tritt außerdem in die er- scheinung 1. in verhältnismäßig unbetonter silbe, 2. in fortissilben nach zwei anfangskonsonanten^^jgrreifan = gretan, qeins = qens usw.). außerdem werden noch die formen galeiweip und hirusjös besonders erklärt.

5. T. Diekhoff, The so-called prospective or anticipatory subjunctive in Gothic. JEGPhil. 11,173 179. vf. leugnet die von prof. Haie behauptete existenz eines antizipatorischen kon- junktivs im Gotischen nach den konjunktionen faurpizei, unte, und patei und glaubt eher, daß er einem vorangehenden comparativ seine existenz verdanke, vf. will den germ. konjunktiv in zwei kategorien einteilen, einen optativischen und einen potentialen.

IV. Gotisch. 77

6. A. Beer. Zur syntax der konjunktion mippanei. ÖMF. 2,136 138. nach mippanei können sowohl perfektive als auch imperfektive verba, je nach dem Satzzusammenhang, stehen,

7. A. Hruby, Zur Synonymik des Substantivs in den goti- schen evangelien. programm. Tri est 1912. 30 s.

8. E. Ktick, Ein gotisch-westgermanisches Zahlenproblem, die bildung der zehner von 70 aufwärts, progr. Berlin Friedenau. 1912. 7 s. (vgl. abs. 3,151).

9. M. Schönfeld, Zur namendeutung. ZfdWortf. 13,213— 214. behandelt 1. den bei Jordanes überlieferten westgot. namen Ascalc, der bei der schwankenden Überlieferung richtiger Ascala zu lesen ist. dies ist eine koseform zu einem mit asca = 'esche, eschenspeer' zusammengesetzten namen. 2. den bei Prokop über- lieferten Eruierkönig "Oyog (nicht ^'Oxiov) = got. hauhs (also eigent- lich wxog zu lesen; got. au = erul. ö) 'der stolze', vgl. den volks- namen Chauchi.

10. Sten Konow, Goths in Ancient India. Journal of the Royal Asiatic Society 1912,379 ff. altind. yavaym, t/öwa bedeutet 'Grieche' (vgl. hebr. Jävan aus griech. *Ia/ov-, s. auch Weber, Sitz.-Ber. d. Berl. ak. d. wiss. 1890,191 ff.), später ,Muselmann' (mleccha). das wort kommt in zwei inschriften aus den höhlen- tempeln von Junnar aus dem 2. jhdt. n. Chr. gleichbedeutend mit gata vor. sie lauten: 1. yavanasa Irilasa gatäna deyadhana he pödhiyö. 'geschenk von zwei zisternen durch den Javana Irila von den Gatas.' 2. yavanasa Citasa gatäna hhöjanamatapö deyadhana saghe ,geschenk eines refektoriums an die genossenschaft durch den Yavana Cita von den Gatas.' die tempel von Junnar spielten eine große rolle bei den westlichen Ksatrapas, deren scharen hier als yavana (d. h. abendländer, etwa wie heute i^'eng'i = Franken bei den Orientalen auftreten), ind. gata = lat. Gotus 'Gote' die krimgotische form für got. gut-piuda = lat. Chittones (vgl. hoga im krimgot. 'bogen' . die eigennamen Irila und Cita entsprechen deutschem Erlo oder runeninschr. UrilaR, EirilaR und ostgot. Tzitta (nach Th. v. Grien berger, letzteres nicht = got. Eilda = Heida der runeninschrift von Tjurkö in Schweden, wie vf. will, wobei er nach ind. lautgesetzen t aus germ. Id entstanden sein läßt), über die herkunft der beiden genannten Goten läßt sich natürlich nichts sicheres behaupten.

11. Sten Konow, Gotiske msend i det gamle Indien. Maal og Minne 1912,69 77 mit einer nachschrift M. Olsen, Junnar- gotisk Cita, s. 77 79. derselbe Inhalt wie in obigem aufsatz. Olsen will Cita aus germ. *Skeldwa , gen. *Skildivins ableiten (nach Th. von Grienbergers brieflicher mitteilung könnte für

-jc^ V. Deutsch in seiner gesamtentwicklung.

die deutung außer ostgot. Tzitta auch ae. Tidda in betracht kommen).

12. Schon in früheren Jahrgängen verzeichnet; 1. P. Glaue und R. Helm, Das gotisch-lateinische bibelfragment. vgl. Jsb. 1910,4,1. bespr. v. C. R. Gregory, DLz. 33,786. 2. Fr. Kluge, Die elemente des gotischen. vgl. Jsb, 1911,4,1. bespr. v. J. Vendryes, BSL. 60,87 89 und A. Meillet, Rev. germ. 8,844— 346 sowie Rev. crit. 73,363—364. 3.8. Feist, Etymologisches Wörterbuch der gotischen spräche. vgl. Jsb. 1909,4,2a. bespr. v. A, Walde, Litbl. 33,3 8.

Berichtigung zu Jsb. 1911,4,5. J. M. N. Kapteijn's ge- nannter aufsatz ist irrtümlicherweise als 'nachprüfung' der er- gebnisse der arbeit von H. Stolzenberg (ZfdPh. 37,145 ff.) be- zeichnet, die sich indes mit den evangelien befaßt, während K. die paulinischen briefe untersucht.

Sigmund Feist.

V. Deutsch in seiner gesamtentwicklung.

A. Grammatik. B. Metrik. C. Literaturgeschichte.

A. Grammatik.

1. 0. Weise, Unsere muttersprache, ihr werden und ihr wesen. 8. aufl. Leipzig, B. G. Teubner. 1912. 288 s. gegen die vorhergehende aufl. (vgl. Jsb. 1909,5,3) ist die vorliegende nur unerheblich verändert, die anmerkungen sind durchgesehen und die literaturnachweise vervollständigt worden, ein abschnitt über 'begriffslehnwörter' ist hinzugefügt, vf. versteht darunter 1. ersatzwörter, die nach fremdem muster neugeschaffen sind (umweit für milieu), 2. deutsche lehnwörter, die unter fremdem einfluß einen neuen sinn erhalten (kammer = Volksvertretung), 3. wortgetreue Übersetzungen fremder werte (Schöngeist = bei esprit); es ist nur der begriff, nicht der sprachliche ausdruck entlehnt.

2. Hans Gürtler, Zur geschichte der deutschen -er-plurale, besonders im frühnhd. beitr. 37,492—543 und 38,67—224. vf. sucht auf grund eines chronologisch geordneten und syste- matisch gesammelten materials das thema gründlicher als seine Vorgänger ihre arbeiten werden im eingang der arbeit aufge- zählt — zu behandeln, sein belegmaterial, das zum teil früheren behandlungen des gegenstands, zum teil eigner lektüre entstammt für die ahd. zeit sind auch die glossen excerpiert reicht

V. A. Grammatik. 79

bis zur mitte des 16. jhdts. und erstreckt sich auf über 200 Stich- wörter. — ausgegangen von den idg. neutralen es-stämmen (lat. genus, gen. generis aus *genes-is) hat sich die plurale er-flexion im laufe der zeit auch auf die masculina ausgedehnt, da sie ein be- quemes differenzierungsmittel für die numeri abgab, in den heu- tigen hd. maa. nimmt sie unter allen Substantivendungen den breitesten räum ein, auch auf ndd. maa. greift sie stark über, in der heutigen Schriftsprache dient der -er-plural vielfach als bedeutungsdifferenzierendes mittel neben dem älteren -e-plural fworte Wörter), der häufig kollektiven sinn annimmt, (hande händer j. die vorauszusetzende ahd. flexion der idg. es-stämme: chalhy chalhires, chalbire, chalb, plur. chelhir, chelbiro, chelbirum, cJielbir ist im sing, früh untergegangen und nur vereinzelte spuren (in Ortsnamen, bei erhaltung des -ir im stamm z. b. ahir) be- weisen ihre einstmalige existenz. daher konnte das suffix in der form -ir (der bindevokal ist meist i, selten a, u, 0) als plural- bildend empfunden werden. es werden die ältesten belegten er-plurale des ahd. aus dem 8., 9. und 10. jhdt. sowie die alts., altengl., afries., altnord. parallelen dazu aufgezählt, die letzteren sind wenig erheblich, da hier der er-plural lange nicht die rolle wie im ahd. spielt, die urgerm. reinen e.s-stämme werden daraus ermittelt (s. 502 f.) ; neben ihnen standen schon in vorgerm. zeit vokalische stamme (vgl. stedir und stad ,ufer'). mit dem ir-plural sind vor- zugsweise concreta, bes. lebewesen versehen; diese ziehen begriffs- verwandte in ihren kreis, obwohl sich bei ihnen daneben die ältere a-flexion erhält (grap, loup, hüs etc.). nach ansieht des vfs. muß die alte 5-flexion im deutschen einmal viel verbreiteter ge- wesen sein, sonst würde sich der einfluß der wenigen, in ältester zeit überlieferten formen auf die a-flexion nicht erklären, im Alemannischen und Bayrischen fanden die ir-plurale eine ausge- dehntere Verwendung als im Fränkischen, wie noch heute; die für die oberd. maa. charakteristischen formen sind meist tier- bezeichungen. die ir-plurale treten zumeist im nom. akk. auf; in den anderen kasus erst später (z. b. noch ahd.-bayr. lanipo gen.- plur. ahd. Gl. I, 154). in mhd. zeit greift der ir-plural weiter um sich. vf. gibt 71 belege dafür, zu denen das obd. ein großes kontingent stellt, sie drangen jedoch erst seit 1230 in die Schrift- sprache in weiterem umfang ein, vorher sind die formen meist nur dialektisch und die mhd. Schriftsprache geht über das ahd. wenig hinaus in bezug auf die -ir-plurale. während in ahd. zeit der ir-plural auf neutrale stamme beschränkt ist, greift er nun- mehr auch auf die masc. über. in spätmhd. zeit (1300 1450) finden sich flexionslose plurale, solche mit e, mit -er und sogar •ere (lemmere) bei den neutra nebeneinander, besonders auf md.

80 V. Deutsch in seiner gesamtentwicklung.

boden ist die Unsicherheit am größten. 45 neue er-plurale treten im 14. jhdt. auf, aber nur 10 davon halten sich in der nhd. Schrift- sprache, altes -ir für -er hat sich in md. maa. bis ins 14. jhdt. erhalten; -ur, -ar tritt in obd. maa. auf. mit dem ende des 16. jhds. ist der abschluß der er-flexion für weitaus die meisten Stämme erreicht, die spräche der bibelverdeutschungen zeigt bei allen Übersetzern eine Vorliebe für die ursprünglicheren plural- bildungen. die endung -ere findet sich in Luthers ersten drucken noch öfter, später nicht mehr, das 17. jhdt. bringt noch einige ausdehnung der er-plurale auf die Wörter auf -tum, einige fremd- wörter {regimenter usw.). die kraft der bildung erlahmt, je mehr man sich dem ndd. gebiet nähert. auf s. 86 100 in beitr. 38 gibt vf. einen rückblick auf seine darlegungen, in dem besonders auf die maa. eingegangen wird, daran schließt sich auf s. 100 224 die aufzählung des der arbeit zugrunde liegenden materials in alphabetischer Ordnung; die einzelnen belege unter den verschie- denen stichworten sind chronologisch geordnet, am Schlüsse jedes lemmas wird das ergebnis kurz vermerkt.

3. Br. Boezinger, Das historische präsens in der älteren deutschen spräche. Leland Stanford junior university publications. university series, Stanford, Ca. 1912, 91 s. vf. behandelt die entwicklung bis zum Schluß der mhd. periode und spart die weiter- führung der arbeit für einen zweiten teil auf. zunächst werden die angaben der grammatiker über den gebrauch des bist. präs. im deutschen verzeichnet, dann die belege aus dem gotischen auf- gezählt, wo einem griech. bist. präs. das got. praeteritum gegen- übersteht, die weniger zahlreichen, wo die beiden sprachen über- einstimmen (142 gegen 22), vermerkt und die Verwendung des präs. bist, psychologisch motiviert. daran schließt sich die dar- stellung der Verwendung des präs. bist, im ahd., wo die verwend- baren belege noch spärlicher sind (einige bei Otfried und einer aus dem laidwigslied). im mhd. ist der gebrauch des präs. hist. verbreiteter, bes. bei Wolfram, dem Renner, Reinhard Fuchs, bei Berthold u. a. je mehr die denkmäler die Volkssprache wider- spiegeln, um so zahlreicher werden die beispiele für das hist, präs. zum Schluß nimmt B, drei typen dafür an: beim erzählen 1, des selbsterlebten, 2. des gehörten oder gelesenen, 3. das parenthetische präsens, das aus der reflexion entsteht. das historische präsens war der älteren deutschen spräche nicht fremd. 4. Fr, Roemheld, Die deutschen konjunktionen wände, denn, weil. diss. Gießen 1912. vf. untersucht auf breitester basis (sprachvergleichend und textgeschichtlich) die deutschen konjunk- tionen denn, weil und mhd. wände auf ihre entstehung und be- deutungsentwicklung hin. zunächst werden das ältere wände und

i

Y. A. Grammatik. 81

das jüngere, an seine stelle getretene denn, alsdann tveil betrachtet, der ersatz des ivande-ssitzes durch den c?en?i-satz wird auf den ver- schiedenen mundartgebieten an band von literaturdenkmälern des 14. 17. jhdts. verfolgt und auf s. 45 wird das ergebnis zu- sammengefaßt, die gleiche, aber kürzere behandlung erfährt die konjunktion weil.

5. H. Ruppel, Rückbildung deutscher substantiva aus ad- jektiven. diss. Freiburg i, B. 1911.

6. 0. Kracke, Die entwicklung der mittelstellung des deut- schen nebensatzes. diss. Gießen 1911.

7. G. 0. Curme, Force and function of 'Solch'. MLN. 27,201—206.

8. G. 0. Curme, The origin of the relative 'Welcher'. ZfdWortf. 14,112—125. vf. hat die deutschen Schriftsteller zwischen 1310 und 1550 sorgfältig durchgesehen und kommt zu dem ergebnis, daß Pauls ansieht, das nhd. tcelch sei aus dem mhd. indefiniten relativpronomen swelch entstanden, zu recht besteht, im letzteren gebrauch tritt auch frühnhd, ivelch noch auf, für das bei Luther z. b. auch die hinweisende Verwendung häufig ist, die wir jetzt durch derjenige ersetzen.

9. A. Lud in. Streif züge ins reich der muttersprache. vom bedeutungswandel im Deutschen. St. Gallen, Fehr. 1911. 39 s. vf. gibt dem leser zunächst eine kleine veranschaulichung zeit- licher und dialektischer art für sein unternehmen, zählt die wich- tigste in betracht kommende literatur auf, weist auf die Ursachen des bedeutungswandels hin und wendet sich endlich zur aufzählung einiger beispiele, die er nach den üblichen kategorien der Ver- engung, erweiterung, Übertragung usw. gruppiert, das büchlein ist anregend und mit Sachkenntnis geschrieben, zu s. 22 sei be- merkt, daß der Norddeutsche nur von 'sauerkohl' spricht.

10. T. Nordström, Studien über die ausbildung der nhd. starken präsensflexion. ein beitrag zur hist. formenlehre. Uppsala, Akad. bokhandel. 1912. 125 s.

11. Joh. Stärck, Studien zur geschichte des rückumlauts. ein beitrag zur historischen formenlehre. diss. 326 s. Uppsala 1912. vf. untersucht spätmhd. und frühnhd. quellen, be- sonders auch die druckwerke der 2, hälfte des 15. jahrhs. und die kanzleisprachen, ferner die lebenden maa. mit rücksicht auf sein thema. er beginnt mit dem Alemannisch-Schwäbischen, dann folgt das Bayrisch-Österreichische, Nürnbergische, Rheinfränkische, Mittelfränkische, Thüringische, Obersächsische, Schlesische, die ostmd. kanzleisprachen, die vorlutherischen ostmd. druckersprachen, Luther, die Weiterentwicklung nach Luther, ostmd. Sprachtheoretiker, bei jedem abschnitt wird zuerst in zusammenhängender darstellung

Jahresbericht für germanische philologie. XXXIV. (1912.) I. Teil. 6

82 V- Deutsch in seiner gesamtentwicklung.

das eindringen der umgelauteten praeterita und participia praeteriti und das schwinden der alten formen verfolgt und darauf werden die belege gegeben; logischerweise hätte man die umgekehrte Ord- nung erwarten sollen, es ergibt sich aus den Untersuchungen des vfs., daß die md. maa. konservativer als die obd. maa sind; doch ist bei Luther schon im wesentlichen das in der nhd. Schrift- sprache herrschende Verhältnis erreicht, das rückumlaut nur noch bei einigen auf -nn und -ncl auslautenden verbalstämmen kennt. ein sich anschließender abschnitt befaßt sich mit der geschichte des anorganischen rückumlauts (leren : larte: gelart), weitere mit der Chronologie der ausgleichung innerhalb der einzelnen verbalgruppen und mit der ausgleichung bei verben mit anderen- vokalen als e: a, ce:ä (z, b. mhd. vüllen.'vult, dünken : duocM u. dgl.). in einer nachschrift (s. 315 326) setzt sich vf. mit der das gleiche thema behandelnden schrift von Agnes v. Sobbe (s. folg. nr.) aus- einander,

12. Agnes von Sobbe, Die ausgleichung des rückumlauts. diss. Heidelberg 1911. nicht eingegangen.

13. Schon früher verzeichnete Schriften: 1. M. Leopold, Die Vorsilbe ver-. vgl. Jsb. 1907, 5A, 8. bespr. v. G. Deggan, Litbl. 33,99 101. 2. L. Sütterlin, Die deutsche spräche der gegenwart. vgl. Jsb. 1910,5A,1. bespr. von K. F. v. Kummer, Allg. litbl. 21,79 81. 3. Fr. Kluge, Unser deutsch. vgl. Jsb. 1910,5A,2. bespr. von K. F. v. Kummer, Allg. litbl. 21,17. 4. 0. Behaghel, Die deutsche spräche. vgl. Jsb. 1911,5A,3. bespr. von 0. Weise, ZfdU. 26,338—339 und O. Langer, ZfRw. 37,663—666. 5. 0. Behaghel, Geschichte ■der deutschen spräche. vgl. Jsb. 1911, 5A,2, bespr, von O. Weise, ZfdU. 26,338—339; v. Traug. Friedemann, ZSprV, 27,17—18; V. F. Piquet, Rev. crit. 73,346—347; v. J. Ven- dryes, BSL. 60,92—94. 6. Frz. Sohns, Wort und sinn. vgl. Jsb. 1911,5A,5. bespr. v. Th. Geiger, BZfRw. 20,434; V, R. Richter, ZfRw. 37,666—667; v. H. Gürtler, Allg. litbl. 21,434 435; v. L. Benoist-Hanappier, Rev. germ. 8,474; v. Karl Todt, NJb. 30,443—444 und 0. Weise, ZfGw. 66,40—41.

Sigmund Feist.

B. Metrik.

14. Friedrich Kauffmann, Deutsche metrik nach ihrer ge- schichtlichen entwicklung. neue bearbeitung der aus dem nachlaß Vilmars von C. W, M. Grein hrsg. 'Deutschen verskunst'. 3. aufl. Marburg, Elwert, 1912. VIII,262 s. 4,50 m. in Standpunkt und darstellung ist die neue aufläge dieser viel benutzten Vers- lehre gegenüber der vorhergehenden im allgemeinen unverändert

V. B. Metrik. 83

geblieben, das theoretische tritt noch immer sehr zurück; die entwicklung der versmaße sowie die treibenden kräfte der form- änderung und Weiterbildung werden nicht beachtet; vom Stand- punkt des vf.s abweichende ansichten werden wie bisher oft zum schaden der darstellung übergangen, im einzelnen finden sich manche ergänzungen und Verbesserungen, sehr sorgfältig sind die zahlreichen nnd übersichtlichen literaturnachweise erweitert,

15. E. Greißler, Phonetik, rhetorik und neuere metrik. Literaturbericht 1911. ZfdU. 26, s. 728—737.

16. K. Marbe, Die bedeutiing der psychologie für die übrigen Wissenschaften und die praxis. Fortschritte der psycho- logie bd. I, heft 1. Leipzig 1912. 32 s.

17. E. M. V. Hornbostel, Arbeit und musik. Ztsch. der intern, musikgesellsch. XIII, s. 341 350.

18. R. Blümel, Die Rutzsche lehre vom Zusammenhang der spräche und des gesanges mit der körperhaltung. RGM. IV, 389 410. Bl. gibt eine ausführliche Inhaltsangabe des Jsb. 1911, 5B, 7 angezeigten hauptwerkes von Rutz über musik, wort und körper als gemütsausdruck.

19. Ed. Sievers, Rhythmisch-melodische Studien, vortrage und aufsätze (= Germ. bibl. 11,5). Heidelberg, Winter. 1912, 141 s, 3,20 m, die vier schon gedruckten vortrage bzw, auf- sätze 'Zu Wernhers Marienliedern', 'Zur rhythmik und melodik des neuhochdeutschen sprechverses', 'Über sprachmelodisches in der deutschen dichtung' und 'Zur altern Judith' werden hier in einem neuen abdruck dargeboten und um einen bisher unver- öffentlichen vertrag 'Über ein neues hilfsmittel philologischer kritik' vermehrt, es ist somit leicht gelegenheit gegeben, sich mit S.' lehren bekannt zu machen, durch gut gewählte beispiele wird der leser in den stoff eingeführt und auf die große be- deatung aufmerksam gemacht, die das ethos, die hebungsschwere und -abstufung, die gangart, die silbendauer, die bindung, die fugen- bildung, das tempo, die Stimmlage und besonders die versmelodie für den vers und seinen klang haben, so wii'd der enge, herkömm- liche begriff der metrik von Sievers außerordentlich und bedeutsam erweitert, und neben die bis dahin vorwiegend mit stilllesen ar- beitende augenphilologie tritt damit nach seinen werten eine auf erforschung der eigenheiten der lauten, lebendigen rede gerichtete Sprech- und ohrenphilologie als notwendige und selbständige er- gänzung hinzu.

20. A. Heusler, Eduard Sievers und die Sprachmelodie. DLz, 33, s. 1477 1486. H. bestreitet u. a. die konstanz der melodischen Verhältnisse bei den dichtem und ihren werken sowie

6*

84 ^> Deutsch in seiner gesamtentwicklung.

die möglichkeit, die etwaige Sprachmelodie des Verfassers aus dem stummen schriftbilde wieder hervorbringen zu können, und sucht melodische erscheinungen aus den bedingungen zu erklären, unter denen der leser beim vortrage von gedichten steht.

21. E. Felber, Die indische musik der vedischen und klassischen zeit. Studien zur geschichte der rezitation. Sitzungsber. der Wiener ak. phil.-hist. klasse bd. 170. Wien 1912.

22. R. de Souza, Du rhythme en franpais. Paris 1912. 103 s.

23. A. Spire, La technique du vers franpais. Mercure France XCVIII, s. 498—503.

24. E. Landry, La theorie du rhyhtme et le rhythme du fran^ais declame. Paris, H. Champion. 1911. 427 s. 7,50 fr. bespr. DLz. 32, s. 2660 (E. Stengel); Lit. cbl. 63, s. 1195—1196 (J. Gensler); Revue crit. 73, s. 251 253 (E. Bourczieg).

25. Ph. Martinen, Les strophes. etude historique et criti- que sur les formes de la poesie lyrique en Erance depuis la renaissance, avec une bibliographie chronologique et un repertoir© general. Paris, H. Champion. 1912. 8°. XX,616 s. 15 fr.

26. E. Bednara, Verszwang und reimzwang. 2. teil. Pro- gramm des gymnasiums zu Leobschütz. 1912. 48 s. der reim hat die spräche der deutschen dichter in der laut- und formen- bildung, in der Wortwahl, -Stellung und -bildung sowie in der Syntax beeinflußt, die Wirkung des reimzwanges zeigt sich ferner einmal in der erhaltung alter und mundartlicher formen, Wörter, redensarten, Wortfügungen, andererseits in kühnen neuerungen, die oft eine glückliche bereicherung der spi'ache sind, für alle die genannten erscheinungen führt B. eine große anzahl gut gewählter beispiele an.

27. C. Rotter, Der schnaderhüpfl-rhythmus. vers- und periodenbau des ostälpischen tanzliedes, nebst einem anhang selbst- gesammelter lieder. 34 liedsätze aus dem Pinzgau und 10 ländler- weisen, eine formuntersuchung. (= Palaestra 90.) Berlin, Mayer u. Müller. 1912. 18 X 26 cm. VIII,236 s. u. 45 s. 8 m.— R. be- handelt in seinen umfangreichen und eindringenden Untersuchungen textliche und melodische form des schnaderhüpfls in gleich ein- gehender weise und gewinnt dadurch sehr wertvolle ergebnisse. sein buch ist nicht nur für die deutsche metrik bedeutend; es ist zugleich ein wertvoller beitrag zur kenntnis der entstehung, ent- wicklung und Umbildung musikmetrischer formen, der reiche in- halt des buches läßt sich hier in kurzen zügen nicht wiedergeben ;. einige andeutungen müssen genügen, die schnaderhüpfl sind nach R.s ausführungen lieder, die auf die melodie eines ^/^ taktigen in- strumentaltanzes, des ländlers, als tanzeinleitung, nicht zur tanz-

V. B. Metrik. 85

begleitung gesungen wurden, als urform für den text kommt ein geradtaktiger alter lyrischer einstropher in frage, der sich durch einfluß der tanzweise in einen ^/^ taktigen umwandelte, unter- stützt wurde der formwandel durch das ethos und den silbenver- lust der bayerischen mundart. der anfang des 16. und das ende des 17. Jahrhunderts sind die grenzen für das aufkommen des schnaderhüpfls. die früher versuchte ableitung des schnaderhüpfls aus dem Nibelungen-vers wird mit guten gründen abgelehnt, ein- gehend und überaus klar behandelt K. den bau des einzelverses und der Strophe und untersucht die mannigfachen Veränderungen der schnaderhüpfl in text und melodie sowie die Ursachen der Wandlung, mit vielem Scharfsinn und großem geschick stellt R. in zahlreichen fällen die rechte form der lieder fest und bringt da- durch Übersichtlichkeit in den großen formenreichtum des schnader- hüpflrhythmus.

28. Mary Cacy Burchinal, H. Sachs and Goethe. A study in meter. (== Hesperia nr. 2.) Göttingen 1912. 111,52 s. 1,80 m. bespr. Academy 1912,11,506 507. die abhandlung über den H. Sachs-vers bei Goethe enthält mit ausnähme einer dar- stellung der ansichten von Goedeke bis auf die letzte zeit über den knittelvers und einer guten bibliographie nichts von bedeutung.

29. P. "Wagner, Einführung in die gregorianischen melodien. 2. teil: Neumenkunde. 2. verbesserte und vermehrte aufläge. Leipzig, Breitkopf und Härtel. 1912. 12 m.

30. J. Gm eich, Wagners neumenkunde. ein wort zur ein- führung. Gregorianische rundschau XI, s. 158 161; 174 176; XII,2— 8.

31. G. Baesecke, Der Wiener Oswald. (= Germ. bibl. in,2.) Heidelberg, Winter. 1912. V u. 67 s. 8«. 2,20 m.— ein besonderer abschnitt über verskunst behandelt hauptsächlich ■das vorkommen dreihebig stumpfer verse. diese verse werden als Viertakter mit pausiertem vierten takte erklärt; ihre entstehung aus weiblichen und stumpf aufgefaßten dreitaktern herzuleiten wird abgelehnt.

32. M. Trautmann, Zum altenglischen versbau. ESt. 44, 8. 303 342. nach T.s auffassung ist der altenglische vers ein streng gemessener viertakter. als beweis gelten ihm die zu be- obachtenden regeln: von zwei Worten, welche die drei letzten takte eines verses füllen, ist das erste: A) ein langer stamm, wenn das zweite die gestalt ww oder ^w hat, B) ein kurzer stamm, wenn das zweite die gestalt Zw oder i.^ hat. die geltung und er- haltung der regeln wird an den ersten 2000 versen des Beowulf aufgezeigt, eine dritte regel lautet: bildet ein gebind die beiden

86 Y. Deutscli in seiner gesamtentwicklung.

letzten takte, so muß das erste glied ein kurzer stamm sein, die regel A gilt im Beowulf so gut wie unversehrt, regel B ist stark angegriffen infolge der Sprachentwicklung, regel C ist im Beowulf öfter durchbrochen als befolgt, ein abschnitt über den gewinn aus diesen regeln für die textkritik und Sprachgeschichte bildet den Schluß der arbeit.

33. H. Tumlirz, Die spräche der dichtkunst. (= Poetik, teil 1.) Wien, Tempsky. 1912. 162 s. 2,20 m.

34. 0. Rutz, Der menschliche leib als ausdruck des see- lischen. Kunstwart 25*, s. 394—401.

35. 0. Rutz, Die allgegenwart des musikalischen. Merker III, s. 805—809; 838—842.

36. P. Meynen, Melodisches der mundart von Homberg- Niederrhein. Mors, Aug. Steiger. 1911. 22 s. 0,50m. M. hatver- sucht, dialektsätze auf die vorkommenden Intervalle hin zu prüfen und vor allem die melodischen unterschiede in den aussage-, be- fehls-, ausruf- und fragesätzen festzustellen.

37. H. Riet seh, Zum unterschied der älteren und neueren deutschen Volksweisen. Jahrbuch der musikblibliothek Peters für 1911. XVni. Jahrgang. Leipzig 1912. s. 13—34.

38. C. Stumpf, Die anfange der musik. Leipzig, Barth. 1911. 209 s. mit figuren und notenbeispielen. 6,60 m. bespr. Zs. der Internat, musikges. XIII, s. 180 182 (H. Rietsch).

39. Fr. Jostes, Bruchstück einer Münsterschen minne- sängerhandschrift mit noten. ZfdA. 53, s. 348 357. die Über- lieferung der texte ist durchweg sehr minderwertig, nachlässigkeit und mißverständnis des Schreibers haben daran die hauptschuld. das kreuzlied Walthers von der Vogelweide wird mit allen be- kannten Zusatzstrophen dargeboten, zwei Sprüche unter Walthers namen sind durch andere handschriften nicht bezeugt und können auch nicht auf diese handschrift hin für Walter angenommen werden, die hauptbedeutung des fundes liegt nach Jostes in den melodien, falls ihnen die Überlieferung nicht ebenso mitgespielt habe wie den texten, das ist nun aber allerdings nach Wustmanns meinung (vgl. nr. 41) der fall.

40. R. Molitor, Die lieder des Münsterischen fragmentes. Sammelbände der internationalen musikgesellschaft XII, s. 475 500. auf einem doppelblatt mit zwei spalten finden sich fünf melo- dien, von denen keine in den bisher bekannten liederhandschriften notiert ist. die gesänge sind ausnahmslos in der notenschrift des liturgischen Chorals aufgezeichnet, drei melodien gehören zu ge- dichten Walthers von der Vogelweide; die vierte trägt den namen eines meister Reynar. für die fünfte ist der vf. nicht zu ermitteln.

V. B. Metrik. 87

die schriftzüge weisen nach Molitor auf den ausgang des 14. oder beginn des 15. jahrhs. die melodien zu den gedichten Walthers hält M. unbedingt auch für Walthers geistiges eigentum. nach längerer darlegung der verschiedenen ansichten über chorale oder mensurale messung entscheidet sich M. trotz aller forschungen der letzten Jahrzehnte doch wieder für den freien choralrhythmus als rhythmus der lieder und und gibt in diesem sinne eine Umschrift der melodien. den Schluß bilden musikästhetische erörterungen sehr zweifelhaften wertes über die Vorbilder und den gefühlsgehalt der melodien.

41. R. Wustmann, Walthers Palästinalied. Sammelbände der internationalen musikgesellschaft XIII, s. 247—250. scharf wendet sich W. gegen Molitors lesung der melodien (vgl. nr. 40) im Choralrhythmus, der dazu zwingt, einen klingenden reim auf der schwachen endsilbe zu betonen, trochäisch-fallende rhythmen iambisch-steigend zu singen, ja fast allen sprachrhythmus der Strophe im gesang umzukehren. W. hält nur fünf textstrophen des kreuzliedes für echt und sucht im einzelnen nachzuweisen, daß das gedieht zweimal erweitert ist. die Münstersche textüber- lieferung bietet die umfänglichste fassung. das muß gegenüber der musikalischen Überlieferung des Münsterschen fragmentes nach- denklich stimmen. ,wenn man nun diese musik mit Walthers hof- weise (hier sei zum Jsb. 1910,VB nachgetragen: Liliencron-fest- schrift, 1910, s. 440 ff.) oder andern gut überlieferten weisen der klassischen zeit vergleicht, so fallen die vielen koloraturen des Münsterschen fragmentes auf. es ist nach W. nicht unmöglich, daß hier bei der melodie meistersingerische verzierungslust im spiel gewesen ist, ebenso wie sich der text änderungen gefallen lassen mußte, eine mensurierte Übertragung des liedes ist beigefügt.

42. R. Molitor, Über die lieder des Münsterischeu frag- mentes. Sammelbände der internat. musikgesellschaft XIII, s. 506. M. bestreitet, daß offenkundige mängel des textes eine grund- lage seien, um ernste einwände gegen die melodische form zu er- heben und lehnt die annähme einer Überarbeitung ab.

43. J. Schoenenberg, Die metrik Friedrichs von Spee. diss. Marburg 1911. VI,68 s.

44. M. V. Kobilinski, Der versrhythmus des Neuhochdeut- schen in seinen beziehungen zur silbendauer und zur betonung. lehrproben und lehrgänge 1912, s. 56—69. die arbeit ist ohne wert, sie geht von vornherein davon aus, daß die dauer der 'verstakte' im Neuhochdeutschen geregelt sei und kommt durch mangelhafte beobachtung zu dem falschen ergebnis, daß die Silbendauer im deutschen verse keine bedeutung habe, da sich

88 ^- Deutsch in seiner gesamentwicklung.

hebung zur Senkung wie 1 : 1 verhalte, im übrigen enthält die arbeit nur eine breite darsteliung der allbekannten unterschiede antiker und deutscher verskunst.

45. E. Leumann, Zur Vorgeschichte des hexameters und Pentameters. Internationale Wochenschrift bd. V, s. 1034 1046. L. will in der frühmittelalterlichen nordarischen literatur buddhisti- schen gepräges von Ostturkestan quantitierende parallelmetren zum hexameter und pentameter nachweisen, er ist der meinung, damit den grundstein gelegt zu haben zu einer neuen Wissenschaft, der indogermanischen metrik.

46. Fr. Stütz, Die technik der kurzen reimpaare des Pamphilus Gengenbach (= QF. heft 117). Straßburg 1912. XII, 206 s. 6 m. St. hat sorgfältig beobachtet, in welcher weise Gengenbach Worterweiterungen und -Verkürzungen, synkopierte und unsynkopierte formen gebraucht, er stellt daraufhin fest, daß G. seine verse im allgemeinen alternierend gebaut habe, bei der rein philologischen art der Untersuchung bleiben dabei natürlich viele zweifelhafte fälle übrig, zum schaden der arbeit begnügt sich Stütz damit, für Gengenbach alternierendes prinzip festgestellt zu haben, ohne sich auf der gefundenen grundlage nun erst eigentlich metrischen fragen zuzuwenden.

47. 0. Deppe, Die alliteration im Sprachgebrauch der heutigen prosa. programm, Hildesheim 1912. 4°. 21 s.

47. Elsa Sprengel, Goethes gedieht 'Der gott und die Bajadere'. Goethejahrbuch 82, s. 184 186. es wird auf die rhythmische und strophische ähnlichkeit des Goetheschen ge- dichtes mit dem kirchenlied 'Eins ist not' hingewiesen und ohne zwingenden beweis bewußte anlehnung angesetzt.

49. Max Hörn, Der psalter des Burkard Waldis. diss. Halle 1911. 75 s. die verse des psalters sind streng alter- nierend, meist im iambischen maße gebaut, nur ein psalm zeigt trochäischen Gang; einige andere haben iambisch-trochäischen misch- sharakter. Übereinstimmung von wort- und versakzent ist ange- ctrebt, aber nicht streng durchgeführt, die strophenformen sind außerordentlich mannigfaltig; die reimstellung ist kunstreich aus- gearbeitet, auf die ähnlichkeit der metx'ischen grundsätze des Burkard Waldis mit denen Rebhuhns wird hingewiesen.

50. S. Behn, Der deutsche rhythmus und sein eigenes gesetz. eine experimentelle Untersuchung, mit zahlreichen kurven- zeichnungen. Straßburg, Trübner. 1912. VIII, 169 s. 6,50 m. B. will mit dem verfahren der experimentellen psychologie das eigentümliche gesetz des deutschen silbenmaßes nachweisen und aufzeichnen, es wird in dem buche aber derart mit sogenannten

V. B. Metrik. 89

grundsätzen, einseitigen abstraktionen zum zwecke des experi- mentes, Verallgemeinerungen und analogieschlüssen gearbeitet, daß die ergebnisse der arbeit nicht als allgemein giltige gesetze vom deutschen silbenmaß angesehen werden können, wenn sich auch im einzelnen viele treffende, bedeutungsvolle beobachtungen finden, der Klopstockische grundsatz wird wiederholt, daß die betonungs- stufe und wie Behn hinzufügt auch die dauer aller deutschen Silben im satz von ihrem sinnwert abhängt, in den silben, deren sinnwert sehr geschwunden ist, machen sich auch quantitative einflüsse der position mit bemerkbar. aus grammatischen be- griffen werden sieben sinnwertstufen hergeleitet, denen sieben betonungsstufen entsprechen sollen, da es aber nicht möglich ist, mit mehr als fünf verschiedenen Intensitäten länger vergleichend zu arbeiten, so werden die betonungsstufen einander angeglichen und auf fünf beschränkt, sodann werden mehrere regeln aufgestellt über die abhängigkeit von sinnwert und betonung. als rhythmi- zomenon gilt die zeile. darunter will Behn die silben verstanden wissen, die sich um einen sinngipfel gruppieren, da für die bildung und abtrennung der zeilen ein starker instinkt sprechen soll, so wird dieser hauptbegriff der ganzen arbeit nicht weiter klargelegt, überhaupt geht das buch, so breit es sonst in der darstellung und so reich es an Wiederholungen ist, über sich ergebende Schwierigkeiten jedesmal schnell hinweg, die grundbeziehungseinheiten der betonungsstufen nennt B. wellen, wenn darin die erste oder die letzte silbe betonter ist als die übrigen, er unterscheidet lange und kurze, sinkende und steigende wellen, ohne weitere begründung führt er durchweg steigende wellen auf sinkende zurück, kunstwerke, die in sinkende wellenzüge aufgelöst werden können, sollen im metrischen verstände poesie, die andern prosa sein, beharrt in den poetischen dich- tungen das sinken, so handelt es sich um werke fließenden stiles, sonst um Schöpfungen gebundenen stiles. der gebundene stil befolgt überdies das gesetz von der erhaltung des wellenzüge. mit diesem , gesetz' wird in dem buche viel gearbeitet, vergebens aber sucht man nach einer eingehenden begründung und genauen formulierung. für die silbendauer ergibt sich nach B., daß es dafür keine festen werte gibt, daß aber eine höhere betonungs- stufe in der gleichen wellenart länger dauert als alle niedrigem und umgekehrt, im gebiet der tiefwertigen silben haben die ver- schiedenen möglichkeiten der position verschiedene wirkung. die ergebnisse der Untersuchung werden als grundzüge einer kunst- lehre vom deutschen silbenmaß zusammengestellt, auflösungen einer anzahl deutscher gedichte folgen, ein anhang beschäftigt sich mit Sarans Verslehre, dessen ansichten über den begriff der schwere und der deutscheu wortbetonung abgelehnt werden; in

90 ^^- Deutsch in seiner gesamtentwicklung.

einem zweiten anhang zeigt Behn, daß sich seine Voraussetzungen im gründe in Minors neuhochdeutscher metrik wiederfinden.

51. Fr. Wilhelm, Zu Otfrieds quellen. ZfdA. 53, s. 81— 83. W. macht zur grammatisch-metrischen terminologie Otfrieds auf Sätze der praefatio von Mallius Theodorus' schrift de metris und des fragmentes aus der metrik des Bonifacius aufmerksam, die in einer alten Weißenburger handschrift standen.

52. Gustav T hur au. Singen und sagen, ein beitrag zur geschichte des dichterischen ausdrucks. VII, 140 s. 8^. 4 tafeln. Weidmann, Berlin 1912. 4 m. Th. beschäftigt sich mit der durch Verbindung von poesie und prosa entstandenen mischkunst in der lied-, roman- und theaterdichtung der Vergangenheit und gegenwart. er stellt zwar ein umfangreiches material zusammen, läßt es dabei aber ganz an der zweckmäßigen Ordnung des Stoffes und der nötigen klarheit der darstellung fehlen, da er die wich- tigste Seite der mischkunst, die verschiedenartige rhythmik, trotz der erkenntnis ihrer bedeutung gar nicht beachtet, so trägt seine arbeit zum Verständnis dieser zwitterkunst und zur lösung der sich daran anknüpfenden fragen nur sehr wenig bei.

53. E.. Pischel, Der vers in Richard Wagners ring der Nibelungen, programm, Wien 1912. 4*^. 24 s.

54. Besprechungen früher angezeigter werke: 1. A. Kühn, Rhythmik und melodik Michael Beheims. Bonn 1907. Jsb. 1907,5,19: AfdA. 34,67—70 (V. Dollmayr). 2. R. Mucken- heim, Der Strophenbau bei Annette v. Droste-Hülshoff, Münster 1910. Jsb. 1910,5,26: DLz. 33,3108/9 (J. Richemann). 3. P. Habermann, Die metrik der kleineren ahd. reimgedichte. Halle 1909. Jsb. 1909,5,35 : AfdA. 34, s. 222—232 (G. Baesecke) DLz. 33, s. 1579—81 (E. Henschke). 4. W. Masing, Sprach liehe musik in Goethes lyrik. Straßburg 1910. Jsb. 1910,5B DLz. 32, s. 1188 (R. M. Meyer); NJb. 29, s. 235/6 (H. Maync)

5. H. Klein stück. Die Rhythmik der kurzen reimpaare bei B. Waldis. Leipzig 1910. Jsb. 1910,5,20: DLz. 32, s. 2916/7 (E. Henschke); Jsb. für n d. Litgesch. 1911/12, s. 670 (P. Haber- mann). — 6. Paul Zaun er t, Bürgers verskunst. Marburg 1911.

Jsb. 1911,5B,20: DLz. 33, s. 667—70 (G. Schaaffs); Jsb. f. n. d. Litgesch. 1911/12, s. 671/72 (P. Habermann). 7. 0. Rutz, Musik, wort und körper als gemütsausdruck. Leipzig 1911. Jsb. 1911,5B,7: Arch. für ges. Psychologie 24,204/8 (F. Sander); Musikpädagog. blätter 35,318—21 (H. Durra); Cbl. 63, s. 804/5 (M. Seydel). 8. E. Feise, Der knittelvers des jungen Goethe, Leipzig 1909. Jsb. 1909,5,52: Litbl. 1912,14 (A. Mannheimer).—

V. C. Literaturgeschichte. 91

9. H. Draheim, Schillers metrik, Berlin 1908. Jsb. 1909,5,54: AfdA. 35, s. 95/7 (G. Baesecke); Allg. Litbl. 20, s. 272,3 (J. E. Wackernell).

P. Habermann.

C. Literaturgeschichte.

55. A. Salzer, Illustrierte geschichte der deutschen literatur von den ältesten zeiten bis zur gegenwart. 3 bände : I. erste bis sechste periode: von der ältesten zeit bis zum dreißigjährigen kriege, mit 157 textabbildungen und 52 tafelbildern und beilagen XIV, 608 s. II. siebente und achte periode: vom dreißigjährigen kriege bis zur romantik mit 160 textabb. und 43 tafelbildern und beilagen s. 609 1404. III. neunte und zehnte periode: von der romantik bis zur gegenwart mit 184 textabb. und 71 tafelbildern und beilagen s. 1405 2134. München u. Berlin, Allgemeine Verlagsgesellschaft. 60 m., geb. 65 m. das ursprünglich auf 20 lieferungen, von denen die ersten sieben im jähre 1903 erschienen, berechnete werk Salzers liegt nun, nach lOjähriger arbeit als eine erstaun- liche leistung eines einzelnen mannes in drei gewaltigen lexikon- bänden, mehr als dreimal so stark als veranschlagt, abgeschlossen vor. was es versprach, hat es gehalten, und das im Jsb. 1903 über die ersten lieferungen gesagte gilt im ganzen und großen auch von dem vollendeten werke, überall gründliche kenntnis nicht nur der quellen selbst, sondern auch der bezüglichen wissen- schaftlichen literatur. in keiner der vorhandenen großen literatur- geschichten ist die alte zeit (bis zum 30 jähr, kriege) in gleicher ausführlichkeit behandelt, wie in diesem 1. bände, kleinere denk- mäler sind meist wörtlich, die größeren in genauen Inhaltsangaben und textproben mit Übersetzung wiedergegeben, anzuerkennen ist, daß der katholische Standpunkt des vf.s durchaus maßvoll zur geltung gebracht ist. natürlich ist nicht zu verlangen, daß er Luther, der evangelischen kampfliteratur und ihrem Vorläufer Walther gerecht wird, aber einer Objektivität, wie sie von seinem Standpunkte überhaupt möglich ist, hat er sich befleißigt, das bildwerk ist durchweg ganz vortrefflich und in dieser reichhaltig- keit in keiner der vorhandenen 'illustrierten' literaturgeschichten vorhanden, es ist nur zu bedauern, daß der umfang des werkes und der dadurch bedingte preis seinem populären zwecke ent- gegenstehen, für eine zweite aufläge wäre es zu empfehlen, jedem bände ein besonderes register zu geben, das jetzige am Schluß des dritten bandes stehende gesamtregister aber gleichwohl nicht fehlen zu lassen, allerdings müßte dann wohl auch jeder band besonders paginiert werden. rühmende gesamtbesprechung ZföG. 63,

92 ^' Deutsch in seiner gesamtentwicklung.

510—512 von M. Feichtlbauer, Allg. Litbl. 21,687—688 von F. V. Kummer, BZfRw. 20,433—434, vgl. 195—196.

56. J. W. Nagl u. J. Z eidler, Deutsch-österreichisclie literaturgeschichte. 24. 83. lief. (7. 16. lief, des schlußbandes.) Wien, Fromme, ä 1 m. reicht bis zum vormärz 1848. bespr. V.